|
Marokko Abenteuer Mittelmeer |
||
|
Home Kulinarisch Highlights Lifestyle Kunst Kultur Welterbe Guide Links Sport Karte g26.ch |
Dokumentation im ZDF: Abenteuer Mittelmeer: Mit Dietmar Ossenberg von Tanger nach Marseille Die Mehrzahl der Europäer betrachtet das Mittelmeer am liebsten durch die Sonnenbrille. Seine Küsten und Städte sind beliebte Ferienziele für Millionen auf der Suche nach Sonne, Strand und Dolce Vita. Das Mittelmeer, Nahtstelle zwischen Okzident und Orient, Christentum und Islam, Europa und Afrika, ist aber auch längst zum Spannungsfeld der Kulturen, Religionen und sozialen Unterschiede geworden. Nirgendwo findet das Aufeinanderprallen dieser Gegensätze auf so engem Raum statt. Fünfhundert Jahre nach Vertreibung der letzten Mauren aus Spanien lebt in vielen Kaffeehäusern Nordafrikas der Traum von einer Rückkehr nach «Al Andalus» fort. Nirgendwo wird aber auch der Dialog zwischen Afrika und Europa so deutlich, denn das Mittelmeer trennt und verbindet gleichermassen - ist es doch nur ein Katzensprung von Kontinent zu Kontinent. Die Reisereportage mit Dietmar Ossenberg durch fünf Kernländer des Christentums und des Islam im westlichen Mittelmeer - Spanien, Marokko, Tunesien, Italien und Frankreich - sucht nach den Bruchstellen und Brückenschlägen zwischen den Kulturen und erzählt von Menschen, die in und zwischen diesen Welten leben und wandern. Spanien Die neue grosse Moschee von Granada ist ein Symbol für die Rückkehr des Islam ins alte europäische Heimatland. «Allahu Akbar», der Ruf des Muezzin schallt fünf Mal am Tag ins Altstadtlabyrinth Albaicín hinüber zur Alhambra. Parallelwelten auf engstem Raum, direkte Kontakte finden aber kaum statt. «Zweimal habe ich versucht mit den Vertretern der Moschee in Kontakt zu kommen aber das Interesse hielt sich in Grenzen», beklagt Pater Javier Alaminos. Der 79-jährige Pfarrer sieht mit Besorgnis, wie sich sein Viertel verändert. Hier trifft Dietmar Ossenberg auch den jungen marokkanischen Geschäftsmann Abdullah Benhadhoum. Vor einigen Jahren aus Meknes nach Andalusien gekommen, betreibt er ein erfolgreiches marrokanisches Restaurant und plant, bald eine Teestube zu eröffnen. Für ihn ist weniger wichtig, ob Granada wieder islamischer wird, er wünscht sich sogar, dass Marokko mehr wie Spanien wird. «Ich hoffe, dass man in Marokko bald die gleichen Rechte und Chancen hat wie hier», erklärt Abdullah. Marokko Was in Marokko in den vergangenen zwei Jahren geschah, ist in der arabischen Welt bislang ohne Beispiel: Marokkos junger Monarch, Mohammed VI., treibt einen Reformprozess voran, den es so in der islamischen Welt wohl noch nicht gegeben hat. Aber noch immer gibt es starke radikalislamische Strömungen in seinem Land und noch immer sind Armut, Perspektivlosigkeit und Flüchtlingsproblematik allgegenwärtig. Als erstes Kamerateam erhält das ZDF-Team einen Einblick in das Hochsicherheitsgefängnis von Tanger. Dietmar Ossenberg begleitet Assia El Ouadie bei ihrer Überprüfung der Strafanstalt. Sie kümmert sich seit drei Jahren landesweit um bessere Bedingungen für Gefangene und Ausbildungsmöglichkeiten für jugendliche Straftäter. Dass der König sie höchstpersönlich eingesetzt hat, gleicht einer Revolution - nicht nur, weil eine Frau diese Position einnimmt. Assia El Ouadies Familie gehörte zur Opposition und ihr Vater und ihr Bruder waren lange Zeit unter Hassan II., dem verstorbenen Vater des heutigen Königs, politische Gefangene. Tunesien Billiger Urlaub, blaues Meer und ein orientalisches Flair sind die touristischen Pfunde, mit denen Tunesien gerne und mit wachsendem Erfolg wuchert. An den endlos langen Sandstränden wachsen modernste Touristenanlagen wie Pilze aus dem Boden. Und auch die Hauptstadt Tunis putzt sich heraus, um devisenbringenden Urlaubern zu gefallen. Für den Architekten Zoubier Moughli, der die Altstadt sanieren soll, eine ganz besondere Herausforderung. «Nur wenn wir uns unsere eigene Geschichte bewahren, haben wir eine Chance unsere Zukunft richtig zu gestalten.» Auch abseits der Mittelmeerküste erlebt die Reiseindustrie einen kräftigen Aufschwung. Kairouan, die viertheiligste Stätte des Islam, zählt zu ihren ganz besonderen Aushängeschildern. Neben frommen Muslimen aus aller Welt pilgern immer mehr deutsche Urlauber in die pittoreske Oasenstadt, um sich in den orientalischen Gassen und Basaren treiben zu lassen. Tunesien sucht den Anschluss an Europa und der Tourismussektor ist sein wichtigster Motor. Italien Weiter führt die Route nach Sizilien, seit Jahrhunderten das Armenhaus Europas. Für zahllose Flüchtlinge ist es jedoch das Tor zum reichen Kontinent Europa. Die Insel liegt nur wenige Ruderschläge vom afrikanischen Festland entfernt. In den Sommermonaten landen besonders viele Flüchtlinge an den süditalienischen Stränden. Ein grosses Loch im europäischen Grenzzaun, das viele Europäer dringend geschlossen sehen möchten. In Siziliens Hauptstadt Palermo trifft Dietmar Ossenberg auf einen prominenten Politiker, der eine andere Meinung vertritt. «Europa sollte seine Tore für Einwanderer noch weiter öffnen» fordert Leoluca Orlando. Der ehemalige Bürgermeister von Palermo und einstige Mafiajäger ist überzeugt, dass nur mit der Politik der offenen Tür Europa seine Chancen auf eine bessere Zukunft wahren kann. Frankreich Deutschlands südlicher Nachbar, Frankreich, steht heute vor massiven Problemen, die es sich in der Epoche als Kolonialmacht selbst geschaffen hat. Marseille ist ein Paradebeispiel dafür. In der südfranzösischen Hafenstadt haben 90 Prozent der 800000 Einwohner einen Migrationshintergrund, hier leben 200000 Muslime. Marseille, die Stadt der Gegensätze, ist auch die Hochburg der rechtsradikalen Le Pen - Partei. Den Kampf gegen Entfremdung, Rassenhass und Gewalt führen Behörden, Bildungsstätten und konfessionsübergreifende Initiativen. Beispielhaft der ehemalige Grossmufti von Marseille, Soheib bin Sheikh. Der 45-jährige gebürtige Algerier ist Verfechter eines modernen, reformierten Islam. Dietmar Ossenberg begleitet den frommen Grenzgänger zwischen Orient und Okzident durch Marseille und stellt dabei fest, dass dessen Vision von einem Euroislam erstaunlich viel Beifall findet. Ein Modell für ganz Europa? Die Dokumentation «Abenteuer Mittelmeer - Mit Dietmar Ossenberg von Tanger nach Marseille» läuft am Donnerstag, den 24. August, um 23.00 Uhr im ZDF. www.zdf.de 2006/08
|
|