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Junge Künstler aus Marokko
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Eine Ausstellung der Deutsch-Marokkanischen Gesellschaft E.V.
und des Ethnologischen Museums, Staatliche Museen zu Berlin
01. März - 31. Mai 2003

  • Adil Rabih
  • Mohamed Anzaoui
  • Mouad Yebari
  • Safaâ Erruas
  • Souhail Ben Azzouz
  • Younes El Kharraz



    Grusswort

    Ein offener Geist, Toleranz und Vielseitigkeit: Diese Trilogie begleitete Marokko Jahrhunderte lang bis heute und machte dieses Land zum fruchtbaren Treffpunkt der afrikanischen, arabischen und europäischen Welt. Schon Karthago und Rom haben Marokko mitgeprägt: Marokko nahm in sich auf, war Schauplatz neuer Kontakte, Aufbruchort und Zielstation, es setzte seit dem Entstehen des Staates unter Idriss I. im Jahre 788 n. Chr. eine kulturelle Entwicklung fort, wo die Modernität ihre Kraft ständig in der Tradition, im Althergebrachten schöpft. »Marokko«, so sagte einst Hassan II., »ist ein Baum, dessen Wurzeln weit nach Afrika reichen und dessen Blattwerk sich in Europa entfaltet.«

    Zahlreiche Festspiele und kulturelle Treffen, wie die von Asilah, Marrakesch, Fes, Essaouira oder Rabat pflegen diesen Geist der Öffnung, in dem sich ein authentischer Dialog zwischen den Kulturen mit ihrer Vielseitigkeit und Verschiedenheit knüpfen kann.

    Im Bereich der Malerei löste die Begeisterung, die mit der Unabhängigkeit Marokkos einherging, eine kulturelle Befreiung aus: Im Jahre 1956 fand in der Galerie »La Mamounia« in Rabat die erste gemeinsame Kunstausstellung von drei marokkanischen Malern unterschiedlicher Tendenzen statt: Jilali Gharbaoui mit seiner nicht figurativen und abstrakten Malerei, Farid Belkahia mit figurativen Werken und Mohamed Benallal mit naiver Malerei.

    Der Aufstieg dieser Malerei bewegte sich in einer günstigen marokkanischen Umgebung, gekennzeichnet durch den Reichtum eines alteingesessenen Kunsthandwerks mit all seinem traditionellen Wissen, der Harmonie von Formen und Farben, der Vielseitigkeit der verwendeten Materialien, Zellije, Stuck, Holzschnitzerei u.a., sowie eine immense Auswahl von Symbolen, Mustern und einer Kalligraphie, die Buchstaben zu Symphonien werden lässt.

    Auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen der Ablehnung einer puren Übernahme importierter Modelle und der Ablehnung von folklorisierten Stereotypen und Stilen sagt A. Melehi aus Asilah von der Gruppe »Formen und Farben«: »Eine neue Kultur erfindet man nicht; das ist ein Gebäude, an dem man ständig schafft.«

    Heute ermöglicht die Gastfreundschaft des Ethnologischen Museums in Dahlem sechs marokkanischen Künstlern das Publikum von Berlin zu treffen - mit dem ehrgeizigen Ziel, es für die Dauer eines Ausstellungsbesuches in die kulturelle Vielseitigkeit Marokkos zu entführen. Die Kunstschule in Tetuan in Nordmarokko hat schon viele berühmte Künstler hervorgebracht. Sie bietet uns heute erneut die Möglichkeit, weitere Talente zu entdecken, die bereits ihre Brücke zu schlagen wussten zu verschiedenen europäischen Kunstschulen, wie denen von Granada, Paris oder Turin.

    Diesen jungen Talenten sage ich meinen Dank, neue Brücken zum Dialog geschlagen zu haben. Ich wünsche ihnen noch viel Erfolg auf ihrem künstlerischen Weg.

    Dem Ethnologischen Museum zu Dahlem gilt meine Anerkennung, mittels dieser Künstler, Marokko - diesem südlichen Nachbarn von Europa - seine Ausstellungsräume geöffnet zu haben. All denen, die am Zustandekommen dieser Ausstellung mitgewirkt haben, ganz besonders Frau Professor Dr. König, Frau Dr. Tunis und Frau Grotemeier, gilt mein Dank für ihre Bemühungen und ihr persönliches Engagement.

    S. E. Dr. Abdeladim Lhafi Botschafter des Königreiches Marokko



    Vorwort

    »Die jungen Künstler aus Marokko« beweisen, dass dieses Land seit seinem Bestehen immer für geistige und künstlerische Strömungen, ob von Arabien, der Türkei, Andalusien oder dem gesamten Mittelmeerraum, offen blieb und seinen Künstlern weiterhin grösstmögliche kreative Freiheiten gewährt. Diese Freiheit impliziert aber auch den Wunsch vonseiten der Künstler nach Profilierung und Anerkennung im internationalen Kunstgeschehen.

