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Marokko Rabat und Salé |
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Die Residenz des Königs und Hauptstadt des Landes ist Brücke zwischen Orient und Okzident, zwischen Tradition und Moderne.
An der Mündung des Oued Bou Regreg in den Atlantik liegen Rabat und Salé. Auf der südwestlichen Seite des Flusses breitet sich die Hauptstadt aus, die sich heute überwiegend als moderne Metropole präsentiert. Ein wenig in ihrem Schatten steht die Schwesterstadt Salé auf der anderen Seite des Flusses. Jahrhundertelang bedeutendes Handelszentrum, gingen politischer Aufstieg von Rabat und wirtschaftlicher Niedergang von Salé Hand in Hand. Geschichte Das Mündungsgebiet des Oued Bou Regreg ist seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Reste eines punischen Hafens im Bereich der Chellah zeugen von Handelsbeziehungen zu Karthago seit dem 3. Jh. v. Chr. In römischer Zeit entstand auf den Ruinen der punischen Siedlung die Stadt Sala. Im 10. Jh. errichteten islamisierte Berber an der Stelle der heutigen Kasbah einen ersten Ribat (Klosterburg), ein Jahrhundert später wurde am anderen Ufer des Bou Regreg Salé gegründet. Nach der almohadischen Eroberung von Fes 1146 annektierte Abd el-Moumen die Küstenregion. Er liess Salé zerstören und Rabat ausbauen. Es entstand die stark befestigte Oudaïa-Kasbah, die heute zu den bedeutendsten Monumenten der Stadt zählt. Nachfolger Yakoub el-Mansour (1184-99) hatte den ehrgeizigen Plan, Rabat (damals Ribat el-Fath-Siegeskloster) zur glanzvollen Hauptstadt seines Reichs auszubauen. Im Zentrum sollte die grosse Hassan-Moschee stehen. Das Vorhaben wurde jedoch nach Yakoubs Tod und der erneuten Verlegung der almohadischen Residenz nach Marrakesch aufgegeben. Heute sind als Zeugen dieser Zeit noch Teile der Stadtmauer sowie der Hassan-Turm und dazugehörige Säulenreste erhalten. Flüchtlinge aus Spanien (Al-Andalus), die Anfang des 17. Jh. am Bou Regreg siedelten, verhalfen den beiden während der Merinidenzeit vernachlässigten Städten zu neuer Blüte. 1627 schlossen sich Rabat und Salé zur unabhängigen Republik Bou-Regreg zusammen. Durch Freibeuterei und Sklavenhandel erlangte die Region beträchtlichen Wohlstand. In dieser Zeit wurde die Medina von Rabat angelegt, die im Süden mit der nach ihren Erbauern benannten Mauer der Andalusier abschliesst. Obwohl die 'Piratenrepublik' bereits 1666 von den Alaouiten geschluckt wurde, gingen die Überfälle der gefürchteten Korsaren von Salé weiter. Ein Erdbeben 1755 sowie ein französischer Vergeltungsschlag für Piratenüberfälle 1765 richteten grosse Zerstörungen an. Mit dem schleichenden Ende der Piraterie in der Region begann auch der Niedergang der beiden Städte. Im 20. Jh. erlebten sie unterschiedliche Entwicklungen. Während Salé fast in Bedeutungslosigkeit fiel, wurde Rabat 1912 vom französischen General Lyautey zur Verwaltungshauptstadt Marokkos erklärt. Sultan Moulay Abd el-Hafid verlegte daraufhin seinen Hof von Fes nach Rabat. Seit seiner Thronbesteigung 1961 residierte König Hassan II., seit 1999 Mohammed VI. hauptsächlich hier. Palais Royal In unmittelbarer Nachbarschaft zur Moschee El-Fahs erhebt sich der Königspalast, der allerdings nicht besichtigt werden darf. Der Kern des riesigen Komplexes stammt noch aus dem 18. Jh., die sichtbaren äusseren Gebäudeteile dagegen sind erst im 20. Jh. errichtet worden. Die reiche maurische Dekoration von Portalen und Torbögen bedient sich der Stilelemente marokkanischer Baugeschichte, die über Jahrhunderte weitgehend unverändert geblieben sind. Die gesamte Palastanlage ist mit grünen Ziegeln gedeckt, Zeichen dafür, dass die Herrschaft der Alaouiten-Dynastie auf dem Islam gründet, denn Grün ist die Farbe des Propheten. Links vom Haupteingang liegt die - Touristen allerdings verschlossene - Familiennekropole der Alaouiten. Täglich ab 9 Uhr findet alle zwei Stunden vor dem Königspalast die Wachablösung statt. Immer wieder sieht man im Umkreis der Anlage auch Palastdiener - zu erkennen an ihren weissen Djellabas, den gelben Babouschen und roten Tarbouschen. Ville Nouvelle Eine der wichtigen Verkehrsachsen der Neustadt, an der Hauptpostamt, Bahnhof und zahlreiche moderne Geschäfte angesiedelt sind, ist die Avenue Mohammed V. An ihrem südlichen Ende, an der Place Jamaa Assouna, befindet sich die Mosquée Es-Sunna. Sie besitzt ein für marokkanische Moscheen typisches quadratisches Minarett, dessen Form stark an jenes der Koutoubia von Marrakesch erinnert. Von hier sind es nur wenige Schritte zum Musée Archéologique (2 Rue de Brihi, tgl. ausser Di 8.30-12 und 14.30-18 Uhr), der bedeutendsten archäologischen Sammlung des Landes. Im Eingangsbereich finden regelmässig Wechselausstellungen zu aktuellen archäologischen Themen statt. Im ersten Saal wird der Besucher von einem marmornen Standbild des Ptolemaios, Sohn Jubas II. und der Kleopatra Selene, begrüsst. Der Herrscher Mauretaniens (25-40 n. Chr.) war ein Nachkomme der ägyptischen Dynastie der Ptolemäer. Die Vitrinen in diesem Raum präsentieren Funde aus der Alt- und Jungsteinzeit. Prähistorische Felsenzeichnungen in den Höfen des Museums zeigen u. a. Darstellungen von Gazellen, Rindern und Antilopen sowie geometrische Figuren. Felsblöcke mit libyschen Inschriften belegen das hohe Alter der nordafrikanischen Kultur. Die libysche Schrift, die senkrecht von oben nach unten geschrieben wurde, ist vor ca. 3000 Jahren in Nordafrika entstanden. Ihr Alphabet besass 24 Buchstaben und ist Grundlage des Tifinagh, der aktuellen Schrift der Tuaregs. Exponate aus punischer, römischer, christlicher und islamischer Epoche sind im Treppenhaus und im ersten Stock des Hauptgebäudes ausgestellt. Im neuen Gebäude, das man über den Hauptsaal und den Garten erreicht, befindet sich der Saal der Bronzen aus Volubilis (1. Jh. v. Chr./1. Jh. n. Chr.), der bedeutendsten römischen Ausgrabungsstätte Marokkos. Besonders sehenswert sind die Büste Jubas II., ein gekrönter Ephebe, ein Hund (Teil des Brunnens aus dem Haus des Hundes), ein alter Fischer oder Schmied mit eingebrannter Sklavenmarke auf der Brust sowie Fragmente einer Gruppe mit Pferdewagen. Von der Place Jamaa Assouna führt die Avenue Moulay Hassan in westlicher Richtung zum Bab er-Rouah (Tor der Winde). Das neben dem Tor der Oudaïa-Kasbah schönste und bedeutendste Stadttor der alten Almohadenmauer beeindruckt durch das Zusammenspiel von mächtiger Architektur und feiner Dekoration, bestehend aus Koransuren und Arabesken. Medina Die etwa 5 km lange, die Medina umgebende Stadtmauer wurde 1197 unter den Almohaden errichtet. Im 17. Jh. liessen andalusische Einwanderer den nördlichen Teil der Anlage durch eine neue Mauer, die sog. Mauer der Andalusier, abschliessen. An ihrer südwestlichen Ecke beginnt der Rundgang durch die Altstadt mit dem am Boulevard Hassan II. gelegenen Bab el-Had (Tor des Sonntagsmarktes). Unmittelbar hinter dem Tor befindet sich rechter Hand die kleine, moderne, 1968 errichtete Mosquée Sett el-Khandor, vor der allmorgendlich Tagelöhner mit Werkzeug sitzen und auf Arbeit warten. Geradewegs führt die Rue Souika an zahlreichen kleinen Restaurants und Geschäften vorbei. Eine ganze Schar öffentlicher Schreiber bietet hier mit französischen und arabischen Schreibmaschinen Analphabeten ihre Dienste an. Bedeutende Monumente in den Mauern der Medina gibt es, verglichen mit den anderen Königsstädten, nur wenige. In der Rue Sidi Fatha stösst man auf ein paar ältere Moscheen, von denen die im 18. Jh. entstandene Mosquée El-Mekki die interessanteste ist. Sie besitzt über dem Hauptportal ein