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Die Medina von Essaouira ist ein noch vollständig erhaltenes Beispiel für eine befestigte Hafenstadt des späten 18. Jahrhunderts. Sie ist nach den städtebaulichen Prinzipien europäischer Militärarchitektur angelegt. Essaouira (früher Mogador) war im 19. Jahrhundert ein wichtiger internationaler Handelsplatz, der Marokko mit Europa verband.
Die Altstadt von Essaouira wurde im Jahre 2001 in die Liste der UNESCO Weltkulturgüter aufgenommen.



  • Essaouira
  • Essaouira – Ein Hauch von Woodstock
  • Ein Tag in der Windstadt Afrikas
  • UNESCO Welterbe: Medina von Essaouira
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  • Essauira - Unbekannte Schönheit
  • Essaouira – Marokko zwischen Medina und Meer
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    Essaouira

    Die Hafenstadt mit ihrer schönen Medina und dem langen Sandstrand bietet sich - alternativ zum grossen Badezentrum Agadir - als Ferienaufenthalt an.

    Die Hafenstadt Essaouira (60'000 Einw.) zählt durch ihre vollständig erhaltene Medina und die langen Sandstrände zu den schönsten Orten am Atlantik.

    Die der Küste vorgelagerten Inseln waren vermutlich bereits in phönizischer Zeit besiedelt. Benannt sind sie nach den Purpurmanufakturen, die in der Zeit von Juba II. erwähnt werden. Auf dem Festland legte 1506 der portugiesische König Manuel die Festung Mogador an. 1765 wurde Essaouira unter Mitwirkung des französischen Festungsarchitekten Théodore Cornut als Konkurrenzhafen zu Agadir und Salé für den Handel mit Produkten aus Afrika erweitert.

    Die Medina von Essaouira ist noch vollständig von einem stark befestigten Schutzwall umgeben. Hinter den zinnenbekrönten Mauern verbirgt sich eine rechtwinklige Anlage - ganz ungewöhnlich für eine orientalische Altstadt. Von der Neustadt kommend, betritt man das alte Viertel durch das Bab Doukkala. Die Hauptachse der Medina, bestehend aus Rue Mohammed Zerktouni, Avenue de l'Istiqlal und Avenue Okba Ben Nafi, führt direkt zum Hafengelände. Dort, wo die Rue Mohammed Zerktouni auf die Rue Mohammed el-Gorry trifft, befindet sich das Zentrum der Souks. Ein Spaziergang durch die Gassen führt an weissen Häusern mit blauen Türen und Fensterläden vorbei, die südeuropäischen Einflüsse lassen sich nicht leugnen.

    Am Fischereihafen, den man durch die 1769 erbaute Porte de la Marine erreicht, kann man sich in einfachen Freiluftrestaurants frischen Fisch zubereiten lassen. Nördlich des Hafens öffnet sich die grosse Place Moulay el-Hassan. Hier laden Strassencafés zu einer kleinen Pause ein. Von der nördlichen Ecke führt eine überwölbte Gasse zur Skala de la Kasbah, der Festungsmauer der Altstadt. Vom nördlichen Turm hat man Hafen, Meer und Altstadt bestens im Blick. In den ehem. Festungsanlagen sind heute Holzwerkstätten untergebracht. Die Holzprodukte aus Essaouira, kunstvolle Einlegearbeiten, werden im ganzen Land geschätzt, inzwischen natürlich auch von den zahlreichen ausländischen Touristen. Ganz in der Nähe, in der Rue Laalouj, liegt das Musée Sidi Mohammed Ben Abdallah, das eine sehenswerte Sammlung marokkanischen Kunsthandwerks besitzt: Musikinstrumente, Teppiche, Waffen, Silberschmuck und Trachten (tgl. ausser Di 8.30-12 und 14.30-18.30 Uhr).

    Der etwa 6 km lange Strand, der in den Sommermonaten besonders von marokkanischen Urlaubern bevölkert wird, beginnt östlich des Hafens. Aufgrund der kräftigen Winde wird die Bucht besonders von Surfern geschätzt.

