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Marokko Fes en français |
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Die grösste Medina des Landes begeistert durch ihre labyrinthartigen Gassen, ihre lebendigen Souks und vor allem durch die bedeutenden Moscheen und Medersen aus der Zeit der Merinidenherrscher. Fes, die älteste und zugleich schönste der vier marokkanischen Königsstädte, liegt 60 km nordöstlich von Meknes inmitten der fruchtbaren Saïs-Ebene. Die Stadt, viele Jahrhunderte politisches und geistliches Zentrum des Landes, teilt sich in vier Stadtteile: Medina (Fes el-Bali und Fes Djedid), Ville Nouvelle und zwei neue Viertel im Süden und Norden der Medina. Geschichte Bereits 789 gründete Idriss I. am Oued Fes Medinat Fas. Als Datum der eigentlichen Stadtgründung gilt jedoch das Jahr 809, als sein Sohn Idriss II. die bescheidene Ansiedlung zur Hauptstadt seines Reichs ausbaute. Die frühen Siedler des 9. Jh. waren Flüchtlinge aus Al-Andalus und aus dem tunesischen Kairouan. Es entstanden zwei durch Mauern voneinander getrennte Städte, die nach ihren Bewohnern Aduat el-Andalus und Aduat el-Kairaouine genannt wurden. Die günstige Lage an der Kreuzung wichtiger Handelswege ermöglichte einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem entwickelte sich Fes nach der Gründung der Kairaouine-Universität zum geistigen Zentrum des Landes. Nach der almoravidischen Eroberung 1069 wurden die Mauern der beiden Städte eingerissen, durch ihre Zusammenlegung entstand Fes el-Bali. Die im 9. Jh. begonnenen und später mehrfach erweiterten Bauten der Andalusier- und der Kairaouine-Moschee erinnern noch heute an die Ursprünge von Fes. Die Residenz des Sultans wurde unter Youssouf Ben Tachfin erstmals nach Marrakesch verlegt. Ihre grösste Blüte erlebte die Stadt am Oued Fes nach der Eroberung durch die Meriniden ab 1248. Die neuen Herrscher machten Fes abermals zur Hauptstadt und läuteten damit eine rege Bautätigkeit ein. Das Stadtviertel Fes Djedid ('das neue Fes') mit Königspalast, Moscheen und Medersen wurde angelegt. Hier, nahe der Sultansresidenz, entstand im 14. Jh. ausserdem die Mellah, in der sich die Juden aus Fes el-Bali und jüdische Flüchtlinge aus Andalusien ansiedelten. Im Zuge der spanischen Reconquista und der christlichen Eroberung von Cordoba entwickelte sich Fes zum grossen kulturellen Zentrum des westlichen Islam. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. eroberte die Dynastie der Saadier das Land und ernannte Marrakesch zur Hauptstadt ihres Reichs. Fes blieb weiterhin wichtiges geistliches und wirtschaftliches Zentrum. Mit dem ersten Herrscher aus dem Haus der Alaouiten, Moulay Rachid, der 1666/67 Fes erneut zur Residenz machte, kehrte die politische Bedeutung zurück. Bis auf ein Intermezzo von Meknes, 1672-1727 Residenz des Sultans Moulay Ismail, änderte sich am Status der Stadt bis Anfang des 20. Jh. nichts mehr. Die Unruhen nach einem Aufstand der Bevölkerung gegen Sultan Moulay Hafid im Jahr 1911 nutzten die Franzosen, um in Fes einzumarschieren. Während des französischen Protektorats entstand zwar mit der Ville Nouvelle ein neues Stadtviertel, doch durch die Verlegung der Hauptstadt nach Rabat verlor Fes endgültig seine politische Bedeutung. Bis zum heutigen Tag ist die älteste der vier Königsstädte jedoch das geistliche Zentrum des Landes und zieht in den letzten Jahrzehnten dank ihres kulturellen Erbes zahlreiche Touristen an - ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Besichtigung Noch bevor man sich in das Labyrinth der Medina wagt, empfiehlt es sich zur besseren Orientierung, die beiden Altstädte auf der Umgehungs strasse Tour de Fes zu umrunden. Von den drei Aussichtspunkten Borj Sud (vormittags), Tombeaux