    Moderne Künstler aus Marokko sind in der Tradition ihres Landes tief verwurzelt. Diese Ausstellung gibt einen Einblick in die Auseinandersetzung mit der Moderne von jungen Künstlern, die noch um internationale Beachtung kämpfen müssen. Wir stellen fünf Maler, in den Sechzigerjahren geboren, und eine Frau - zehn Jahre jünger - vor. Sie sind geprägt von den marokkanischen Kunstakademien sowie ihrem orientalisch-mediterranen Lebensraum. Manche konnten sich auch einige Jahre an Kunstschulen in Europa weiterbilden.

    Erste Erfahrungen mit der Bildenden Kunst gab es in Marokko im 20. Jahrhundert durch die Arbeiten von Autodidakten und Künstlern aus dem Ausland, die das Land besuchten. Die Gründung einer Vorbereitungsschule für die Kunstakademie 1947 in Tetuan vom spanischen Maler Mariano Bertuchi und der Akademie der Künste von Casablanca 1950 waren entscheidende Motoren für die Malerei in Marokko.

    Beide Institutionen spielten für die Formung mehrerer Künstlergenerationen, die ihrer Ausbildung an den bedeutenden europäischen Akademien nachgingen, eine grosse Rolle. Am Ende der Fünfzigerjahre trat die erste Generation marokkanischer Künstler in Erscheinung, die unter Einbeziehung verschiedener Medien, Techniken und Themen eine moderne künstlerische Bewegung darstellten, die ihnen internationalen Ruhm bescherte.

    Durch Versuche mit bekannten Techniken und Materialien entwickelten sie eine eigene marokkanische Handschrift. Seit den Siebzigerjahren haben sich viele Künstler, die in Europa studierten und mit Farben und Materialien experimentierten, in Werkstätten zusammengeschlossen. Die erste kollektive und öffentlich geführte Werkstatt wurde 1978 in Assilah gegründet. Hier treffen sich jeden Sommer marokkanische und ausländische Künstler zum Erfahrungsaustausch und zu gemeinsamen Ausstellungen. Anfang der Neunzigerjahre hat das Institut Français eine solche kollektive Werkstatt in Tetuan geschaffen, wo Künstler mit internationalem Ruf arbeiten. Auf dem VIII. Internationalen Estampa-Salon für Grafik und zeitgenössische Kunst überraschten im Jahre 2000 die Qualität und Reichhaltigkeit der marokkanischen Künstler. Diese Erfolge führten 2001 zur Gründung einer Künstler-Werkstatt im Nationalen Institut der Schönen Künste in Tetuan.

    Daraus resultierende Erfahrungen stimulieren die künstlerische Bewegung in Marokko - wie es die hier ausgestellten Arbeiten junger Künstler untermauern. Mit dieser Ausstellung ist das Ethnologische Museum wiederum ein Ort der Dokumentation für das zeitgenössische Kunstschaffen in anderen Erdteilen.

    Dr. Angelika Tunis
    Fachreferat Islamischer Orient des Ethnologischen Museums




    Paul-Klee-Blick auf eine Kasbah

    Hier zu Lande ist das Bild Marokkos zumeist vom Tourismus geprägt: Nordafrikanische Exotik lässt an labyrinthische Kasbahs denken. Tausend und eine Gasse hat allein die Medina von Marrakesch, übervoll mit Menschen, Eseln und von Waren prall gefüllten Kabuffs im neblig-afrikanischen Licht, das die Dinge umhüllt und sie zum Glänzen bringt. So eine Altstadt mit ihren Moscheen, Koranschulen und Hamam-Bädern ist ein komplexes urbanes Gesamtkunstwerk, eine eigene Welt. In solch einer Medina wissen die Blicke nicht wohin: Gemüse, Obst, hängendes Fleisch, Taschen und Messingwaren. Dazwischen schlafende Händler.

    Nun möchte eine Berliner Ausstellung zeigen, dass neben all der mythenreichen Vergangenheit ein modernes Marokko existiert, in dem sich Künstler mit der Kunst des Abendlandes, vor allem mit Stilen der Moderne auseinander setzen. Sechs junge Marokkaner stellen in Dahlem damit erstmals in Deutschland aus. Zu sehen sind die Gemälde von Adil Rabitt (Abb.), der in seiner ornamentalen, knappen Zeichenhaftigkeit gleichsam den Paul-Klee-Blick auf eine Kasbah zitiert, zugleich den Bildraum entgrenzt. Expressive und abstrakte Aktfigurationen sowie Objekte brachten Younes El Kharraz, Mohamed Anzaoui, Mouad Yebari, Souheil Ben Azzouz und Safaâ Erruas nach Berlin.

    Berliner Zeitung
    Ingeborg Ruthe 27.02.2003



    Souhail Ben Azzouz

    Younes El Kharraz
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