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Graf Zeppelin in Bern

Zwischenhalt der «Fliegenden Zigarre» in Bern: Am 12. Oktober 1930 landete das Luftschiff «Graf Zeppelin» auf dem Berner Beundenfeld.

Als im August 1930 durchsickerte, dass in Bern für den Herbst eine Zeppelinlandung mit anschliessender Besichtigung des Luftschiffs geplant sei, geriet Bern fast aus dem Häuschen. Als Schauplatz für das Ereignis der ganz besonderen Art bestimmten die Organisatoren, Avia Bern (Gesellschaft der Militärfliegeroffiziere) und der Aero Club Bern, nicht etwa das kurz zuvor eingeweihte Flugfeld Bern Belpmoos, sondern das Beundenfeld (Grosse Allmend). Ausschlaggebend für diese Wahl waren primär die leichtere Erreichbarkeit für die zu erwartenden Besuchermassen und die Bedeutung des Beundenfeldes für die Militäraviatik.

Am 10. Oktober 1930 wurde in den Berner Blättern und im Stadtanzeiger ein Merkblatt für die Zuschauer veröffentlicht, das auch das Fahrtenprogramm enthielt. Danach wird das Luftschiff am Sonntag um 12.45 Uhr zur Begrüssung der Stadt ein erstes Mal über Bern kreuzen. Um 13.15 Uhr ist das erste tiefe Überfliegen des Beundenfelds und um 13.30 Uhr die eigentliche Landung vorgesehen. Die Alpar sah ihrerseits so genannte Begrüssungsflüge für den Zeppelin vor, die es ermöglichten, ihn aus der Vogelperspektive zu bewundern.

Der grosse Tag

Am Sonntagmorgen, 12. Oktober 1930, pünktlich um 8 Uhr morgens, verliess das Luftschiff LZ 127 «Graf Zeppelin» Friedrichshafen bei schönstem Herbstwetter zur Schweizer Fahrt mit 24 Passagieren und 40 Mann Besatzung an Bord. Die Fahrt führte über Lindau-Bregenz-Romanshorn-St. Gallen- Wil-Winterthur nach Zürich, das um 9.30 Uhr überfahren wurde. Weiter ging die Fahrt Richtung Zug mit herrlicher Sicht gegen die Urner Alpen, am Rigi vorbei, der in der herrschenden Föhnstimmung zum Greifen nahe schien. Nachdem Luzern überquert war, musste die vorgesehene Route über den Brünig wegen der veränderten Wetterverhältnisse verlassen werden. Die Luftschifffahrt ging nun Richtung Olten (10.35 Uhr)-Biel (11 Uhr)-Yverdon nach Freiburg. Einem Wunsch der Passagiere entsprechend, wurde noch ein Abstecher ins Berner Oberland unternommen.

Um 13 Uhr erschien der Zeppelin vor dem Gurten, überflog in «ziemlicher» Höhe den Landeplatz Bern Beundenfeld und verschwand wieder Richtung Süden, um gut 25 Minuten später von der Bolligenallee her auf den Landeplatz zuzusteuern. Zum Landen war er aber immer noch zu hoch. So setzte er nochmals an, indem er ganz dicht über die Bolligenallee herfuhr, so dass man das Luftschiff nun von vorne sah. Bei fast gänzlicher Windstille schwebte der Koloss über den Platz. Von der Zeppelinspitze aus wurden Taue ausgeworfen, die von der 60-köpfigen Haltemannschaft ergriffen wurden. Langsam, mit dem Bug tiefer als dem Heck, senkte sich das Gefährt zu Boden und landete glatt. Die Passagiere und der Kapitän entstiegen dem Luftschiff.

An der offiziellen Begrüssungsfeier, zu der sich unter anderen die Bundesräte Schulthess, Pilet und Minger, der deutsche Gesandte in der Schweiz, Minister Müller, und weitere Ehrengäste einfanden, hielten der Berner Stadtpräsident Lindt, der Präsident des Schweizer Aeroklubs, Oberst Messmer, und Kapitän Lehmann Reden. Wegen eines Ausfalls der hoch gepriesenen Lautsprecheranlage konnte die gut 50 000-köpfige Menge jedoch kein Wort verstehen! Inzwischen hatte sich das Wetter verschlechtert, eine schwarze Wolkenwand zog von Westen her auf. Um 14.30 Uhr hob das Luftschiff mit Ziel Basel wieder ab, die Taue wurden hochgezogen, Tausende von Taschentüchern fuhren in die Höhe, adieu Zeppelin! Kurz darauf brach ein heftiges Gewitter los.

Dichte Menschenströme

Bis dahin hatte die Stadt Bern noch nie einen Anlass mit so vielen Zuschauern auf engstem Raum erlebt. Der Stimmungsbericht im «Bund» vom 13. Oktober 1930 sprach denn auch für sich. Wir zitieren eine Passage daraus: «Um die Zeit, da sonst Sonntags nur da und dort ein Konfiseur-Ausläufer über die Strasse springt und alles beim Sonntagsbraten zuhause sitzt, setzte gestern von allen Quartieren her ein Strömen nach dem Innern der Stadt und von dort über die Kornhausbrücke nach dem Beundenfeld ein. Vollgesteckte Trams und aushelfende Autobusse, Auto hinter Auto und zwei dichte Menschenströme rechts und links, so gings über die Kornhausbrücke nach der Allmend. Dort verteilte ein guter Ordnungsdienst die Massen, die gegen 1 Uhr dicht gedrängt den Landungsplatz umsäumten.»