geschnitztes Vordach. Von der Place Souk el-Ghezel, dem im Norden der Medina gelegenen ehem. Sklavenmarkt, führen die Gassen in südlicher Richtung durch das Viertel der Schneider und Textilhändler. Über die Rue des Consuls und die Rue Souk es-Sabat erreicht man schliesslich die Grande Mosquée , die im 14. Jh. errichtete, im 19. und 20. Jh. jedoch vollständig erneuerte Grosse Moschee. Ein paar Schritte weiter befindet sich auf der selben Strassenseite ein schöner Brunnen aus dem 14. Jh. Durchwandert man die Rue Souk es-Sebat nun Richtung Norden, verengt sich die Strasse nach 100 m zu einer schmalen Gasse mit einfachen Läden und Strassenverkaufsständen und mündet hinter dem Bab el-Bahr (Tor des Meeres) in die Strasse Quai el-Marsa über dem Tal des Bou Regreg. Die Kasbah des Oudaïa , an der Stelle eines Ribats im 12. Jh. errichtet und im 17. Jh. erweitert, verdankt ihren Namen dem arabischen vVolksstamm der Oudaïa, der seit dem 13. Jh. in Marokko siedelte. Im 17. Jh. hatte er durch seine guten Dienste bei der 'Befriedung' des Landes die Anerkennung von Moulay Ismail erlangt. Zum Dank schenkte er den Oudaïa die Kasbah in Rabat und einen Stadtteil in Fes. Das unter den Almohaden errichtete Bab el-Oudaïa, eines der ältesten Bauwerke der Kasbah von Rabat, wurde Ende des 12. Jh. von Yakoub el-Mansour als Gerichtssaal genutzt. Das Tor zählt zu den schönsten Monumenten der Hauptstadt, sein hufeisenförmiger Bogen besticht durch feine Reliefs - pflanzliche Schmuckbänder sowie kufische Inschriften. Die Dekoration endet an den unteren Bogenteilen mit zwei schlangenartigen Mustern, die gerne als ein seltenes Beispiel von Tierdarstellungen in der islamischen Kunst angeführt werden. Die Rückseite des Tores ist ebenfalls prächtig geschmückt. Die Rue Jamaa (Strasse der Freitagsmoschee) führt vom Bab el-Oudaïa nach Norden. Man passiert die Mosquée El-Atiqa, die teilweise noch aus der Gründungszeit der Kasbah, also dem 12. Jh., stammt und damit wohl die älteste Moschee Rabats ist. Die Terrasse am Ende der Strasse bietet einen imposanten Blick auf die Friedhöfe von Rabat und Salé, auf die nicht enden wollenden weissen Gräber entlang der Meeresküste zu beiden Seiten des Flusses. Im südlichen Bereich der Kasbah laden die Rue Bazzo und die seitlichen Gassen ein zu einem Bummel zwischen gepflegten, weissblau bemalten Häusern. Am Ende der Rue Bazzo bietet sich das Café Maure mit seiner zum Tal gewandten Terrasse für eine erholsame Rast an. Auf zwei Seiten von einem grossen Garten, dem Jardin Andalou, umgeben, nimmt der im 17. Jh. errichtete ehem. Palast Moulay Ismails den südlichen Teil der Kasbah ein. Heute ist hier das Musée des Oudaïa (tgl. ausser Di 9-12 und 14-18 Uhr) mit einer kleinen, aber hervorragend präsentierten Sammlung marokkanischen Kunsthandwerks untergebracht. Der Bau selbst ist, obwohl von geringer Grösse, ein schönes Beispiel marokkanischer Palastarchitektur. Die Ausstellungsräume gruppieren sich in vier Flügeln um einen kleinen Innenhof, in dessen Mitte ein flacher Marmorbrunnen steht. Gezeigt werden u. a. Musikinstrumente, Trachten, Keramiken und Goldmünzen (10.-18. Jh.). Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken zählt zweifelsohne die Sammlung alter arabischer Handschriften, u. a. ein Exemplar von 1256 aus dem Besitz des almohadischen Sultans Omar el-Mortada. Kupferne Getreidemasse für die Almosen (Zaqqat), die am Ende des Fastenmonats Ramadan an Bedürftige verteilt werden, sowie 'Zeigefinger' aus geschnitztem Holz, mit denen man Textstellen bei Koranlesungen markiert, sind religiöse Exponate. Folgt man dem Tarik el-Marsa in südlicher Richtung, gelangt man zu dem schon von weitem sichtbaren Tour Hassan, dem Wahrzeichen Rabats. Ein unvollendetes Minarett und zahllose Säulenstümpfe erinnern daran, dass der Almohadenherrscher