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Marokko Kosmetik-Tipps aus der Welt der Muslime Pflegen wie einst in 1001 Nacht français |
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«Harem» - das war nicht nur der für die Aussenwelt geschlossene private Bereich von orientalischen Herrschaftsgemächern. «Harem» - das ist auch der Bereich in jedem islamischen Wohnraum, in dem die Frauen ungestört unter sich sind. «Harem» - das war wohl immer ein geheimnisumwobener Ort hinter undurchdringlichen Mauern, der blühenden Fantasien und Gerüchten Raum bot. Ein paar Geheimnisse sind trotzdem nach draussen gedrungen: die Kunst der Damen, sich zu schminken, zu pflegen und zu schmücken. All jene Methoden und Techniken der Schönheitspflege und Körperhygiene also, auf die orientalische Frauen von Marokko bis in den Iran seit jeher zurückgreifen. Vieles davon haben Migrantinnen mittlerweile auch bei uns bekannt gemacht. Schönheit und Körperpflege sind in der islamischen Welt schon immer von besonderer Bedeutung. Nicht zuletzt wegen des islamischen Reinheitsgebots hat sich eine reiche Bad- und Hygienekultur entwickelt. So sind etwa die Parfümkunst oder auch das Schminken über die Jahrhunderte aus dem islamischen Kulturraum nach Europa gekommen; auch neuere Trends wie das Dampfbaden im Hamam, Hennabemalungen und Enthaarungsmethoden. Als die erste Migrantengeneration nach Deutschland kam, war all das hierzulande noch unbekannt. Aus der Not entwickelte sich Eigeninitiative. So musste die Migrantin aus dem Orient ihr Pülverchen entweder selbst herstellen oder sie brachte es beim nächsten Familienbesuch aus der Heimat mit. Hier stellen wir einige Pflegeprodukte vor, die ihren Ursprung im islamischen Kulturraum haben, inzwischen aber auch in Lebensmittel- und Bioläden erhältlich sind - und übrigens nicht nur von Frauen benutzt werden. Lavaerde aus Marokko Lavaerde ist ein Tonmineral, das der Haar- und Körperreinigung dient und sich durch seinen hohen Silizium- und Magnesiumgehalt auszeichnet. Der deutsche Name kommt vom lateinischen Begriff lavare (waschen), was dem arabischen Begriff ghassoul (von ghasala, waschen) entspricht. Seit dem 8. Jahrhundert wird dieses Tonmaterial im marokkanischen Atlasgebirge abgebaut und in ganz Nordafrika und mittlerweile auch in Europa als natürliches Reinigungs- und Pflegemittel verwendet. Schon im Mittelalter soll es in die gesamte islamische Welt exportiert worden sein. Und auch heute noch beansprucht die marrokanische Königsfamilie einen Teil des Abbaugebietes für den Eigenbedarf. Die Tonerde wird abgetragen und getrocknet, wobei sie einen Grossteil ihres Gewichtes verliert. In Marokko wird Ghassoul als Block oder in Form von Tonplättchen verkauft und zu Hause zu Pulver verarbeitet. In Deutschland ist es in verschiedenen Formen erhältlich: als Tonplättchen, als unbehandeltes Pulver oder in der Tube als Shampoo, Haarkur oder Maske. Letztere sind häufig mit pflegenden und duftenden Zusatzstoffen versetzt. Das mineralienreiche Ghassoul dient der Wiederherstellung der gesunden Hautfunktionen. Es eignet sich für fettiges und schuppendes, aber auch für trockenes und strapaziertes Haar. Die Tenside und Konservierungsstoffe herkömmlicher Shampoos dagegen führen bei vielen eher zum Nachfetten, Jucken und Schuppen - zu Lasten des natürlichen Schutzmantels der Haut. Am besten eignet sich reines Ghassoul-Pulver ohne jegliche Zutaten. Mit lauwarmem Wasser angerührt, quillt die Paste an und entwickelt eine gelige Konsistenz, die sich gut verteilen lässt. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Wascherde kaum schäumt. Das Haar jedoch wird seidenweich, fällt lockerer, gewinnt an Elastizität und lässt sich zudem gut frisieren. Ghassoul erfüllt so all das, was andere Produkte meist nur versprechen und nicht halten. Ghassoul ist sehr ergiebig. Für die Haarwäsche reicht meistens eine Behandlung der Kopfhaut, das Haar wird beim Ausspülen gereinigt. Wer es besonders gut mit seinen trockenen Haaren meint, kann beim Anrühren der Paste ein mildes Pflegeöl beimischen, zum Beispiel Sesam-, Mandel- oder Olivenöl. Der Jahresverbrauch der Wascherde liegt in Marokko bei etwa 8.000 Tonnen. Übrigens: Ghassoul ist nicht nur für die Haarreinigung, sondern auch für die Ganzkörperpflege geeignet. Sukkar - Halawa – Agda Es ist das Enhaarungsmittel von Marokko bis Iran: Halawa oder Sukkar («Zuckern»; türkisch: Agda, im Westen auch als «Sugaring» bekannt. Im Wesentlichen besteht das Mittel aus karamelisiertem Zucker und Zitronensaft, die im Verhältnis von 1:1 vermengt werden. Als weitere Zutaten können eine Prise Salz und eine Aspirin (Salicylsäure) hinzukommen. Traditionell trifft sich eine Gruppe von Frauen, um Halawa selbst vorzubereiten und sich zu Hause gegenseitig bei der Enthaarung zu helfen. Das spart Zeit, das Ergebnis ist gründlicher, und im fröhlichen Kreis von Freundinnen wird die eher nervige Prozedur zum geselligen Spass. Im Orient ist Halawa für viele Frauen auch eine sichere Einkommensquelle - in den Hamams wird es als zusätzliche Behandlung neben der Massage angeboten. Mittlerweile gehört Halawa aber auch zu den Leistungen guter Kosmetik- und Friseursalons. In Deutschland findet man den Service insbesondere bei türkischen und persischen Kosmetikerinnen, die sich nicht selten sogar auf Halawa spezialisiert haben. «Agda» gibt es zudem in fast jedem türkischen Lebensmittelladen - selbst für Diabetiker auf Basis von Süssstoffen. Neben türkischen Produkten ist in Deutschland die arabische Marke «HALAWA» erhältlich (auch über das Internet). Die Enthaarungsprozedur beim Halawa unterscheidet sich kaum vom Vorgehen mit Warmwachs. Bei einigen Sorten wird der geschmolzene Zucker mit Spachteln aufgetragen und mit Hilfe eines Tuches oder Papierstreifens abgezogen. Bei der traditionellen Enthaarungsform mit Zucker wird die Masse nach dem Erkalten zu kleinen Kügelchen geformt, geknetet und mit dem Daumen auf die entsprechende Hautstelle flach aufgedrückt. Die Enthaarung sollte auf sauberer, fettfreier, am besten mit Babypuder abgetupfter Haut erfolgen. Besonders beanspruchte Haut (etwa bei Akne, Sonnenbrand oder gepeelter Haut) sollte durch eine Enthaarung nicht zusätzlich gereizt werden. In jedem Fall ist die Gebrauchsanweisung eingehend zu studieren. Noch besser ist es, sich als Neuling am Anfang von jemandem mit Erfahrung helfen zu lassen. Das Enthaaren mit Produkten auf Zuckerbasis ist im Vergleich zu anderen Methoden weniger schmerzhaft. Wichtig sind aber auch der Umwelt- und Gesundheitsfaktor, denn die Zuckermasse ist unparfümiert, frei von allergenen Zusatzstoffen, ökologisch abbaubar und vor allem wasserlöslich. So lassen sich Zuckerreste auf der Haut problemlos und schnell entfernen. Khol «Khol Kajal» als Bezeichnung für den Augenkonturenstift ist allseits bekannt. «Khol» alleine muss indes erklärt werden: Der Begriff stammt vom arabischen Wort «kuhul», Augenschminke, eigentlich Antimonpulver. Im Türkischen sagt man «sürme», im Persischen «soma». In vielen Ländern ist das Umranden des Auges mit schwarzer Farbe als Schutz vor Schmutz und Staub verbreitet. Von dem Prinzip - die schwarze Farbe schluckt das Licht und stärkt bei grosser Sonneneinstrahlung die Sehkraft - wird vor allem in heissen Ländern Gebrauch gemacht. Die durch die Farbe angeregte Tränenbildung soll das Auge ausserdem grösser und glänzender erscheinen lassen. In Indien wird Kajal aus Russ und verbranntem Butterschmalz hergestellt und zur «Erweckung» der Götterstatue während eines hinduistischen Rituals verwendet. Auch als Abwehrmittel gegen Insekten und um Entzündungen am Auge zu vermeiden, wird Kajal aufgetragen. In der arabischen Welt ist Khol als Pulver oder Stift bekannt. Das Pulver wird in einem Behälter, dem so genannten «Mikhala» aufbewahrt und mit Hilfe eines feinen Stäbchens aufgetragen. Arabische Khols haben manchmal eine andere Farbe und Konsistenz als die in Deutschland erhältlichen Kajals. Meist sind sie fettiger und leuchten bläulich-intensiv. Beim Kauf ist jedoch Vorsicht geboten, da viele Produkte giftiges Blei enthalten. Hierzulande erhältliche Kajals bestehen aus Pflanzenölen, Wachsen, Fetten, Talkum und Farbstoffen. Sogar ayurvedische Kajals mit kühlendem Effekt sind mittlerweile erhältlich, die Zutaten dafür stammen aus kontrolliert biologischem Anbau. Das Stäbchen, mit dem die Farbe aufgetragen wird, taucht man zuerst in Wasser oder Rosenwasser, erst dann ins Mikhala. Bei geschlossenem Auge wird das Stäbchen am Lid angesetzt und von einem zum anderen Lidende gezogen. So werden beide Lidränder bemalt. Wegen der beruhigenden Wirkung des Khols kann es auch nachts getragen werden. (Gazelle Magazin) www.islamische-zeitung.de Nimet Seker 29.12.2007 ![]() |
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