Marokko
Staatsbesuch zwischen zwei Welten
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Ceuta und Melilla sind spanische Städte, liegen aber in Nordafrika. Die Einwohner fühlen sich von Spanien vergessen, doch nun hat sie der Regierungschef besucht.

Wie einen Popstar, jubelnd und strahlend, empfingen die Flüchtlinge im Aufnahmelager von Melilla den spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Den Zaun, der die spanische Exklave vom Rest Afrikas trennt, haben sie vor ein paar Monaten glücklich überwunden, sie haben ein Dach über dem Kopf, bekommen zu essen und werden medizinisch versorgt, aber ihre Tage sind lang, ihre Zukunft ist ungewiss. «Papiere», rufen sie dem Regierungschef ihren Herzenswunsch zu. Der schüttelt Hände und küsst Kinder. Für Aufenthaltsgenehmigungen ist er nicht zuständig. Aber immerhin: Er ist hier. Heute fühlen sich die Immigranten einmal nicht vergessen.

Der Besuch Zapateros in Melilla und in der Schwesterstadt Ceuta war ein voller Erfolg und eine hoch symbolische Reise. Spätestens seit Herbst 2005, als Flüchtlinge zu Hunderten mit Leitern die Grenzanlagen stürmten und einige dabei ums Leben kamen, weiss der Rest der Welt von der Existenz der beiden spanischen Städte auf der afrikanischen Seite des Mittelmeers. Diplomatie gefragt Doch manchmal scheint es, als ob Spanien selbst nichts von seinen fernen Territorien wissen wolle. König Juan Carlos hat die Exklaven noch nie besucht, der letzte Regierungschef, der sich dorthin aufmachte, war Adolfo Suárez 1980.

Die Zurückhaltung der spanischen Politiker hat mit Marokko zu tun. Marokko hält Ceuta und Melilla für marokkanisch. Melilla ist seit 1497 spanisch, Ceuta seit 1580, seit Zeiten also, als es so etwas wie einen marokkanischen Staat noch nicht gab. Marokko nennt die Städte trotzdem «besetzte Festungen». Zapatero hat sich bei seinem jetzigen Besuch daher auch diplomatisch zurückgehalten und nicht etwa die Spanien-Zugehörigkeit Ceutas und Melillas unterstrichen. Dafür hat er eine Reihe staatlicher Investitionen, unter anderem in Krankenhäuser, zugesagt. Davon profitieren auch die Marokkaner, die sich kostenlos behandeln lassen können. Marokko dürfte so mit dem Status quo auch zufrieden sein.

www.hz-online.de Martin Dahms, Madrid 02.02.2006


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