    Quelle: www.wissen.de



    Essaouira – Ein Hauch von Woodstock

    Wie eine Fata Morgana thront Essaouira auf einem lang gestreckten Felsen am Meer. Ein Gebilde aus Sonne und Licht, in dem die weiss gekalkten Häuser schattenlos mit dem Dunst der Atlantikbrandung verschmelzen. Von einzigartiger Schönheit ist die von Burgmauern und Zinnen umgebene Altstadt mit ihren gemütlichen Restaurants, quirligen Gassen und idyllischen Plätzen. In Essaouira erwartet den Besucher kein typisch marokkanisches Gassengewirr, vielmehr durchschneiden europäisch anmutende Strassen die Medina und teilen sie in die verschiedenen Handwerker-Viertel auf. Riesige Seiden- und Stoffballen türmen sich vor den Ladentüren, zwischen engen Mauern hängt der Duft unzähliger Gewürze: Eine einzigartige Mischung aus Gerüchen, Bildern und Farben verzaubert den Reisenden. Nach einem ausgiebigen Bummel kann man an kilometerlangen weissen Sandstränden in aller Ruhe relaxen und die Seele baumeln lassen. Orte, die schon Legenden wie Jimmy Hendrix oder Bob Marley verzauberten und Essaouira so in den 60er-Jahren zu deren Wahlheimat gemacht haben. Überhaupt übt das ehemalige Mogador auf Musiker eine grosse Anziehungskraft aus: Jedes Jahr im Juni feiern die Einwohner ausgelassen mit über 200'000 Besuchern das Gnaouafestival, das einheimischen Musikern und Künstlern aus aller Welt 4 Tage lang eine Plattform zur gegenseitigen Inspiration gibt. Denn neben traditionellen marokkanischen Klängen bietet das Festival auch moderne Musikstile wie Jazz, Rock, Pop oder zeitgenössische Musik. Dieses bunte Aufeinandertreffen der Kulturen macht das Gnaouafestival nicht nur für musikinteressierte Gäste Marokkos zum unverzichtbaren Programmpunkt im Juni.



    Ein Tag in der Windstadt Afrikas

    Sklaven, Gold und Straussenfedern brachten einst die Karawanen aus der Wüste in den Hafen Timbuktus: Essaouira, angelegt durch einen französischen Stadtplaner, war Marokkos geschäftiges Tor zur Welt. Ungleich geruhsamer verläuft der heutige Alltag in der kleinen Hafenstadt am Atlantik.

    Das gequälte Quietschen des Holzkarrens zerschneidet die morgendliche Stille. Die Schatten sind noch lang, die Strassen leer. Essaouira, die kleine marokkanische Hafenstadt am Atlantik, 170 Kilometer nördlich von Agadir, wirkt verlassen. Die Holzräder scheinen das erste Lebenszeichen dieses frühen Apriltages zu sein. Achmed schiebt seinen Karren gemächlich durch das Stadttor Bab es Sabaa zum breiten Strand. Die dicken roten Mauern der alten portugiesischen Festung lässt er hinter sich. Mit grossem Sieb bewaffnet, will er feinen Sand für den Bau seines Hauses holen.

    Die Stadt erwacht. Am Hafen schütteln Möwen ihr Gefieder in der warmen Asche der Grills. Die Fischer bringen mit ihren Booten den frische Fang für die tägliche Auktion und geben das Startzeichen für den Trubel des Tages. Schon am Kai feilschen Hausfrauen lauthals um die besten Fische. Helfer drängeln, schubsen, um möglichst schnell die glitschige Ware auf die Tische des Fischmarkts gleich hinter dem Stadttor Porta Marina zu schütten. Geschickt und rasend schnell nehmen am Hafen hockende Frauen Fische aus. Die Verkäufer reinigen ihre Grills, um rechtzeitig die Hungrigen zur Mittagszeit mit duftendem Fisch vom Rost zu locken.

    Heute ist der Hafen vor allem als Fischereihafen bekannt. Doch im 19. Jahrhundert wurde fast die Hälfte des Überseehandels dort abgewickelt. Essaouira, damals Mogador genannt, war damit wichtiger Handelsplatz für Marokko. Erst als Timbuktu durch Frankreich besetzt und damit der Transport von Waren durch die Sahara unterbrochen wurde, wandelte sich seine Bedeutung.

    In der kleinen Werft werden auch heute noch grosse Holzschiffe von Hand gebaut und nicht nur an Einheimische verkauft. Rachid zeigt stolz das neuste Bootsgerüst. Schon seit Sonnenaufgang hobelt und schleift er mit seinen Brüdern daran. Das schattige Rippenmuster auf dem Kai lässt es noch grösser wirken. Der Blick auf die Stadt vom Hafen offenbart die mächtige Schönheit der Sqala de la Kasbah, eines Teils der Festungsanlagen. Tosend schlägt das Meer an die dicken Mauern.

    Die Sonne brennt und lässt die Schritte auf der Rampe die Sqala hinauf gemächlich werden. Eine kühle Brise spielt mit den Haaren. Der Wind von Essaouira ist bekannt. Im Sommer zieht er Surfer aus der ganzen Welt in die Stadt, doch jetzt tanzen noch kaum bunte Segel in der Bucht. Unter der Rampe laden freundliche Verkäufer zu einem Glas frischen Pfefferminztee ein. Ihre Läden verstecken sich in den Bögen der dicken Stadtmauer. Der Geruch von Minze erfrischt die Luft der schattigen Räume. Die Männer erzählen lang und ausführlich über die Handwerkstraditionen ihrer Stadt: feinste Holz-Einlegearbeiten aus Thujen- und Zitronenbaumholz und kostbarer Silberschmuck. Der Tisch gefällt Ihnen? Nur 600 Dirham. Überlegen Sie, es ist feinste Handarbeit! Trinken wir noch ein Glas Tee. Der Kauf ist besiegelt. Für die letztlich gezahlten 400 Dirham gibt es noch eine kleine Schale dazu. Beide sind zufrieden. Handeln gehört zum Spass am Geschäft. Wer nicht handelt, verliert sein Gesicht.

    Gegenüber sitzt ein Junge an der Strassenecke und strickt flink mit übergrossen Nadeln Schafwollmützen für Touristen, die aus dem kalten Norden kommen. Fotografieren kostet zehn Dirham, ruft er verschmitzt interessierten Passanten auf der Rampe zu, die den imposanten Wehranlagen entgegenstreben. Diese erinnern an die Portugiesen, die Anfang des 16. Jahrhunderts ein Fort auf den Felsen der Küste erbauten. Essaouira selbst wurde erst zwei Jahrhunderte später mit dem Namen Mogador gegründet. Zeitweise diente die Festung Piraten als Unterschlupf. Für Orson Welles, der hier 1952 seinen Film Othello drehte, war die Stadt mit ihren wunderbaren Festungsmauern der beste Ort, den man dafür hätte finden können.

    Am Weg zur Stadtmauer hängen Fotos von Henna-Tätowierungen. Dabiah ist Künstlerin der Hautbemalung. Hier kann keine so feine Linien malen wie sie. Ständig erfindet sie neue Muster in verschiedenen Farben, erzählt ihre Schwester. Neben Dabiahs Kopftuch und Djellaba, dem langen Gewand von Männern und Frauen, wirken Basecap und Hosenanzug ihrer Schwester burschikos. Gehüllt in ihren weissen Haik, beobachtet die Mutter aufmerksam das Geschehen. Ihr traditionelles Gewand in Weiss, der Farbe der Trauer, lässt nur die dunklen Augen frei. Sie leuchten stolz. Ich bin sehr schüchtern, darum trage ich Haik, meine Töchter können sich kleiden, wie sie möchten. Wir sind in Marokko sehr liberal. Ihre Stimme ist kaum hörbar. Sie steht auf. Bevor der Markt in der Altstadt, der Souq, schliesst, muss sie in die Medina, die Altstadt, das Abendessen einkaufen. Der Wind ergreift ihren Haik, während sie majestätisch die Reihe der 18 grossen spanischen Bronzekanonen entlang schreitet, die die Stadtmauer säumen.

    Bunte Netze liegen am Hafen und sind vorbereitet für den Fang des nächsten Morgen. Hunde haben es sich darin gemütlich gemacht und dösen in der Nachmittagssonne. Auf dem Platz Molay Al Hassan am Rand der vollständig erhaltenen Medina treffen sich die Frauen, um Neuigkeiten auszutauschen. Ihre Kinder spielen derweil Fangen und Hinkelkästchen. Alle tragen ihre besten Kleider. Im Café am Platz geniessen die Gäste die Sonnen beschienene Geruhsamkeit. Ende der 1960er Jahre hat diese Ruhe und die Musik der Gnaoua, die traditionelle Musik Südmarokkos, Jimi Hendrix, Cat Stevens und noch andere Musiker der Hippie-Szene angezogen. Sie liessen sich am Rand von Essaouira eine Zeitlang nieder. Das Haus von Jimi Hendrix, südlich der Stadt gelegen, ist heute zu besichtigen.

    Im Souq herrscht noch Hochbetrieb. Hühner gackern, Verkäufer bieten laut ihre Ware an, Frauen keifen und feilschen um jeden Dirham. Der weisse Haik verschwindet in der bunten Menge. Möchten Sie probieren? Jede Gasse bietet ein anderes Angebot, ihren eigenen Geruch. Offene grosse Papiersäcke mit Gewürzen stehen wie dicke Farbtupfer am Weg. Vögel sitzen auf dem Rand der Getreidesäcke, zwitschern fröhlich und picken.

    Hinter dem Stadttor Bab Doukkala werden auf einen Marktplatz im Norden der Medina auf Tüchern und Planen grosse Haufen Nüsse, Mandeln, Obst, und Gemüse angeboten. Auch Haushaltswaren locken in allen Farben. Der Platz schwingt im Rhythmus der Gnaoua-Musik. Grosse Trommeln, begleitet von Saiteninstrumenten und metallenen Kastagnetten verführen ihre Zuhörer zum Tanz auf dosenartigen Metalltöpfen. Viele Männerfüsse haben ihre Begeisterung und Trance mit tiefen Dellen im Deckel hinterlassen.

    Der Tag geht zu Ende. Langsam schliessen die hölzernen Klappläden in der Stadt. Es wird ruhiger, die Menschen ziehen mit ihren Einkäufen durch die weissen Strassen mit den leuchtend blauen Türen nach Hause. Ein quietschender Holzkarren scheint sie vor sich her zu schieben, auch Achmed hat sein Tagwerk beendet.

    Von Monika Bergmann


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