Merinides (Meriniden-Nekropole) und Borj Nord (nachmittags) bieten sich die schönsten Panoramablicke über Fes el-Bali nach Fes Djedid. Von oben ist das Gefüge der Stadt am besten erkennbar. Fes el-Bali Für den europäischen Reisenden stellt die Medina von Fes die orientalisch-arabische Stadt par excellence dar. Um sie vor dem Verfall zu bewahren, haben sich die UNESCO und private Stifter die Aufgabe gestellt, die Substanz und Struktur der Altstadt zu schützen und zu restaurieren. Fes wird als Stadt des Kunsthandwerks durch Werkstätten und Geschäfte geprägt. Einige Zweige des traditionellen Handwerks wurden allerdings in den letzten Jahren an die Peripherie verdrängt. Zudem bieten etliche Altstadtläden heute immer häufiger moderne Industrieprodukte an. Hat man die Erkundung von Fes mit der Aussicht von Borj Sud begonnen, kann man nach kurzer Fahrt zum Bab Ftouh gelangen, einem im 16. Jh. errichteten und im 18. Jh. erweiterten Zugang zum alten Stadtteil der Andalusier. Die Marktstrasse Fekharine biegt am Ende nach links, dort führt linker Hand die Querstrasse Sidi Boujida zur Mosquée des Andalous, einer der Freitagsmoscheen von Fes. 859/860 gegründet, wurde die Moschee mehrfach erweitert. 956 erhielt sie ein Minarett nach dem Vorbild der Kairaouine, Anfang des 13. Jh. wurde sie grundlegend erneuert. Besonders prächtig verziert ist das Hauptportal im Norden. Der Weg um die Moschee führt (gegen den Uhrzeigersinn) zu zwei alten Koranschulen, der Medersa es-Sebbaiyine und der 1323 errichteten Medersa es-Sahrij, die ein ungewöhnlich grosses Reinigungsbecken besitzt. Ein paar Schritte weiter führen die Strasse Sidi Youssouf und die Rue Nekhaline mit ihren Schmiedewerkstätten zur Place er-Rsif. Hier verläuft die Grenze zwischen den beiden alten Stadtteilen. Die Brücke Sidi el-Aouad führt zum anderen Ufer des Oued Fes ins Kairaouine-Viertel, wo auf engstem Raum die bedeutendsten historischen Denkmäler von Fes zu finden sind. Nach der Brücke führen rechter Hand die Gassen der Wollfärber zur Medersa es-Seffarine. Die älteste Koranschule von Fes, in merinidischer Zeit (1271) entstanden, ist noch heute in Benutzung und kann daher nicht besichtigt werden. Die Place es-Seffarine (Platz der Messingschmiede) wird beherrscht von den umliegenden Schmiedewerkstätten und dem rhythmischen Lärm, den sie verbreiten. Von hier ist es nicht weit zu dem am Oued Fes gelegenen Gerberviertel Chuwwara. Die Gerber von Fes el-Bali gehören zu den berühmtesten Handwerkern Marokkos. Leder aus Fes wurde bereits im Mittelalter bis nach Bagdad exportiert. Die Arbeit in der Gerberei und Lederfärberei kann von mehreren Terrassen aus beobachtet werden. Über dem Viertel liegt ein übler Gestank, dem man mit einem vor die Nase gehaltenen Büschel Pfefferminzblätter begegnen kann. Die Häute von Schafen, Ziegen und Kühen werden nach traditionellen Methoden zu Leder verarbeitet. Die Gerber verkaufen ihre Produkte (Babouschen, Taschen, kunstvoll bestickte Sitzkissen) gerne direkt. An der Place es-Seffarine führt die Rue Derb Taouil nach einer Biegung an die östliche Mauer der Kairaouine-Moschee. Das Viertel um die Kairaouine-Moschee, die Medersa el-Attarine und das Mausoleum von Moulay Idriss II. bildet den Kern der Medina. In diesem Stadtteil feilschen Käufer und Händler geräuschvoll um das bunte Warenangebot, treffen sich Gläubige in ihren religiösen Zentren, lassen sich Touristen vom lebhaften Treiben faszinieren. Viele schöne alte Häuser wurden in Läden umfunktioniert und sind nun edler Rahmen für marokkanische Handwerksprodukte. Nach einem Linksknick führt die Rue Derb Taouil vorbei an der 1347 errichteten, heute aber verfallenen Medersa Mesbahia zum monumentalen Hofeingang der Mosquée Kairaouine . Die Gründung des bedeutendsten