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Eingebettet in eine weite, hügelige Landschaft, erstrecken sich die Ruinen des antiken Volubilis am Fuss des Djebel Zerhoun.

Seit man Ende des 19. Jh. auf Reste der Römerstadt stiess, legten französische Archäologen die grösste und bedeutendste Ausgrabungsstätte des Landes frei. Einige der antiken Bauwerke wurden rekonstruiert, Säulen und Mauerteile restauriert. Bei einem Rundgang durch das Gelände bekommt man so einen guten Eindruck vom Aussehen einer römischen Provinzstadt.

Geschichte

Funde weisen darauf hin, dass der Ort schon vor Juba II. (25 v. Chr bis 23/24 n. Chr.) Bedeutung erlangt hatte. Der in Rom erzogene König von Mauretanien wurde von Augustus als Statthalter eingesetzt und verwaltete die Provinz Mauretania fast 50 Jahre lang. Die Ermordung seines Sohnes Ptolemaios 40 n. Chr. löste einen Berberaufstand aus, den die Römer blutig niederschlugen. 42-285 erlebte Volubilis als Hauptstadt der römischen Provinz Mauretania Tingitana eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Mitten in einem grossen Olivenanbaugebiet gelegen, verdankte die Stadt, die zu dieser Zeit ca. 10'000-20'000 Einwohner hatte, dem Handel mit Olivenöl ihren Wohlstand. Gegen Ende des 3. Jh., als sich Berberaufstände häuften, wurde die Hauptstadt nach Tingis (Tanger) verlagert und der allmähliche Verfall von Volubilis begann.

Noch bis zum Ende des 8. Jh. lebten Berber in den Mauern der Stadt. Die Bewohner von Volubilis machten den aus Arabien geflüchteten Idriss Ben Abdallah 788 zu ihrem Führer. Als Idriss I. rief er den ersten arabisch-islamischen Staat auf marokkanischem Boden aus. Nach der Gründung von Fes jedoch wurde die Stadt verlassen und in den folgenden Jahrhunderten als Steinbruch benutzt. Trotz dieser Plünderungen standen zu Beginn des 18. Jh. noch einige Bauwerke. Erst ein Erdbeben im Jahr 1755 brachte auch sie zum Einsturz. Seit 1887 wird die Ruinenstätte ausgegraben, 1997 erklärte sie die UNESCO zum Weltkulturerbe.

Besichtigung

Für einen Rundgang zu den wichtigsten Monumenten von Volubilis (Sommer tgl. 8.30-18 Uhr, Winter tgl. 8.30-17 Uhr) sind etwa 2 Std. einzuplanen. Man betritt das Gelände durch das rekonstruierte Südosttor der ursprünglich 2500 m langen antiken Stadtmauer, die auf der Ostseite in einer Höhe von 1,50 m wieder errichtet wurde. Pfeile weisen den Weg zu den bedeutendsten Ruinen.

Linker Hand stösst man zunächst auf die Rekonstruktion einer alten Ölpressev. Von hier ist es nicht weit zum Haus des Orpheus , das wie andere Profanbauten nach seinem bedeutendsten Mosaik benannt wurde. Die prächtige Darstellung der Orpheus-Sage im Triclinium (Speisesaal) zeigt den mythischen Sänger mit seiner Harfe. Seiner Musik lauschen die Tiere der ganzen Welt. Vorbei an einer rekonstruierten Ölpresse und den Resten der Gallienus-Thermen erreicht man das Zentrum der römischen Stadt, das Forum. Das unter Kaiser Septimius Severus (193-211 n. Chr.) angelegte Forum wird auf seiner östlichen Seite von der Basilika eingefasst. Die imposanteste Ruine des antiken Volubilis, eine durch Arkaden in fünf Schiffe geteilte Halle, diente u. a. als Gerichtssaal. Im Zuge der Grabungsarbeiten im 20. Jh. wurde ein Teil der Anlage wieder aufgebaut. Südlich schliesst sich das einst von Säulenreihen umgebene Kapitol an. Hier erheben sich die Überreste des den drei Hauptgöttern Jupiter, Juno und Minerva geweihten Podiumstempels. Ohne Giebel stehen die wenigen wieder aufgerichteten korinthischen Säulen vor der Cella. Nördlich des Forums steht das Haus des Desultor . Zwei schlichte, aber sehenswerte Mosaiken schmücken die Räumlichkeiten: Auf einem der Bilder sitzt ein Zecher (die Figur wird auch als desultor, Kunstreiter, interpretiert) rückwärts auf einem Esel und hält einen Humpen in der Hand, die andere Darstellung zeigt einen Angler am Flussufer. Der Grabhügel nordöstlich des Desultorhauses bietet den schönsten Blick auf die Ausgrabung und nach Moulay Idriss. Das besterhaltene Bauwerk der gesamten Grabungsstätte ist der monumentale Triumphbogen , der 217 n. Chr. zu Ehren des ermordeten Kaisers Caracalla (211-217) errichtet wurde. Die Nischen des 6 m breiten und 8 m hohen Bogens waren mit Götterbildern geschmückt. Bekrönt wurde er von einem bronzenen Streitwagen mit der Figur des triumphierenden Caracalla.

Im nordöstlichen Abschnitt des Decumanus Maximus, einer der beiden Hauptachsen der römischen Stadt, liegen die prächtigsten Villen von Volubilis, allesamt mit schönen Mosaiken ausgestattet. Das Haus des Herkules wurde nach den zwölf Arbeiten des Herkules benannt, deren Darstellungen sich um eine Abbildung der Entführung des Ganymed durch den adlergestaltigen Jupiter gruppieren. Zwischen den Herkules-Bildern finden sich Allegorien der vier Jahreszeiten in quadratischen Medaillons. Das Haus des Dionysos zeigt ebenfalls ein Mosaik mit Allegorien der vier Jahreszeiten.

Überquert man den Decumanus Maximus, der in nordöstlicher Richtung zum Tor von Tanger führt und ehemals mit Arkaden und kleinen Läden ausgestattet war, stösst man auf die Reste von weiteren Häusern. Das Haus der Venus in der Parallelstrasse des Decumanus wurde nach einem Mosaik benannt, das im Archäologischen Museum in der Kasbah von Tanger aufbewahrt wird und einst das Triclinium des Hauses schmückte. Von dessen an Ort und Stelle verbliebenen, ebenfalls hervorragenden Mosaiken sind besonders sehenswert: die Entführung des Hylas durch Nymphen, Diana, die im Bad vom Jäger Aktaion überrascht wird, und ein Mosaik im südlichen Teil des Peristyls (Innenhof) mit der Karikatur eines Wagenrennens im Zirkus.

Quelle: www.wissen.de



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UNESCO Welterbestätten in Marokko
Die Liste des Welterbes (Stand Juni 2002) umfasst insgesamt 730 Kultur- und Naturstätten in 125 Ländern. Sie stehen unter dem Schutz der Internationalen Konvention für das Kultur- und Naturerbe der Menschheit. Die 1972 von der UNESCO verabschiedete Konvention ist das international bedeutendste Instrument, um Kultur- und Naturstätten, die einen aussergewöhnlichen universellen Wert besitzen, zu erhalten. Denkmäler werden nur dann in die Liste des Welterbes aufgenommen, wenn sie die in der Konvention festgelegten Kriterien der Einzigartigkeit und der Authentizität (bei Kulturstätten) bzw. der Integrität (bei Naturstätten) erfüllen und wenn ein überzeugender Erhaltungsplan vorliegt.
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