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Man hat eine arabische Stadt nicht erlebt, wenn man die unter freiem Himmel abgehaltenen Strassenmärkte nicht besucht hat, um einen Eindruck von den Farben und Gerüchen der feilgebotenen Gemüse und Obstsorten zu gewinnen. Da gibt es die besten Tomaten, die ich je gegessen habe, süss, festfleischig, mit dünner Haut und etwas unregelmässig geformt, hocharomatisch und buchstäblich vor Saft tropfend; dunkelrote, rosafarbene und weisse Zwiebeln, die zusammen mit glänzenden grünen, gelben und roten Paprikaschoten, blass weiss-grünen Fenchelknollen, langen, vollkommen geformten jungen Möhren und weissen Rüben sowie kleinen Zucchini aufregende Farbkontraste bilden. Es gibt knackig frischen grünen Salat, ausserdem eine Auswahl von Eichblatt-, Frisée- und Bataviasalat; wilde Kräuter und Körbe voll marokkanischer Trüffeln, Morcheln und Steinpilze frisch aus den Bergen. An einem kleinen Marktstand findet man dünne, saftig-frische Stangen wilden Spargels, stark duftende Berge von frischen Korianderblättern und glattblättriger Petersilie neben Bündeln von Löwenzahnblättern und der grossblättrigen, dunklen, fast schwarzgrünen Brunnenkresse, wie sie unsere Vorfahren gekannt haben müssen. Hier gibt es auch Körbe mit lebenden Schnecken, und Bauern, die für einen Tag vom Land hereingekommen sind, halten ein Paar lebender Kaninchen an den Ohren oder einen lebenden Truthahn in den Armen.

Alles ist hier unvergleichlich frisch: von den runden geflochtenen Körben mit duftenden grünen und dunkelroten Feigen bis zu den unvorstellbar vielen Melonen und Orangen, Blutorangen, Tangerinen und Mandarinen. Die Orangen, die in Marokko gleich vom Baum auf den Markt kommen, schmecken köstlich. Ich liebe den Geschmack der kleinen, grünen marokkanischen Zitronen, Limouns, die ein ganz eigentümliches Aroma besitzen und etwa wie eine Kreuzung aus Zitrone und Limette schmecken. Dann gibt es noch Loquats, die Früchte der japanischen Wollmispel, die aussehen wie aprikosenhäutige kleine Quitten, mit einem würzigen, mangoartigen Geschmack, der sich schlecht beschreiben lässt.

Die Standbesitzer wetteifern miteinander, ihr Obst und Gemüse auf die einladendste Weise zu präsentieren. Rund um die ausgedehnten Marktplätze gibt es kleine Läden, die Gewürze, Nüsse, Kaffee und Wein verkaufen, ebenso wie Metzgereien, Blumengeschäfte und Lebensmittelläden. Am eindrucksvollsten von allen aber sind die Stände mit marokkanischen Gewürzen und Eingelegtem: dekorativ angeordnete hübsche Schalen voll grüner, schwarzer, roter und violetter Oliven mit den unterschiedlichsten Saucen (getrocknete Kräuter in Salzlake; gewürfelte Orangen, Möhren und Cayennepfeffer oder eine Harissa-Gewürzmischung aus gehackten Tomaten, Knoblauch und Chili, die im Mund brennt); hohe, blitzende Gläser mit in Salz eingelegten glatthäutigen marokkanischen Zitronen und winzigen Orangen, die so unerlässlich sind für die traditionellen marokkanischen Tajines aus Huhn, Lamm oder Fisch und unglaublich erfrischend schmecken in einem Salat aus gewürfelten rohen Zwiebeln, Tomaten und gesalzenen Zitronen, den ich erstmals zu frisch gegrilltem Fisch im alten Hafen von Essaouira gegessen habe.

Robert Carrier
Die Kultur der marokkanischen Küche
DuMont, 1988
ISBN 3-7701-2263-1



La cuisine marocaine

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