Bauwerks von Fes geht zurück auf das 9. Jh. Fatima Bint Mohammed el-Feheri, mit ihrer Familie aus Kairouan eingewandert, stiftete um 857 eine bescheidene Anlage, die im Lauf der Jahrhunderte immer wieder erweitert wurde. Mit der Gründung der Universität im 10. Jh. - neben der El-Azhar in Kairo die älteste theologische Hochschule des Islam - entwickelte sich die Kairaouine rasch zu einem der wichtigsten geistigen Zentren des Maghreb. Unter den Meriniden (13./14. Jh.), als hier etwa 8000 Studenten eingeschrieben waren, erlebte die Universität ihre Blüte. Heute sind alle Fakultäten ausser Theologie und Islamisches Recht ausgelagert. Sie sind in der ehem. Kasbah des Cherarda (nördlich der königlichen Palastanlage) untergebracht. Die Moschee in ihrer heutigen Gestalt stammt überwiegend aus dem 12. Jh. und beeindruckt durch gewaltige Ausmasse: Der Gebetssaal, der durch 15 Säulenreihen in 16 Schiffe geteilt wird, fasst 22'000 Gläubige. Nichtmuslimischen Besuchern bleibt der Eintritt verwehrt, sie müssen sich mit dem Blick durch eines der 14 Tore in den gefliesten Innenhof begnügen, in dessen Mitte sich der Brunnen für die rituellen Waschungen vor dem Gebet befindet. Nach dem Gewirr der Souk-Gassen und dem Lärm der Werkstätten bieten zwei Orte in der Nachbarschaft der Kairaouine Erholung: Links lädt ein Kaffeehaus zu einer belebenden Rast bei Kaffee oder Tee ein, rechts die Medersa el-Attarine zu einer Reise ins maurische Mittelalter. Ausserhalb der Hauptbesuchszeiten kann man die wundervollen Muster der Innendekoration in Ruhe betrachten. Dem Reisenden sei die Zeit zwischen 13 und 14 Uhr empfohlen, die Reisegruppen befinden sich dann meist in einem der zahlreichen Spezialitätenrestaurants. Die um 1323 unter Sultan Abou Said Othman errichtete Koranschule ist eines der schönsten Beispiele merinidischer Sakralarchitektur und zugleich eines der bedeutendsten Bauwerke von Fes. Unterrichtet wurde hier bis zum Anfang des 20. Jh. Obwohl die Medersa im Lauf der Jahrhunderte mehrfach restauriert wurde, sind Gebäudeteile aus der Gründungszeit noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Kernstück der Anlage ist der Hof (Sahn), der sich hinter einem prächtigen Torbogen aus Stuck öffnet. Im Osten und Westen sind den Wänden Pfeilerarkaden vorgelagert. Die für Medersen der merinidischen Zeit typische Dreistufigkeit der Wanddekoration (Zellij-Fliesenmosaik im unteren Bereich, Stuckdekor in der Mitte, Holzverschalung in den oberen Wandbereichen und an den Decken) wirkt besonders harmonisch. Die Zellij-Dekoration der Pfeiler und Wände wird bekrönt von einem Fries mit Inschriften und Arabesken in Schwarz auf hellem Hintergrund. Die oberen Bereiche werden durch Holzbögen und ein Holzgesims mit geschnitzten Konsolen abgeschlossen. Das Dach ist auf der zum Hof gewandten Seite mit grünen Ziegeln gedeckt. Im Norden öffnet sich der Innenhof zum Gebetsraum, dessen Tor eine prächtige Stuckdekoration aus Stalaktitenmustern (Muqarnas) besitzt. Auch der hufeisenförmige Mihrab ist reich dekoriert. In den oberen Stockwerken befinden sich die kleinen, um den Innenhof gruppierten Zellen der Koranschüler. Zur Zeit sind diese wegen Restaurierung ebenso wenig zugänglich wie das Dach der Schule, von dem man erst nach Abschluss der Arbeiten wieder einen Blick in den Innenhof der benachbarten Kairaouine-Moschee werfen kann. Von der Medersa führt die Strasse Souk el-Attarine nach Westen, und nach etwa 100 m biegen kleine Gassen links zum Zentrum der Souks, der Kissaria , wo besonders kostbare Waren angeboten werden. Nach alter Tradition wird dieses Marktviertel noch immer jeden Abend verschlossen. Nach zwei verheerenden Bränden in den Jahren 1917 und 1954 wurde die Kissaria jeweils wieder aufgebaut, zuletzt im modernen Betonstil mit flachen Dächern. Das Viertel besteht nun, ganz untypisch für arabische Souks, aus rechtwinklig sich schneidenden Strassenzügen. Verlässt man die Kissaria durch das südwestliche Tor, stösst man auf die Zaouia Moulay Idriss II. . Um das 1437 wieder entdeckte Grab des Stadtgründers liessen die Meriniden ein grosszügiges Mausoleum bauen, das in den folgenden Jahrhunderten mehrfach restauriert wurde. Die noch heute viel besuchte Pilgerstätte entwickelte sich zum bedeutendsten marokkanischen Wallfahrtsort nach dem Grabmal Idriss' I. in Moulay Idriss. In den umliegenden Gassen werden Kerzen verkauft, die die Gläubigen am Grab des Heiligen, der 829 einen gewaltsamen Tod fand, entzünden. Andersgläubigen bleibt der Zutritt zur Zaouia verwehrt. Bei einer Umrundung der Anlage, die aus dem eigentlichen Mausoleum, einer Moschee und einem Innenhof besteht, kann man aber den einen oder anderen Blick durch die tagsüber offenstehenden, mit feinem Schnitzwerk geschmückten Zedernholzportale ins Innere wagen. Das Mausoleum und der Innenhof sind mit feinem maurischem Dekor ausgestattet, mit farbigen Kacheln, in Gips geschnittenen Schmuckbändern, Koraninschriften und Decken aus geschnitztem Zedernholz. Häufig sind Männer bei rituellen Handlungen vor dem Grabmal zu beobachten. An der rückseitigen Aussenwand der Zaouia befindet sich eine sternförmige Kupferplatte mit einer Öffnung. Die vorüberziehenden Pilger können so für die fromme Institution spenden und etwas von der Baraka (Segenskraft) des Heiligen gewinnen. Vor einigen Jahren wurde das benachbarte kleine Gitter mit einer Glasscheibe geschützt, weil zahlreiche Frauen in dem Glauben, dadurch überreichen Kindersegen verhindern zu können, Vorhängeschlösser angebracht hatten. Alljährlich Ende August/Anfang September veranstalten die Handwerksgilden zu Ehren Moulay Idriss' II. einen grossen Moussem. Höhepunkt der einwöchigen Feierlichkeiten ist eine Prozession durch die Medina, ausserdem finden auf der Place Nejjarine grosse Musik- und Tanzveranstaltungen statt. Auf dem Weg zur Place Nejjarine stösst man auf eine kleine Gasse, die durch eine Holzbarriere abgetrennt ist. Dieser Balken markiert den Beginn des heiligen Bezirks (Horm) rund um die Zaouia. Durch den Souk der Tischler erreicht man die nahe Place Nejjarine, die zu den schönsten Plätzen der Altstadt zählt. Ein um 1700 errichteter öffentlicher Brunnen besitzt eine für ein solches Bauwerk ausserordentliche Pracht. Seine Dekoration aus Zellij und Holz macht ihn zu einem beliebten Fotomotiv. Noch heute holen sich die Familien des Viertels hier täglich ihr Wasser. Direkt daneben erhebt sich der aus dem 18. Jh. stammende Fondouk Nejjarine, das nach seiner Restaurierung nun prächtiger ist für das neue Holzmuseum. Zu besichtigen sind Werkzeuge sowie Produkte des Schreiner- und Tischlerhandwerks, u. a. Möbel, Musikinstrumente und rituelle Gegenstände. Über die Rue ech-Cherablyine und die Rue Talaa Kebira gelangt man in den westlichen Teil der Medina und zur 1342 erbauten merinidischen Mosquée ech-Cherablyine . Das Minarett der Freitagsmoschee stammt aus dem 19. Jh. In der Strasse sind etliche Fondouks erhalten, ehem. Herbergen, die heute von Handwerkern und Händlern als Werkstätten und Lager genutzt werden. Die Talaa Kebira steigt nach Westen hin an. Nach etwa 500 m folgt auf der linken Seite ein weiteres Zeugnis maurischer Baukunst, die zwischen 1355 und 1357 entstandene Medersa Bou Inania. Die jüngste der merinidischen Koranschulen von Fes, eine Gründung von Sultan Abou Inan (1348-58), sollte an Grösse und Pracht die etwas ältere Attarine-Medersa noch übertreffen. Die Dekoration des Innenhofs, die weitgehend jener der Attarine-Medersa entspricht, wurde vor einigen Jahren grundlegend restauriert. Auf der östlichen und westlichen Seite öffnen sich Iwane, überwölbte Hallen, in denen der Unterricht abgehalten wurde. Die Bou Inania ist die älteste Koranschule des Iwan-Typs in Marokko. Der Gebetsraum der Medersa wird heute noch als Moschee genutzt, daher dürfen Nichtmuslime hier nur den Hof besichtigen. Im Obergeschoss befinden sich die winzigen Studentenzimmer. Der Medersa gegenüber steht das ebenfalls im 14. Jh. errichtete Haus des Glockenspiels. Sieben der ursprünglich 13 Bronzeglocken sind erhalten, werden zur Zeit aber restauriert. Von der Rue Talaa Kebira gelangt man über eine enge Gasse links in die Rue Talaa Seghira und zum Hammam Mernissi, einem der 35 öffentlichen Bäder von Fes el-Bali. Hier gehen die Männer vormittags, die Frauen nachmittags und abends der Körperpflege nach. Rechts neben dem Bad lädt ein Café zu einer wohlverdienten Rast ein. Am südlichen Ende des Platzes erhebt sich das 1913 errichtete, älteren maurischen Stadttoren nachempfundene Bab Boujeloud. Der Blick von der Place Boujeloud durch den Torbogen zu den Minaretten der Bou Inania und der benachbarten Moschee Sidi el-Lazzaz zählt zu den beliebtesten Fotomotiven in Fes. Südöstlich des Hammam Mernissi, an der Place de l'Istiqlal, befindet sich das in einem alten Palast aus dem 19. Jh. eingerichtete Musée Dar Batha. Das Museum besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen marokkanischen Kunsthandwerks. Ausgestellt sind Teppiche, Holzschnitzereien, Silberschmuck, Messing- und Kupferarbeiten, Trachten, Stickereien und Keramik. Im ersten Raum nach dem Eingang werden archäologische Exponate der Region gezeigt. Fes Djedid Das 'Neue Fes' wurde als Residenzviertel unter den Meriniden-Sultanen angelegt und erstreckt sich südöstlich von Fes el-Bali. Ein Rundgang durch diesen Stadtteil beginnt an der Place des Alaouites, wo sich das neue Tor des seit der merinidischen Zeit auf beachtliche Grösse angewachsenen Palais Royal (Dar el-Makhzen) befindet. Das prächtige Tor wurde 1971 in traditioneller Bauweise gefertigt. Sieben goldene, mit Messing beschlagene Türen sind in einen Rahmen aus Zellij und Stuck gefasst, schräge Dächer aus grünen Ziegeln schützen gegen Regen. Der Palast und die Gärten sind vom Platz aus nicht einsehbar. Wer eine Vorstellung von den gewaltigen Ausmassen der Anlage gewinnen will, kann von hier aus einen Spaziergang zum Borj Nord unternehmen. Östlich der Place des Alaouites öffnet sich die Mellah, das jüdische Viertel. Auf dem Areal des Cimetière Hébraïque (Jüdischer Friedhof) ist ein kleines jüdisches Museum (Fondation El-Habbanim) untergebracht, das in Begleitung eines Wächters besichtigt werden kann. Biegt man am Eingang zur Mellah rechts in die Grande Rue des Mérinides ein, gelangt man geradewegs ins Zentrum. Die Architektur der Häuser wirkt sehr modern und unarabisch, viele wurden nach einem Brand 1912 nach westlichem Muster neu errichtet, wobei der Jugendstil sehr stark vertreten ist. In dieser Strasse liegt auch der berühmte Gold-Souk, hier kaufen Fassis aus allen Teilen der Stadt ihren Schmuck ein. Am Ende der Strasse steht an einem kleinen Platz links das Bab Semmarine, ein altes, Anfang des 20. Jh. restauriertes Tor der Meriniden-Stadt. Die hier beginnende Grande Rue de Fes Djedid ist aufgrund der angrenzenden Souks sehr belebt. Auf einem kurzen Spaziergang gelangt man vom Stadttor zur südöstlichen Mauer des Königspalastes. Nach etwa 50 m erhebt sich die 1357 errichtete Mosquée Lalla Zhar mit Innenhof, Brunnen und Medersa. Eingang und Brunnen befinden sich 2 m unter dem Niveau der Strasse. Das reich verzierte Portal soll der Überlieferung nach aus Andalusien stammen. Zurück in der Grande Rue de Fes Djedid kann man zwei weitere, im 14. Jh. entstandene Moscheen besichtigen, die Djamia el-Hamra (Rote Moschee) und die Djamia el-Beida (Weisse Moschee). Am Ende der Strasse liegt das Bab Dekaken, seit dem Ende des 19. Jh. offizieller Eingang des Palastes. Nördlich davon befindet sich das restaurierte merinidische Tor Bab es-Seba, in früheren Jahrhunderten Ort öffentlicher Hinrichtungen. Unmittelbar dahinter wurde im Mai 1997 der Vieux Mechouar, der alte Empfangshof, als Austragungsort des jährlich in diesem Monat stattfindenden Festivals sakraler Musik eingeweiht. Ein kleines Tor an der Westseite zwischen dem Bab Dekaken und dem Bab es-Seba führt zum Viertel Moulay Abdallah. Nur ein paar Schritte weiter erreicht man die Grande Mosquée aus dem Jahre 1278. Aus dem 18. Jh. stammt ein weiteres wichtiges Bauwerk von Fes Djedid, Mosquée et Mausolée Moulay Abdallah. Als Erholung nach diesem Rundgang sei ein Spaziergang durch den Jardin Boujeloud empfohlen, der Fes Djedid mit Fes el-Bali verbindet. Ville Nouvelle Das in der Zeit des französischen Protektorats entstandene Viertel bietet keine historischen Sehenswürdigkeiten. Zwischen der Avenue Hassan II. und dem Boulevard Mohammed V. präsentiert sich Fes von seiner modernen Seite, hier liegen die grossen Hotels und Restaurants sowie die neueren Geschäftsviertel. In der Nachbarschaft des Hotels Volubilis befindet sich ein interessantes Kunsthandwerkszentrum, das Centre Artisanal . Hier kann man die Handwerker bei der Arbeit beobachten und ihre Produkte an Ort und Stelle erwerben. Für alle, die sich mit dem Feilschen nicht anfreunden wollen, die richtige Adresse. Quelle: www.wissen.de Fes – Das geistige Zentrum Marokkos Die älteste der vier Königsstädte gilt als geistiges Zentrum des Landes und ist Sitz der Karaouine, der zweitältesten islamischen Universität der Welt. Fes hat über eine Million Einwohner und steht dank seiner kunstvollen Bauwerke als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Und betritt man zum ersten Mal die labyrinthartige Altstadt, spürt man sofort, weshalb: Sie verzaubert ihre Besucher mit unzähligen Gässchen und atemberaubenden Souks aus dem 9. Jahrhundert. Hier findet der Urlauber alle historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bis auf wenige Strassen, die in die Medina führen, ist ein Befahren der engen Gassen nicht möglich – das Schlendern dafür umso schöner. An der Grenze zwischen den Stadtteilen Fes-el-Djedid und Fes-el-Bali liegt das Dar Batha, ein ehemaliger Wesirspalast mit grosszügig angelegten Gärten, die zum Spazieren einladen. Zudem erwartet die Besucher eine bemerkenswerte archäologische Sammlung sowie das Museum marokkanischer Kunst. Und auch Souvenir-Jäger kommen in Fes nicht zu kurz: Neben Schmuck, Stoffen, Schnitzereien oder Messing- und Goldschmiedearbeiten lohnt sich besonders der Kauf der typischen blau-weissen Feser Keramik – vorausgesetzt, man hat genügend Platz im Reisegepäck. Doch Fes fasziniert seine Besucher noch mit ganz anderen Eindrücken. So können Reisende zum Beispiel jedes Jahr im Sommer das Festival der geistlichen Musik miterleben. Dann feiern Einheimische und Touristen jeden Alters unter der Schirmherrschaft von König Mohammed VI. mit verschiedensten Künstlern aus aller Welt ein spektakuläres Fest. Neben Auftritten internationaler und marokkanischer Musiker, Orchester und Tanzgruppen bietet das Festival seinen Besuchern zahlreiche kulturelle Aktivitäten wie Lesungen und Kunstausstellungen. Und verwandelt so die Plätze, Innenhöfe und Gassen der bezaubernden Altstadt, der Medina, für eine Woche in eine spannende Mischung aus internationalem Flair und traditioneller marokkanischer Lebensart, der man sich nur schwer entziehen kann. ![]() |
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