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Marokko Hamam - Das Arabische Bad |
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Der Typus des islamisch-arabischen Bades ist eine Mischung aus der hochentwickelten griechisch-römischen und der asiatischen Badekultur.
Im arabischen Raum hatte das Element Wasser verglichen mit dem europäischen schon sehr lange einen besonderen Stellenwert. Die hygienischen Anlagen zur Versorgung der Haushalte mit Wasser wiesen einen hohen technischen Standard auf. Mitteleuropäische Siedlungen hingegen ähnelten bis ins 19. Jahrhundert hinein bisweilen Kloaken. In islamischen Hausanlagen der reicheren Bevölkerung war die Wasserversorgung ein ausgeklügeltes System. Trink- und Brauchwasser wurden voneinander unterschieden und durch voneinander getrennte Leitungen durch das Gebäude geschickt, das von mehreren Grossfamilien bis zu 100 Personen bewohnt wurde. Im Innenhof befand sich ein System von Becken in dem Wasser auf Vorrat gehalten wurde und das gleichzeitig ein Kühle- und Feuchtigkeitsspender war. Diese Becken waren kunstvoll verziert und Zentrum einer jeden Hausgemeinschaft. In den Häusern der wohlhabenden Klans und Grossfamilien war eine eigene Badeanlage für die BewohnerInnen vorhanden. Die gemeinschaftlich genutzten Bäder waren wesentlicher Treffpunkt und wurden Gästen bereitwillig zur Verfügung gestellt. Die zweite Variante des Privatbades war das luxuriöse Bad des Sultans und seiner Spitzenbeamten. Diese dienten sowohl der Entspannung der hochrangigen Staatsbediensteten als auch der Repräsentation. Waren hohe Würdenträger zu Gast, wurde ein Audienzbad veanstaltet, während dem die politischen Angelegenheiten besprochen wurden. Um das reibungslose Funktionieren einer solchen Anlage zu gewährleisten, war ein Menge professionelles Badepersonal notwendig. So entstand eine Hierarchie im Badehaus, die der asiatische Ursprung nicht kannte. Die dritte Form des islamischen Bades ist die öffentliche, der Hamam. Dieses besteht seit dem dritten Jahrhundert nach Christus. Viele Elemente des römischen Bades wurden aufgegriffen. So zum Beispiel die Abfolge verschieden temperierter Räume. Andere Komponenten wurden aufgegeben oder verändert. Die Bauten werden kleiner, die technischen Einrichtungen einfacher. Die Schwimmbassins und Aussenanlagen wurden aufgegeben. Der eher bedeutungslose Entkleidungsraum des antiken römischen Bades wird zu einem grossen Ruheraum (=maslak) ausgeweitet, der zu Beginn und Ende des Badeaufenthalts besucht wird. Der in der Wichtigkeit der Thermen eher untergeordnete Heissluftraum wird zum zentralen Raum (=beit-al-harar). An ihn sind kreuzförmig ausstrahlend die anderen Einrichtungen und Wasserquellen angelagert. Die römischen Wasserbecken werden durch warme Steinflächen zum Sitzen ersetzt. Der extreme Heissluftraum der römischen Therme wird zu einem Dampfbad (=maghtas), das dem zentralen Raum angeschlossen ist. In seiner Mitte befindet sich das einzige Becken des arabischen Bades; es ist in den Boden eingelassen. Von diesen Dampfbädern gibt es zumeist zwei mit unterschiedlich hohen Temperaturen. Statt der lichtdurchfluteten Warmräume gibt es in den arabischen Bädern halbdunkle Kuppelgewölbe, die den Badenden Ruhe und Abgeschlossenheit vermitteln. Unter diesen Kuppeln befindet sich der Sammelplatz der guten Geister. Badende bereiten sich nicht mehr aktiv durch Körperübungen auf das Bad vor, sondern nehmen eine passive Haltung ein. Bedienstete lockern die Glieder, massieren den Körper und seifen die Badenden ein. Gegen Bezahlung kann man sich auch in manchen Wiener Bädern eine Massage gönnen. Die Bedeutung des Wassers spiegelt sich in den Reinigungsritualen der Moslems nach wie vor wider. Sie sind ebenso fixer Bestandteil des täglichen Lebens wie die Badehäuser. Das Badehaus gilt als ideale Ergänzung zur Moschee. Da das Badehaus eng mit dem islamischen Leben verknüpft ist, wird die Ausstattung desselben zugleich als religiöses Opfer gesehen. Es war den Badenden selbst überlassen, je nach ihrem Rang und Reichtum zu bezahlen. Auch die Bezahlung der Bediensteten galt als gottgefällige Tat. Die BadedienerInnen waren von jeglicher Besteuerung befreit. Die Hamams waren und sind eine soziale Einrichtung, die der Reinigung und der Entspannung dienen. Sie waren der einzige Treffpunkt, der Frauen ein Zusammenkommen ausserhalb des Hauses ermöglichte. Bis heute gibt es in fast jeder islamischen Stadt mehrere Badehäuser. Auch die Dörfer haben Badehäuser, die zur Versorgung der näheren Umgebung errichtet wurden. Meist stehen sie unter öffentlicher Verwaltung. Badehäuser an den Hauptstrassen beherbergen Durchreisende ähnlich wie europäischen Gastwirtschaften. Bis in die 30er Jahre existierten in Kairo fünfzig Hamams, die zwischen dem zwölften und fünfzehnten Jahrhundert errichtet wurden. Das in Spanien liegende Cordoba soll zu seiner Blütezeit ungefähr 1000 Bäder besessen haben. Hier wird deutlich, wie die moslemische Kultur im Mittelmeerraum ihren Einfluss geltend machen konnte. Die Spuren der islamischen Badehäuser wurden im Zuge der Expansion des islamischen Reiches weiters zum osmanischen Grossreich über Nordafrika auf die iberische Halbinsel und bis nach Osteuropa getragen. Die berühmten Thermalbäder in den osteuropäischen Zentralländern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie sind noch bestehende Zeugnisse dieser Kulturvermittlung. In den Bädern von Budapest, Karlsbad und Wien mit ihren Räumlichkeiten im Stilkonglomerat aus der Neoklassik, dem Spätbarock und dem Jugendstil lebte das kulturelle Erbe aus der Antike, gemischt mit byzantinisch - islamischer Tradition in der bürgerlichen Kultur Osteuropas weiter. Badevergnügen - einst und jetzt Von Clara Fritsch www.aurora-magazin.at g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT |