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Bern Geschichte

Schloss Köniz

Köniz
Aus der Nachfolge des im 14. Jh. von den Bernern eroberten Landgerichts Sternenberg hervorgegangene, ausgedehnte Gemeinde auf den Hügeln und Ebenen und in den Tälern zwischen Ulmizberg, Schwarzwasser, Sense und Forst. Einzigartig die geschichtliche Stellung des Dorfs, das bis 1729 im Besitz des Deutschritterordens verblieb und nach erfolgtem Kauf durch Bern 1732 in eine kleine Landvogtei vor den Toren der Stadt umgewandelt wurde. Seit A. 20. Jh. wurde die untere Gemeinde mit Wabern, Liebefeld und Köniz in die Bildung der Agglomeration Bern einbezogen und entwickelte sich zu einer dicht besiedelten und verbauten Vorstadt, während die obere Gemeinde ihren ländlichen Charakter und ihre teils grossartigen Ortsbilder bewahrte.



  • Schloss Köniz
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  • Gemeinde Köniz (HLS)
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  • Schloss Köniz

    In mehreren Etappen aus dem Stiftsgebäude der Augustinerchorherren hervorgegangener Komplex mit imposantem Hauptgebäude und weitläufigem Wirtschaftshof. Bau des ummauerten Stiftsgebäudes E. 11. Jh., Anbau des Ritterhauses auf der S-Seite und Anlage des Hofs um 1261. Im 14./15. Jh. Verbauung des Freiraums zwischen Ringmauer und W-Front, im Wirtschaftshof Neubau der Ökonomiegebäude. 1610 Umbau des Hauptgebäudes in nachgot. Formen unter Christoph Thumb, weitgehender Neubau des W-Trakts nach 1664.

    Im 18. Jh. Erneuerung der Gesamtanlage mit Neubauten im Wirtschaftshof ab 1724 und Umbauten im Hauptgebäude 1739–40 sowie 1785–86. Seit 1825 dient der W-Trakt als Pfarrhaus, renov. 1965–66, das Übrige gemeinnützigen Zwecken. Archäologische Bauuntersuchung, Rest. und Umbau zum Kirchgemeindezentrum 2000ff. Vom ehem. Stiftsgebäude ist in der NO-Ecke des heutigen Hauptgebäudes das EG als Keller erhalten; gegen W die grosse ehem. Küche mit zwei Backöfen und den Ansätzen des urspr. Gewölbes. OG im 19. Jh. ausgekernt.

    Das Ritterhaus ist ein mächtiger Rechteckbau unter hohem Walmdach in der Nachfolge zähringischer Donjons. Die Fassaden mit Ausnahme des Kellers mit nachgot. und barocken Kuppelfenstern der Umbauten 1610 und nach 1664. Das Wappenrelief in der SO-Ecke, dat. 1610, stammt vom 1884 abgebr. Haupttor zwischen Haberhaus und Kornhaus. Zweischiffiger Keller A. 16. Jh. mit Unterzug auf reich profilierten Eichenstützen. Vom urspr. Bestand der zylindrische, in die Mauerstärke eingelassene Treppenturm in der NW-Ecke; dessen Treppe im 19. Jh. ausgebrochen.

    EG 1785–86 als Empfangsraum und Wohnung des Landvogts neu eingerichtet; neben einfachen Vertäferungen und Cheminées aus dieser Phase v. a. die Türgewände und Türen Louis XV im Saal erhalten. Der ?W-Trakt (Pfarrhaus) ist ein quer vor das Ritterhaus gestellter, zweistöckiger Riegbau auf gemauertem EG; Holzwerk rot gefasst, die Gefache grau gerahmt. Insgesamt fünf unregelmässig angeordnete Achsen barocker Kuppelfenster (Mittelpfosten entfernt). Treppenhausanbau 1739–40 vor der SWEcke des Ritterhauses. Urspr. offene Korbbogenloggia mit Dockenbrüstungen. Im 1. Stock ausgemaltes Zimmer der Bauzeit, marmorierte Balkendecke und dekorativ bemalte Riegwände, in den Gefachen Fruchtgehänge und florale Ornamente.

    Der stimmungsvoll inszenierte Wirtschaftshof wird dominiert von ? Nr. 11, dem grossen Kornhaus. 1724. Monumentaler, an die südl. Ringmauer angebauter, zweigeschossiger Riegbau mit zweistöckigem Mansarddach. Hauptakzent der elfachsigen Hoffassade die an der Basis fünf Achsen breite, von der turmartigen Mittellukarne bekrönte Freitreppe mit Felderbrüstungen aus Sandsteinplatten. Dreischiffige EG-Halle mit Unterzügen auf Stützen mit Sattelholz und allseitig auskragenden Bügen. W-Teil 1885 zur Pächterwohnung umgeb. Nr. 13, Scheune. 2. H. 19. Jh. O-Abschluss des malerischen Hofs.

    Nr. 9, Haberhaus, auf der W-Seite des Hofs. Im 15./16. Jh. in drei Etappen an die Ringmauer angebaut. Das vermauerte Tor zum Kirchenchor auf der W-Seite sichtbar belassen. Zweistöckiges, innen vollständig modernisiertes Rieggebäude auf massivem EG. Hofbrunnen 1766 und imposante, raumwirksame Linde.

    Kunstführer durch die Schweiz – Band 3 – 1. Auflage
    © 2006 Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte




    Reformierte Kirche, ehem. St. Peter und Paul

    Für die Region historisch bedeutender romanischer Bau mit hochgotischem Chor und hervorragenden Glas- und Wandmalereifragmenten des 14. Jh.

    Sagenhafte Stiftung der Königin Berta v. Burgund M. 12. Jh. Angliederung eines Augustinerchorherrenstifts, das 1226 von Friedrich II. dem Deutschen Ritterorden übergeben, von diesem aber erst nach einem Schiedsspruch von 1243 übernommen wurde. 1528 Beschlagnahmung durch Bern, 1552 Rückerstattung an den Deutschorden und Verwaltung durch einen bernischen Schaffner bis zum käuflichen Übergang 1729.

    Ältester Teil der heutigen Kirche ist das roman. Schiff E. 11. Jh., gegen W erweitert A. 13. Jh., gleichzeitig Bau des Turms auf der N-Seite. Neubau Chor um 1310. Spätgot. Umbau A. 16. Jh. mit Ausbruch neuer Fenster in der S-Wand des Schiffs und Einbau neuer Decken. Vor dem Verkauf an Bern Chorrenov. in barocken Formen. Gesamterneuerung 1781–87, letzte Rest. 1981–83.

    Äusseres. Der Bau ist geprägt durch den Kontrast zwischen niedrigem, langem Schiff mit schwach geneigtem Satteldach und schlankem, hochragendem Chor mit steilem Walmdach. Baugeschichtlich aufschlussreich die S-Wand des Schiffs mit den urspr. insgesamt elf Blendlisenenabschnitten zu je zwei Blendbogen und den hochliegenden, schmalen Rundbogenfenstern; die Verlängerung gekennzeichnet durch die mit Ausnahme der etwas grösseren Fenster ungegliederten Wände. Hauptakzent der N-Wand ist der vom Schiff abgesetzte Turm mit kräftigem Sockel und (erneuerten) Kuppelfenstern; Glockengaden und Achteckhelm 18. Jh.

    Über dem 1953 angebauten Konfirmandensaal weitere Reste der urspr. Gliederung der roman. Schiffswände. Der Verbindungsbau zwischen Kirche und Pfarrhaus 1953 zum grössten Teil abgebr. und neu gestaltet; Louis XVI-Portal 1787. Eingezogener hochgot. Chor auf einem bis zum Bankgesims reichenden Sockel; sieben schmale, zweilanzettige Fenster mit Masswerk in einfachen Vierpassformen.

    Inneres. Das Schiff vermittelt ungeachtet der späteren Veränderungen einen von der Romanik bestimmten Raumeindruck. Spürbarste Eingriffe sind das Höherlegen des Umgeländes und der Einbau der Orgelempore 1781, der N-Laube 1786. Bedeutendstes Ausstattungselement die 1503 von Niclas Weiermann erstellte, spätgot. Leistendecke; mittlere Längsleiste von Hans Fener mit Heiligenfiguren bemalt, Querleisten verziert mit drei Bahnen von Flachschnitzereien auf dunklem Grund. Elegante Kanzel aus Nussbaumholz wohl von Tischmacher Meier und Johann Friedrich I Funk.

    Ausgezeichneter fünfteiliger Orgelprospekt 1781 von Karl Josef Maria Bosshardt. Glasmalereien 1937 zur Geschichte der Kirche Köniz von Ernst Linck und Leo Steck. Dem leicht erhöhten Chor fehlen seit dem 18. Jh. die konstruktiven Gliederungselemente; Wiederherstellung des barocken Stuckgewölbes 1983. Zwischen den Fenstern der Chorstirn Fragmente von got. Wandmalereien, dat. 1389. Darstellungen der hll. Petrus, Paulus und Elisabeth von Thüringen; neben Paulus der Stifter der Malereien, Komtur Franz Senn v. Münsingen; neben und über dem Stifterbild kleinere Bildszenen.

    Hauptschmuck des Chors die in den beiden Seitenfenstern des Polygons eingesetzten Fragmente der wohl von Peter v. Helfenstein um 1317 gestifteten und bis gegen 1330 entstandenen Glasmalereien aus dem hochrheinisch-konstanzischen Schulkreis, zeitlich und stilistisch den Fenstern von Blumenstein, Münchenbuchsee und Königsfelden nahe stehend.

    In jeder Lanzette ein Apostel unter einem doppelten Wimperg oder einem krabbenbesetzten Kielbogen; über und unter den Figurentabernakeln mit Blüten oder Vierpässen besetzte Blattstängel. Im nördl. Fenster die Stifterwappen Helfenstein und Urburg; erhalten die Figuren der hll. Johannes, Bartholomäus und Jakobus (Petrus Rekonstruktion von Rudolf Münger 1895, von dem auch das Passionsfenster in der Mitte stammt). Im südl. Fenster Kabinettscheibe v. Mülinen um 1520 und Bubenbergschild 1895.

    Taufstein um 1470, 1887 barbarisch überarbeitet, das damals angebrachte Datum 1503 falsch. Abendmahlstisch mit Platte von 1665, Fussgestell 1787.

    Kunstführer durch die Schweiz – Band 3 – 1. Auflage
    © 2006 Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte




    Köniz in Kürze

    Das heutige Gemeindegebiet ist Altsiedelland; es gibt verschiedene bronze- und eisenzeitliche Fundstellen, römische Gutshöfe (villae rusticae) und frühmittelalterliche Gräberfelder. Die heutige reformierte Pfarrkirche (ehem. Sankt Peter und Paul) geht in ihren ältesten aufrecht stehenden Teile in die Zeit um 1100 zurück. Vorgängerbauten sind zu vermuten, archäologische Ausgrabungen fehlen bislang.

    Der Sage nach soll die Kirche auf eine Stiftung des burgundischen Königs Rudolf II. und seiner Gattin Bertha zurückgehen. Die Pfarrei umfasste nicht nur das heutige Gemeindegebiet, sondern auch die rund 5 km entfernte Gegend der späteren Stadt Bern. 1191 wurde sie somit Pfarrkirche der neu gegründeten Stadt, bis diese 1276 zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde.

    Seit unbekannter Zeit bestand an der Kirche ein Stift der Augustiner-Chorherren, welches 1226 von König Heinrich VII., dem Sohn und Stellvertreter des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II., dem Deutschen Orden geschenkt wurde. Der Orden errichtete an der Pfarrkirche eine Kommende, die zur Ballei Schwaben-Elsass-Burgund gehörte, sowie eine Niederlassung in Bern. Einer der Ordensbrüder amtete als Pfarrer. Mit der Entstehung der Pfarrei Bern wurde die dortige Niederlassung zur eigenständigen Kommende erhoben, deren Vorsteher der jeweilige Berner Stadtpfarrer war.

    Die Kommende Köniz wurde 1528 anlässlich der bernischen Reformation säkularisiert, jedoch 1552 dem Orden auf Druck der katholischen Kantone wieder zurückgegeben. 1729 verkaufte der Orden die Kommende an Bern. Es wurde eine Landvogtei eingerichtet, die bis zum Untergang des Alten Bern 1798 bestand. Die politische Gemeinde Köniz in der heutigen Form entstand 1846.

    Wikipedia



    Literatur

    Armand Baeriswyl: Archäologische Untersuchungen im Schloss in Köniz: Neue Ergebnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende. In: Mittelalter, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins 6, 2001, 81-94.

    Helvetia Sacra Abt. IV, Die Orden mit Augustinerregel. Bd. 7: Die Serviten, die Pauliner-Eremiten, die Lazariter und Lazariterinnen, die Templer, die Johanniter und der Deutsche Orden in der Schweiz, Basel 2006.


    Schloss Köniz; historisches Bildl von Albrecht Kauw, spätes 17.Jh. Quelle: Dr. Armand Baeriswyl; Archäologischer Dienst des Kantons Bern. www.erz.be.ch/site/archaeologie

    Schloss Köniz; Innenhof mit Brunnen. Photo: Foto: www.haberhuus.ch
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