Graf von Zeppelin

Der Mann, der den von ihm entwickelten Luftschiffen den Namen gab, Ferdinand Graf von Zeppelin, wurde am 8. Juli 1838 in Konstanz geboren. Die Familie der von Zeppelins gehörte dem württembergischen Zweig dieses mecklenburgischen Adelsgeschlechts an. Als 16-Jähriger trat Ferdinand 1854 in die Kriegsschule in Ludwigsburg bei Stuttgart ein, die er vier Jahre später als Leutnant abschloss.

Den ersten Kontakt mit der Luftschifffahrt hatte von Zeppelin 1863 anlässlich einer Amerikareise, als ihm ein Aufstieg mit einem Freiballon angeboten wurde. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sah von Zeppelin zufällig, wie ein zu Beobachtungszwecken aufgestiegener deutscher Freiballon durch starke Windböen in Feindesland abgetrieben wurde. Dieser Vorfall liess ihm keine Ruhe: Er dachte darüber nach, wie ein Freiballon lenkbar gemacht werden könnte. Bereits 1874 lagen erste Konstruktionspläne für ein lenkbares motorisiertes Starr-Luftschiff vor. Für die Verwirklichung seiner Pläne benötigte von Zeppelin aber Geld und ein Areal für eine Werft. Bei keinem Geringeren als König Wilhelm II. von Württemberg fand er schliesslich Unterstützung für seine Sache: In Manzell bei Friedrichshafen am Bodensee überliess er von Zeppelin ein geeignetes Gelände.

Erster Zeppelinflug 1900

Der erste Aufstieg eines Zeppelin-Luftschiffes - der LZ 1 - erfolgte am 2. Juli 1900. Dieser Aufstieg galt als Weltsensation. Als grösstes Problem erwies sich anfänglich der relativ hohe Gasverlust der Hülle. Bis 1908 standen in der Folge drei weitere Zeppeline bereit. Die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit bewegte sich bereits um 30 km/h. Mit dem LZ 4 wurde am 1. Juli 1908 eine erste grosse Schweiz-Fahrt (ohne Zwischenhalte) unternommen, die von Manzell aus via Schaffhausen-Luzern-Zürich-Winterthur/Lindau an den Ausgangspunkt zurückführte. Die Fahrt dauerte insgesamt zwölf Stunden. 1910 wurde die erste Luftschiffstation in der Schweiz in Luzern-Tribschen eröffnet, im Herbst 1912 aber bereits wieder geschlossen.

Trotz Rückschlägen und Verlusten - mehrere Zeppeline verbrannten - entstanden auch nach dem Tod des Grafen von Zeppelin am 8. März 1917 in Berlin weitere Luftschiffe. Im Ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung der Zeppeline stark vorangetrieben, weil sie für den Truppentransport vorgesehen waren. Nach dem Krieg konzentrierte man sich auf den Bau von Verkehrs- und Passagierluftschiffen.

LZ 127 «Graf Zeppelin»

Eines der bekanntesten (aber nicht das grösste) Luftschiff war die 1928 in Dienst gestellte, 237 m (!) lange LZ 127 «Graf Zeppelin» für 30 Tonnen Nutzlast. Die «Graf Zeppelin» hat sich insbesondere bei Fahrten in die Schweiz einen Namen gemacht: Von 1929 bis 1934 waren es insgesamt 76 Fahrten; aber nur viermal erfolgten Landungen in der Schweiz: am 2. November 1929 in Zürich-Dübendorf, am 14. September 1930 in Genf-Cointrin und am 12. Oktober 1930 - wie vorstehend beschrieben - in Bern-Beundenfeld und Basel-Sternenfeld.

Zuvor, im Jahr 1928, hatte die LZ 127 eine abenteuerliche, aber erfolgreiche 111-stündige Fahrt über den Nordatlantik nach Amerika unternommen (sie ging wegen eines heftigen Unwetters über dem Atlantik als Sturmfahrt in die Geschichte ein) und 1929 eine 299-stündige Weltfahrt (von Friedrichshafen nach Tokio und über Los Angeles und New York zurück nach Friedrichshafen).

1936 wurde die für Langstreckenflüge konzipierte LZ 129 «Hindenburg» für 72 Passagiere (als Attraktion mit einem feuerfesten Raucher-Salon ausgestattet) in Dienst gestellt. Bei der Landung in Lakehurst bei New York verbrannte die «Hindenburg» und mit ihr 13 Passagiere und 22 Besatzungsmitglieder; 62 Personen überlebten. Dieses Unglück war gleichbedeutend mit dem Ende der Luftschifffahrt, obwohl 1930 noch die LZ 130 vom Stapel ging. Die beiden noch vorhandenen Luftschiffe LZ 127 und LZ 130 wurden 1940 auf Befehl der deutschen Reichsregierung abgewrackt.

Die Idee lebt weiter

Doch Zeppelins Idee lebt weiter: Genau ein Jahrhundert nach dem ersten Aufstieg wurde am 2. Juli 2000 ein Zeppelin neuer Technologie auf den Namen «Friedrichshafen» getauft. Der 75 Meter lange Prototyp LZ N07 soll die Luftschifffahrt mit modernsten Technologien revolutionieren und mit 12 Passagieren 900 Kilometer weit (mit einer Geschwindigkeit von etwa 125 Kilometern pro Stunde) fahren können. Er hat vor kurzem die Zulassung erhalten und soll noch in diesem Jahr den Touristenverkehr über dem Bodensee aufnehmen.

Benützte Quellen:
- Peter Meyer: Das grosse Luftschiffbuch, 1976, Elsbeth Rütten Verlag, Mönchengladbach
- Karl Grieder: Zeppelin, Dornier, Junkers; Markantes aus der deutschen Luftfahrtgeschichte, 1989, Desertina Verlag, Disentis
- «Der Bund», 10.-13. Oktober 1930, Beiträge über die Zeppelinlandung in Bern


www.ebund.ch
Hans-Ulrich Suter 18.08.2001


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