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Marokko Henri Matisse in Tanger français |
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Henri Matisse Le Cateau, Nord 1869-1954 Cimiez bei Nizza 1887/88 Rechtsstudium in Paris. Beginnt 1890 zu malen. 1892 Freundschaft mit Marquet. Studium an der Ecole des Arts décoratifs und an der Académie Julian. 1895 Eintritt ins Atelier Gustave Moreau. 1898 Korsika und Toulouse. Einfluss des Impressionismus, 1899 von Cézanne, 1904 in St-Tropez des Neo-Impressionismus. 1905 Haupt der Fauves. 1908-1913 Reisen in Deutschland, Spanien, Russland, Marokko. 1917 Wohnung in Nizza. 1920-1925 Odalisken und Arbeiten für das Ballett Diaghilews. 1930/31 Reise nach den USA und Tahiti. Seit 1938 in Cimiez-Nizza. 1949-1951 Arbeit an der Kapelle in Vence. Henri Matisse in Tanger «Der Ausdruck», hatte Matisse in den Notes geschrieben, «steckt für mich nicht etwa in der Leidenschaft, die auf einem Gesicht losbricht oder sich durch eine heftige Bewegung kundgibt. Er ist vielmehr in der ganzen Anordnung meines Bildes. Der Raum, den die Körper einnehmen, die leeren Partien um sie, die Proportionen: dies alles hat seinen Teil daran.» Diese Überzeugungen bildeten die grundlegende Basis für den didaktischen Umgang mit dem Kreis seiner Schüler im Pariser Atelier. Ausserdem verdeutlichen sie die ausschliesslich malerische, nicht - wie im Kreis der Brücke - existentielle Bedeutung des Terminus Ausdruck, wodurch die Qualität der Kunst Matisse‘ bestätigt wird: eine Qualität, die vor allem der Strenge geistiger Ordnung entspricht und eine Synthese der der gedanklichen Spannung entsprechenden Werte zu erreichen sucht, die naturalistische Ordnung ausschliessen. In Marokko Gerade aus diesen Gründen wurden die Marokkoaufenthalte nicht zu jener begeisterten Offenbarung des Exotischen wie für Delacroix oder Renoir. Es scheint vielmehr, dass diese Reisen stattfanden, um die bereits in Phantasie und Intellekt enthaltenen Gefühle nun in Realität zu erleben. Wie schon gesagt, scheint in «Das blaue Fenster» zukünftige Vorstellung zu schlummern, denn es entstand vor Matisse‘ Reise mit Marquet und Camoin nach Marokko. Nach der Rückkehr stellt er Bilder und Skulpturen in der Galerie Bernheim-Jeune (April 1913) aus. Seit seiner zweiten Einzelausstellung bei Druet (1906) und der Retrospektive bei Bernheim-Jeune (1910) hatte Matisse in Frankreich allein nicht mehr ausgestellt, während der Ruf seines Namens und seiner Bilder sich im Ausland immer mehr festigte, wie z. B. seine Plastikausstellung in New York (1912, Galerie 291), die Teilnahme an der Berliner Sezession und an der Armory Show in New York, Chicago und Boston (1913) beweisen. Die 1913 bei Bernheim-Jeune gezeigten Bilder aus Marokko kamen dann auch schnell in mehrere meist ausländische Sammlungen. Auch in dem vor der Marokkoreise entstandenen Bild «Zorah stehend» (1911, Moskau, Puschkin-Museum) zeigt sich eine geistige Strenge, die immer mehr vereinfacht und in ihrer Poetik immer gespannter ist. Der flächige Aufbau des Bildes in seinem fast ikonenhaften Charakter, die überlängte Figur, die in ihrer Erstreckung von der Höhe des Kopfes bis zu den gelben Pantoffeln nicht einmal völlig in den Rahmen des Bildes passt, scheint eine Art barbarisch-byzantinischer Ritualität in ihrer bildhaften Zweidimensionalität anzunehmen. Dieser barbarische Akzent erscheint in einer Die marokkanischen Bilder entstehen in bewundernswerter stilistischer Einheit im Zeichen dieser intensiven, durchdachten Ausdrucksstrenge, die durch keine ethnischen Zufälligkeiten, keine gefälligen Rundungen gestört wird. Der gleichzeitig anregenden und lähmenden Atmosphäre der Orte stellt Matisse die Autonomie seiner neu erlebten Realität und die Ordnung seines Geistes entgegen. «Tanger, Blick aus einem Fenster, «Zorah auf der Terrasse, «Das Tor der Kasbah», (alle 1912/13 entstanden, heute im Puschkin-Museum, Moskau) sind hier grundlegend: Im ersten scheint das Blau der Natur über die bläuliche Fensterbank ins Innere zu dringen, nur vom voluminösen Glanz der Häusermassen und dem ockrigen Aufbrechen der Vase auf dem Fensterbrett aufgehalten. Das zweite, von bläulichen und rosigen Lichtstrahlen durchzogene Bild ist um die Mädchenfigur aufgebaut, die mit ihrem zarten, in der kurvigen Abfolge der Umrisse ruhenden Gewicht den gleitenden blauen Teppich zu halten vermag. Im dritten ist der arabisch geschnittene Bogen in die Darstellung antinaturalistisch freier Farbigkeit getaucht, die sich in unglaublichen Tönungen von Blau zu Rot, zu Grün abstuft und in der sich eine geisterhaft verschwommene Figur zu verlieren scheint. In dieser Ordnung findet auch die farbliche Qualität zurückhaltende Beruhigung und tiefes, dichtes Mass: Die Farbigkeit leuchtet zwar in kostbarer Lichthaltigkeit, doch flieht sie jene «brennenden, gleichzeitigen Reaktionen» (Raynal), die vielen zuvor entstandenen Werken eignet und auch in nach 1917 gemalten Bildern wieder zu finden ist. Autor: Sandra Orienti - Henri Matisse - Gestalter unserer Zeit Regen nervt Matisse Sein 100-jähriges Bestehen feiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte mit der Jubiläumsausstellung «Orte der Sehnsucht. Mit Künstlern auf Reisen». Mit über 250 Meisterwerken widmet sich die Ausstellung im Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) vom 28. September bis 11. Januar dem Phänomen der Künstlerreise vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In einer Serie stellt der LWL ausgewählte Exponate vor: Der «Calla-Lilienstrauss auf der Veranda» von 1912/13 ist ein Paradebeispiel für Henri Matisses Suche nach der Farbe als Licht. Das sandige Ockergelb im Hintergrund wird in seiner flimmernden Helligkeit durch das kontrastierende Rotbraun und die leichten Blau- und Grüntöne gesteigert. Überall schimmert Weiss durch und macht die Farben scheinbar immateriell. «Das Weiss wird von den Callablüten in tänzerische Linien eingefasst und durchstrahlt alle anderen Töne, so dass lichtdurchflutete Zwischenräume entstehen», beschreibt der Kurator der Ausstellung, Dr. Erich Franz, das Bild. Das Licht zu malen, war der Ehrgeiz der Impressionisten im 19. Jahrhundert. In Paris und der Normandie thematisierten sie das Flimmern und den Dunst in ihren Bildern. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts versuchten Paul Signac und die «Frauves» das glühende Sonnenlicht an der Côte d'Azur einzufangen. Matisse setzte mit dem gleichen Vorhaben im Januar 1912 nach Tanger in Marokko über. Aber er hatte Pech: Es hörte einfach nicht auf zu regnen. Endlich, Anfang März, ein Sonnentag! Sofort schrieb Matisse an seinen Malerfreund Henri Manguin: «Welch ein schmelzendes Licht, überhaupt nicht Côte d'Azur, und die Vegetation so kräftig wie in der Normandie, aber welche Dekorativität!!!» Das war die Herausforderung, die Matisse gesucht hatte: «Wie schwierig ist es, das mit Blau, Rot, Gelb und Grün herzustellen.» Doch der Regen setzte wieder ein. Entnervt packte Matisse seine Sachen und fuhr zurück nach Paris. Anfang Oktober ging er erneut nach Marokko und blieb diesmal gleich mehrere Monate. Hier begann ein neues Kapitel seiner Malerei. «Die Farbe, die er vorher in leuchtenden Flächen eingesetzt hatte, wurde selber zu Licht, transparent, atmend, wie von innen her glühend. Die Farben sind bei Matisse wie mit Energie gefüllt», beschreibt der Kunsthistoriker Franz. Trotz der Bewegungen seien die in Marokko entstandenen Bilder wie der «Calla-Lilienstrauss auf der Veranda» jedoch durchdrungen von einer gelassenen Ruhe. In seinem Vortrag «Das Licht des Orients in Nordafrika – Matisse, Macke, Klee und Schumacher in Ägypten» wird Franz am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Landesmuseum, Domplatz 10, über all die Künstler sprechen, die wie Matisse auf der Suche nach dem Licht nach Nordafrika reisten. Eintritt ist frei. www.borkenerzeitung.de 17.09.2008 Abbildungen
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