Yakoub el-Mansour eine Moschee gewaltigen Ausmasses zum Mittelpunkt seiner Residenzstadt machen wollte. Die Ende des 12. Jh. begonnene Anlage hätte mit einem Grundriss von 183 x 139 m die zweitgrösste Moschee des Islam nach jener von Samarra (Irak) werden sollen. Nach dem Tod des Herrschers und der Verlegung der Residenz nach Marrakesch gab man die Pläne auf. Doch auch der mit einer Höhe von 44 m nur halb fertige Turm (geplant waren über 85 m) ist beeindruckend. Er steht in einer Reihe mit den älteren almohadischen quadratischen Minaretten der Giralda in Sevilla und der Koutoubia in Marrakesch, die stilbildend für die marokkanische Architektur waren und sind. Seinen Namen verdankt der im oberen Teil mit geometrischen Reliefs versehene Turm vermutlich Hassan, einem Enkel des Propheten (eine andere Erklärung des Namens liefert das arabische Wort hasan - schön). Anlässlich der Bauarbeiten am benachbarten Mausoleum Mohammeds V. wurde das Gelände in den 60er-Jahren des 20. Jh. umgestaltet. Vor dem Turm führt eine Treppe zu dem im Boden versenkten Grab des Unbekannten Soldaten und zur (geplanten) Gruft der königlichen Familie. Die Säulenfragmente aus unpoliertem Marmor bilden einen eindrucksvollen steinernen Wald. Im Schatten der Säulen sitzen oft Studentinnen und Studenten, die allein oder in kleinen Gruppen lernen. Bei grossen religiösen Festen finden auf dem Platz Versammlungen statt. Ärmere Einwohner Rabats kommen gerne hierher, um von wohlhabenden Besuchern Almosen zu erbitten. Im Mausolée de Mohammed V. zeigt sich der neomaurische Stil in seiner ganzen Pracht. Der wohl schönste moderne Sakralbau Marokkos ist das Werk des vietnamesischen Architekten Vo Toan. Die 1971 eingeweihte Anlage besteht (nach dem Vorbild alter islamischer Grabanlagen) aus dem monumentalen Grabmal selbst - ein mit Carrara-Marmor verkleideter quadratischer Betonbau - und aus einer Moschee. Auch Nichtmuslime dürfen das Mausoleum betreten und sogar fotografieren, allerdings wird die Einhaltung absoluter Ruhe erwartet. Unter dem pyramidenförmigen Dach ist der Innenraum reichlich mit feinem Stuck und Fliesenmosaik (Zellij) ausgeschmückt. Die Glasfenster der Kuppel aus geschnitztem Mahagoni wurden in Saint Gobain (Frankreich) gefertigt. Der Sarkophag aus weissem pakistanischem Onyx steht ebenerdig, ein kleineres Grab an der Seite ist die letzte Ruhestätte des 1983 verstorbenen jüngsten Sohns von Mohammed V., Moulay Abdallah. Ausserhalb der Almohadenmauer, unweit vom Bab Zaer, liegt die alte Meriniden-Nekropole Chellah (tgl. 8.30-19 Uhr). Bei schönem Wetter ist sie eine Oase der Ruhe, in der man sich nach einem Rundgang durch die Stadt erholen kann. Anfang des 20. Jh. wurden Teile der römischen Siedlung Sala ausgegraben und zugleich Überreste aus punischer Zeit entdeckt. Auf den Ruinen der antiken Stätte liessen die Meriniden im 13./14. Jh. ihre Nekropole errichten. Abou Youssouf Yakoub (1258-1286) wurde hier bestattet und nach ihm zahlreiche andere Herrscher. Der wichtigste von ihnen war Abou el-Hassan (1331-1351), der eine Umfassungsmauer mit reich geschmücktem Monumentaltor um Chellah bauen liess. Hinter der Ruine der Moschee steht das gut erhaltene Grabmal des Sultans aus der Mitte des 14. Jh., daneben das Grab seiner Gattin Schams ed-Duha. Im ehem. Reinigungsbecken südöstlich der Moschee wird eine heilige Quelle aufgefangen, in der Aale leben. Auf Kindersegen hoffend opfern Frauen den Tieren gekochte Eier. Chellah war in merinidischer Zeit mehr als nur ein Friedhof. Besucher und Pilger konnten in einer einfachen Herberge auf dem Gelände nahe dem Eingang nächtigen. Im modernen Residenz- und Ministerienviertel Agdal befindet sich am Ende der Avenue Alabtal die moderne, 1973 entstandene Mosquée El-Badr , deren Architektur auf interessante Weise Tradition und Moderne verknüpft. Im Erdgeschoss des Ministeriums für Energie und Minen ist das Musée des Sciences de la terre mit seinen erdgeschichtlichen und erdkundlichen Exponaten beachtenswert (Ministère de l'Ènergie et des Mines, Rue Ma el-Ainin, Mi, Fr 15-17 Uhr). Zwischen der Rue de Dijon und der Avenue en-Nasr erstreckt sich der grosse öffentliche Jardin d'Essais des landwirtschaftlichen Instituts INRA. Salé Am nordöstlichen Ufer der Bou-Regreg-Mündung liegt Salé, die jüngere Schwester der marokkanischen Hauptstadt. Ihre noch recht gut erhaltene Medina ist von Rabat aus über den Pont Hassan II. oder per Ruderboot von der Anlegestelle unterhalb der hauptstädtischen Medina zu erreichen. 500 m nördlich des Pont Hassan II. öffnen sich - nicht weit voneinander entfernt - zwei Stadttore zur Medina von Salé, das Bab el-Mrisa und, ein Stück weiter nördlich, nahe dem Taxi- und Busbahnhof, das Bab Fes (auch Bab Khamis genannt). Betritt man die Medina durch das im 13. Jh. errichtete Bab el-Mrisa , das älteste Tor der Stadtbefestigung, stösst man direkt auf die Mellah, eines der grössten und bedeutendsten Judenviertel des Landes. Alljährlich zu den hohen Feiertagen pilgern marokkanische Juden in Scharen zu den heiligen Gräbern am jüdischen Friedhof. Seit dem Mittelalter blüht das Handwerk in Salé und noch heute lohnt der Streifzug über die Märkte der Altstadt. Im Zentrum der Medina befindet sich der Souk el-Kebir, eine moderne Markthalle mit Läden und kleinen Werkstätten von Webern und Schuhmachern. Die Rue de la Grande Mosquée führt an der Kissaria, dem Marktviertel für besonders kostbare Waren wie Schmuck und Parfüm, und an dem im 14. Jh. errichteten Fondouk Askour vorbei zur Grande Mosquée . Die älteste Moschee Salés wurde unter Almohadenherrscher Abou Yakoub Youssouf im 12. Jh. errichtet. Bedeutendster Sakralbau Salés und eine der schönsten merinidischen Koranschulen des Landes ist die benachbarte, 1340 entstandene Medersa Abou el-Hassan. Im Gegensatz zu den meisten Moscheen Marokkos dürfen Medersen auch von Andersgläubigen besichtigt werden (tgl. 9-12.30 und 15-17 Uhr). Man betritt die Anlage durch ein hufeisenförmiges Tor, das von einem geschnitzten Zedernholzdach überspannt wird. Der kleine Innenhof fasziniert durch seine überaus reiche Ausschmückung, Fayencen mit geometrischem Dekor sowie Gipsplatten und Zedernholz mit fein geschnitzten geometrischen und floralen Mustern. Von der Terrasse der Koranschule aus eröffnet sich ein schöner Blick auf die Altstadt von Salé, aber auch auf die Dächer der umliegenden Häuser. Diese zählen zum Privatbereich der Frauen und Kinder, beim Fotografieren sollte daher Rücksicht genommen werden. Der Schutzheilige der Stadt ruht in dem nach ihm benannten Mausolée Sidi Abdallah Ben Hassoun direkt hinter der Grossen Moschee. Ein Tag vor dem Mulud, dem Geburtstag des Propheten Mohammed, findet ihm zu Ehren eine feierliche Prozession statt, die durch die Medina führt und am Marabout des Schutzheiligen endet. Am nordwestlichen Ende der Altstadt, über die Rue de la Grande Mosquée zu erreichen, befindet sich der alte islamische Friedhof. Bedeutendstes Grabmal der Anlage ist die Zaouia de Sidi Ahmed Ben Achir aus dem 14. Jh. Sidi Ahmed werden heilende Kräfte zugesprochen. In dem viel besuchten Marabout erhoffen sich die Gläubigen Wunder und bitten um seinen Segen. Öffnungen in der Friedhofsmauer geben den Blick frei auf das bewegte Meer. In der südwestlichen Ecke der Medina ist heute in einem alten Wachturm aus dem 18. Jh., dem Borj ed-Dumu (Bollwerk der Tränen), das interessante Musée Régional de la Céramique (tgl. 9-12.30 und 15-17 Uhr) untergebracht. Ausgestellt werden u. a. keramische Erzeugnisse aus Fes und Meknes. Quelle: www.wissen.de g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT |