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Anti WJT (Weltjugendtag Köln)

Ist ganz Köln papstbesoffen?

Ganz Köln? Nein, ein kleines Häuflein aufrechter Kölner leistet Widerstand: das Heidenspasskomitee. Das Heidenspasskomitee ist ein lockerer Verband von selbständig denkenden Menschen, wie auch Vertretern verschiedener Organisationen wie dem Denkladen, der Giordano Bruno Stiftung, dem Internationalem Bund der Konfessionslosen und Atheisten und dem KAOS Kunst und Videoarchiv Köln e.V.

Sinn und Zweck des Komitees ist es, den im August in Köln stattfindenden WJT nicht ganz so kommentarlos geschehen zu lassen. Offenbart sich dieser Weltjugendtag doch bei näherer Betrachtung als eine zum medialen Grossereignis aufgemotzten Psychoshow, wo im Woodstockmäntelchen diskussionslos schwerst konservative Inhalte vermittelt werden. Die Gründe der einzelnen Mitglieder sich gegen den WJT zu engagieren sind bei jedem anders gelagert, jedoch herrscht Einigkeit darüber das etwas passieren muss, und es passiert schon eine ganze Menge. Getreu dem Motto «Heidenspass statt Höllenqual» wird der Papstbesuch in Köln mit entsprechenden Lesungen, Film, Party, Konzert, Aktion begleitet. In den dafür eingerichteten «Religionsfreien Zonen» (siehe Logo unten) findet nicht nur der gemeine Atheist ein Refugium zum befreiten Durch- und Aufatmen, auch der suchende Christ kann sich hier eines besseren belehren lassen.



  • Heidenspass statt Frömmelei
  • Gegenveranstaltungen zum WJT
  • «Heidenspass» auf dem Weltjugendtag
  • Heidenspass mit Dinopapst
  • «Religionsfreie Zone» will «Heidenspass» demonstrieren
  • Auch Heiden wollen ihren Spass
  • Weltjugendtag - Surfen ohne Sünde
  • Glossar
  • Jacques Tilly
  • Ricarda Hinz
  • Michael Schmidt-Salomon
  • Christoph Heitmann
  • Notker Bakker
  • Foto, Signet
  • www.religionsfreie-zone.de
  • Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA)
  • Giordano Bruno Stiftung
  • Denkladen.de
  • Christoph Schlingensief. Church of Fear. Habt Angst! Have Fear!



    Heidenspass statt Frömmelei

    Während Kirche und Stadt seit Monaten für den Kölner Weltjugendtag mobil machen, bläst eine Gruppe von Rheinländern zum Boykott des Mega-Ereignisses. Unter dem Motto «Heidenspass statt Höllenqual» fordern die Konfessionslosen Asyl für Atheisten und wollen religionsfreie Zonen in der Millionenstadt einrichten.

    Köln - Die Rheinmetropole werde in diesen Tagen «von Heerscharen bigotter Menschen heimgesucht», befürchtet das Komitee «Heidenspass statt Höllenqual.» Auf einer Reihe von Gegenveranstaltungen solle all jenen Asyl gewährt werden, «die sich von dieser staatlich geförderten Frömmelei verfolgt fühlen».

    Rund ein Dutzend Kölner Privatleute haben sich in dem Ausschuss zusammengeschlossen. Mit von der antikirchlichen Partie sind ausserdem Organisationen wie der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und die Giordano-Bruno-Stiftung, die nach dem im Jahr 1600 als Ketzer verbrannten Naturphilosophen Bruno Giordano benannt ist. Beim Weltjugendtag rechnet die «lose, bunt-pluralistische Gruppierung», wie sie sich selbst bezeichnet, mit einer «kritiklosen Jubelorgie» um den neuen Papst Benedikt XVI. «Dem zu erwartenden 'Radio Vatikan auf allen Kanälen' werden wir unser Programm der Aufklärung, des Humors und der Satire entgegensetzen», kündigen die Religionsgegner an.

    Mit ihrem Gegenprogramm will die streitbare Gruppe die Forderung nach strikter Trennung von Staat und Kirche hochhalten, wobei sie sich ganz in der Tradition der europäischen Aufklärung sieht. «Religion sollte Privatsache sein», lautet das Credo der Weltjugendtagsgegner. Wer auch heute noch «hinreichend widerlegten, archaischen Mythen» Glauben schenken wolle, dürfe dies «selbstverständlich tun». «Nur sollte dies im 21. Jahrhundert keine Auswirkungen mehr auf die Politik haben.» Leider sei jedoch das Gegenteil der Fall.

    Darüber hinaus wollen die Organisatoren des Anti-Weltjugendtagsprogramms aber auch «selbst Heidenspass haben und diesen auch vermitteln». Zimperlich gehen sie dabei mit ihren christlichen Gegnern nicht um: Angekündigt sind Vorträge mit Titeln wie «Kardinal Meisner - der heilige Narr vom Rhein» oder auch ein «freigeistiger Frühschoppen» zum Thema «Wir sind Papst!? - Benedikt XVI., ein Bayer im Himmel?» Da in Köln alle kleineren und grösseren Ereignisse von Umzügen begleitet werden, planen auch die «Heidenspass»-Macher für den 19. August eine «Demo/Prozession» unter dem Motto «Erster Kölner FreiGeisterzug». Anschliessend steigt in einer Kölner Kneipe eine «Heidenspass-Party» - «Stargast: Der Gegenpapst und die Chromosomencombo».

    In der Kölner Bevölkerung rief die Kampagne nach Angaben der Organisatoren bislang «sehr unterschiedliche Reaktionen» hervor. Neben viel Zustimmung habe es auch heftige Kritik gegeben, sagt Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung. Dass die Komitee-Mitglieder durch solche Aktionen gerade im «Heiligen Köln» mit seiner jahrhundertealten katholischen Tradition die religiösen Empfindungen vieler Menschen verletzen könnten, will Schmidt-Salomon nicht gelten lassen. Vielmehr sei es «gerade in Deutschland ein wirkliches Problem», dass sich viele auf die Unverletzbarkeit religiöser Gefühle beriefen. «Es ist der Versuch, weltanschauliche Borniertheit unter Naturschutz zu stellen.»

    Richard Heister, AFP
    www.spiegel.de 12.08.2005




    Gegenveranstaltungen zum WJT

    Ab dem 16. August werden rund 800.000 Jugendliche im Rahmen des XX. Weltjugendtages (WJT) in Köln sein. Doch nicht alle Kölner freuen sich darüber. Verschiedene anti-kirchliche Gruppierungen haben Protestaktionen während des WJT angekündigt.

    So auch die «Church of Fear» (COF) des Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief, die vom 28. Juli bis zum 25. September eine kleine Holzkirche, bei der 50. Biennale 2003 in Venedig als Informationszentrum der COF errichtet, auf der Dachterrasse des Museums Ludwig aufgestellt hat.

    Innerhalb dieser Kirche sollen sich Besucher durch vielfältige Darstellungen «rund um die Angst» zu ihren Ängsten bekennen und diese öffentlich ausleben. Während der Ausstellung plant die COF, in der sich laut eigenen Angaben 100 «Gemeinden» und 370 «Sympathisantengruppen» zusammen geschlossen haben, mehrere kurzfristige Protestaktionen gegen den Weltjugendtag.

    Neben der COF hat sich mit dem «Heidenspass-Kommitee» eine weitere Gruppe Contra-Veranstaltungen zum WJT auf die Fahne geschrieben. Rund ein Dutzend Rheinländer möchte unter dem Motto «Heidenspass statt Höllenqual» so genannte «religionsfreie Zonen» in Köln einrichten, in denen sowohl Lesungen und Diskussionen als auch ein vielfältiges Programm und die Vorstellung eines «Gegenpapstes» angedacht sind.

    So hat sich das «Heidenspass-Kommitee», das u.a. vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und der Giordano-Bruno-Stiftung unterstützt wird, eine Kirchenaustritts-Fete, eine «Eilige Messe» und einen Frei-Geister-Zug als Programmpunkte ausgedacht. Zudem wird Jaques Tilly, bekannt für seine kirchen-kritischen Wagen im Düsseldorf Karneval, während des WJT mit einem eigens entworfenen Gefährt durch die Kölner Strassen rollen.

    www.cologne-in.de



    «Heidenspass» auf dem Weltjugendtag

    Vom Weltjugendtag in Köln ist nicht jeder begeistert: Das «Heidenspass-Komitee» plant mit Humor und Polemik Veranstaltungen, die völlig quer zum offiziellen Programm liegen. Ihr Ziel: eine religionsfreie Zone.

    «Unser Komitee ist ein Zusammenschluss von Vertretern verschiedener Organisationen und Privatpersonen, die dem Weltjugendtag etwas entgegensetzen wollen», sagt «Heidenspass»-Sprecher Michael Schmidt-Salomon. «Das Problem ist, dass die deutsche Medienlandschaft in den letzten Monaten zu einer Art Klon des Vatikans geworden sind. Dabei gibt es in Deutschland mehr Konfessionslose als Katholiken.» Für Schmidt-Salomon ist dies aber nicht der einzige Grund für seine Gegenveranstaltung: Noch immer geniesst die Kirche seiner Meinung nach Privilegien in Deutschland, und nutze nun den Weltjugendtag, um diese zu demonstrieren. «Wir fragen uns, warum Konfessionslose dieses katholische Spektakel unterstützen sollten.»

    Kritik ohne Blasphemie

    Unter dem Motto «Religionsfreie Zone: Heidenspass statt Höllenqual» feiert die Gruppe ihr eigenes Protest-Festival mit Theater, Filmen, Musik, Vorträgen und Aktionen wie einer «Kirchenaustrittsparty» am Amtsgericht Köln. Am 19. August, wenn der Papst in Köln ist, laden die Kritiker zu einem «Freigeisterzug» durch die Stadt ein. Und da man sich in der Hochburg des rheinischen Frohsinns befindet, gibt es auch einen Motivwagen wie beim Rosenmontagsumzug. Wagenbauer Jacques Tilly, ein Star der rheinischen Karnevals-Szene, will bei seinem Wagen bewusst auf religiöse Symbole und «blasphemische Sauereien» verzichtet haben. Religiöse Gefühle wolle man nicht verletzten, aber Satire müsse gegenüber der Kirche erlaubt sein - auch wenn es dem Komitee um ernsthafte Kritik geht.

    Die Gruppe wirft der Institution katholische Kirche vor, sich weit von Glaubensinhalten entfernt und rechtsgerichtete Regime und sogar Kriege unterstützt zu haben. Das Komitee ist davon überzeugt, damit auch junge Katholiken anziehen zu können. «Wir wollen die jungen Leute mit unseren Filmen aufklären», sagt etwa Filmemacher Peter Kleinert. «Wir machen das alles für Leute, die etwa in Schule und Medien nichts über die Unterstützung des Faschismus durch den Vatikan gelernt haben.»

    Die Kirche, der Staat und das Geld

    Ein weiteres Thema: Das Geld. Religion solle Privatsache sein und Staat und Kirche streng getrennt - aber obwohl die Kirche und der Papst nach Köln eingeladen hätten, blieben die Kosten zum grossen Teil am Steuerzahler hängen. Nichtgläubige Steuerzahler müssten eine «kirchliche Propagandaveranstaltung» mitfinanzieren, kritisiert das Komitee. Mit den geschätzten Kosten von 100 Millionen Euro könnte 23.000 Menschen ein Jahr lang Arbeitslosengeld bezahlt werden, rechnet Schmidt-Salomon vor: «Die Konfessionslosen müssen für diese Veranstaltung mit aufkommen.» Aber das sei in Deutschland mit der «hinkenden Trennung von Staat und Kirche» nichts Neues.

    Jane Conway (sams)
    www.dw-world.de 13.08.2005




    Heidenspass mit Dinopapst: Komitee organisiert Gegenaktionen zum Weltjugendtag

    Sie versprechen «Heidenspass statt Höllenqual» und wollen mitten im Weltjugendtag «religionsfreie Zonen» errichten: Rheinische Freidenker und Religionskritiker planen kirchenkritische Aktionen in Köln. Ähnlichkeiten mit dem Karneval gehen sie nicht aus dem Weg.

    Es ist kalt, der Himmel wolkenverhangen. In einem Kölner Hof präsentiert ein Komitee einen Wagen, darauf grosse lustige Tierpuppen. Alle Indizien sprechen für Februar und Karneval. Aber falsch: Es ist August und Weltjugendtag. Über das Wetter ärgern sich alle. Aber einige auch über den WJT.

    So etwa der Bildhauer Jacques Tilly, der schon mehrfach Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug entworfen hat. Jetzt traut er sich mit einem Werk nach Köln und erklärt es auch gern. «Die Kirche ist ein alter, faltiger Dinosaurier, der sich überlebt hat. Er ist nicht mehr blutrünstig, wie früher einmal, sondern zahnlos geworden, und er lächelt immerzu.» Unter dem Dino mit Stab und Mitra tummeln sich lauter weisse Schäfchen, das Kirchenvolk. «Wir wollen keine Christen beleidigen», sagt Tilly, «aber wir wollen dagegen protestieren, dass eine Konfession eine ganze Stadt für sich in Anspruch nimmt und die Medien darüber wie Radio Vatikan berichten. Wir wollen zeigen, dass es uns auch noch gibt.»

    Freigeister für Religion als Privatsache

    «Uns» - das sind organisierte Religionslose vom «Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten», kirchenkritische Humanisten von der Giordano Bruno Stiftung (bei Koblenz) und eine Reihe Privatleute wie die Filmemacherin Ricarda Hinz. Sie wollen mit «popkulturellen» Protestformen gegen den WJT protestieren, erläutert ihr Sprecher Michael Schmidt-Salomon. Dazu gehören in den nächsten Tagen eine Lesung von anstössigen Bibelstellen, eine Kirchenaustrittsparty und eine «Enttaufungs»-Zeremonie. Das Komitee verkauft eine Musik-CD «Jesus war so cool» und T-Shirts mit dem Aufdruck «Religionsfreie Zone». Am 19. August, wenn der Papst in Köln ist, laden seine Kritiker zu einem «FreiGeisterzug» durch die Stadt ein. Der Zug sei schon genehmigt, aber man verhandle noch mit der Stadt über die genaue Strecke, sagt Notker Bakker, Jurist im Komitee, auf Nachfrage.

    So karnevalistisch die Aktionen daher kommen, so ernst ist den Organisatoren ihre Kritik: Religion solle Privatsache sein und Staat und Kirche streng getrennt. Deshalb kritisieren die «Heidenspassler» die staatlichen Zuschüsse zu dem Event. «Der Vatikan ist der Gastgeber, aber er gibt keinen Cent dazu», sagt Notker Bakker. Nichtgläubige Steuerzahler müssten eine kirchliche Propagandaveranstaltung mitfinanzieren und sich dann noch - wie jüngst durch Kardinal Meisner - als «geistige Krüppel» bezeichnen lassen. Ein bisschen Verfolgungs-Romantik gehört auch zum Selbstverständnis des Komitees: Er habe angesichts der allgemeinen Jubelstimmung bei der Papstwahl Angst um seine Haut bekommen, sagt einer der Organisatoren. Und Ricarda Hinz beklagt, dass Religionskritiker in Deutschland von den Medien totgeschwiegen würden.

    Keine «blasphemische Sauerei»

    Damit die Verfolgung nicht so arg wird, hat Jacques Tilly beim Wagenbau bewusst auf religiöse Symbole oder eine «blasphemische Sauerei» verzichtet. So wolle man vermeiden, wegen der Verletzung religiöser Gefühle angegriffen zu werden. Schliesslich soll Tillys Wagen während des Weltjugendtages kreuz und quer durch die Stadt fahren. «Wir nehmen am Strassenverkehr teil und schauen, wie die Leute reagieren», sagt Tilly. Satire müsse auch der Kirche gegenüber erlaubt sein. «Ein Mann, der so austeilt wie Meisner, muss auch einstecken können.»

    www.wdr.de 11.08.2005



    Weltjugendtag: «Religionsfreie Zone» will «Heidenspass» demonstrieren

    Die Organisation «Religionsfreie Zone» will eine kritische Gegenöffentlichkeit zum katholischen Weltjugendtag (16.-21.8.) in Köln herstellen. Dazu plant der Zusammenschluss mehrerer Institutionen Vorführungen und Aktionen unter dem Motto «Heidenspass statt Höllenqualen» während des Weltjugendtages (WJT).

    «Wir wollen zeigen, dass nicht ganz Deutschland christlich geprägt ist. Mittlerweile gibt es bundesweit mehr Konfessionslose als Katholiken», sagte der Sprecher des «Heidenspass-Komitees» Michael Schmidt-Salomon am Mittwoch in Köln.

    «Wir wollen auf eine Situation aufmerksam machen, in der eine Religionsgemeinschaft eine ganze Stadt für sich in Anspruch nimmt. Man kann auch bösartig sagen: Radio Vatikan sendet auf allen Kanälen», sagte Bildhauer Jacques Tilly vom «Heidenspass-Komitee». Er betonte, der Zusammenschluss wolle den WJT nicht stören und auch nicht «katholische Christen beleidigen». «Wir wollen aber zeigen, dass es auch andere Menschen gibt, die der katholischen Kirche skeptisch gegenüber stehen», sagte Tilly.

    Dazu soll ein von ihm geschaffener Motivwagen mit einem lächelnden rosa Saurier aus Papp-Karton und weissen, lächelnden Schäfchen während des WTJ durch die Strassen der Domstadt fahren. Auf dem Wagen flitzt ein schwarzes Schaf, das die Zähne zeigt, von der Herde in entgegengesetzter Richtung weg. «Ich wollte zeigen, dass Kirche ein wandelndes Fossil ist», sagte Tilly. Allerdings habe er die Glaubensgemeinschaft nicht als «blutrünstigen Saurier» dargestellt, sondern «freundlich lächelnd», meinte der Künstler. «Dem Saurier wurden durch die Aufklärung die Zähne gezogen und er hat neue Vokabeln gelernt, wie Menschenrechte, Freiheit und Demokratie», sagte Tilly. Zugleich kritisierte er jüngste Äusserungen des Kölner Erzbischofs Kardinal Joachim Meisner. Der hatte in einem Interview Menschen, die nicht in einem religiös geprägten Elternhaus aufgewachsen sind, als «geistige Krüppel» bezeichnet. «Wer so austeilt, muss auch einstecken können», sagte Tilly. Zum karnevalsähnlichen Charakter dieser Aktion sagte «Heidenspass- Komitee»-Sprecher Schmidt-Salomon: «Der Weltjugendtag bietet viele Parallelitäten zum Karneval.»

    Das Komitee, das sich aus Vertretern verschiedener Organisationen und Privatpersonen zusammensetze, bekomme schon jetzt viele Rückmeldungen, sagte Schmidt-Salomon. Ausserdem will das «Heidenspass- Komitee» Devotionalien-Pakete mit Büchern und der CD «Jesus war so cool» als Gegenstück zum WJT-Pilgerrucksack verteilen.

    Bei weiteren Aktionen während des WTJ sind auch eine «Kirchenaustrittsparty» am Amtsgericht sowie eine «Enttaufungszeremonie» mit anschliessender DJ-Party geplant. Ausserdem seien Vorträge organisiert, etwa «Kardinal Meisner - der heilige Narr vom Rhein» des Philosophen und Theologen Professor Hubertus Mynarek. Zum Zusammenschluss «Religionsfreie Zone» gehören etwa das Forum Kritische Psychologie, der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), das Kölner KAOS Kunst- und Video-Archiv und die Giordano Bruno Stiftung mit Sitz in Mastershausen nahe Koblenz.

    www.handelsblatt.de 10.08.2005



    Auch Heiden wollen ihren Spass

    Gegen den Weltjugendtag in Köln regt sich Protest. Religionskritiker propagieren eine «religionsfreie Zone». Insgesamt aber ist das gesellschaftliche Klima milder als beim letzten Papstbesuch 1987

    Weltjugendtag - das muss nicht sein, denkt sich so mancher. Es gibt eine Alternative zu dem Christenspektakel, das Mitte August den Grossraum Köln erschüttert. Sie heisst «religionsfreie Zone», ihr Motto ist «Heidenspass statt Höllenqual», ihr Logo sind betende Hände in einem Verbotsschild. Das soll provozieren. «Die Hippen kommen zu uns, die anderen müssen draussen bleiben», wirbt Michael Schmidt-Salomon, Sprecher des «Heidenspass»-Komitees und Geschäftsführer der Giordano-Bruno-Stiftung, für weltliche Vergnügungen. Parallel zum Weltjugendtag bieten die Religionskritiker Vorträge und Diskussionsveranstaltungen, aber auch Geselliges wie den «Freigeistigen Frühschoppen», die «Kirchenaustrittsparty» und natürlich eine «Heidenspassparty».

    Dem angeblichen Weltjugendtag - es geht ja nur um katholische Jugendliche - kann das «Heidenspass»-Komitee nichts Positives abgewinnen. «Das ist eine erzkonservative Veranstaltung mit Missionierungscharakter, ein Jungbrunnen für die alten Männer in der Kirchenhierarchie», kritisiert die Dokumentarfilmerin Ricarda Hinz von der «Heidenspass»-Gruppe. «Es geht nicht um Inhalte, sondern nur darum, IHN anzubeten.» Das Ziel habe der Kölner Erzbischof Joachim Meisner ja auch klar benannt: «Reevangelisierung». «In anderen Ländern sind Kirche und Staat getrennt», empört sich Hinz. Hier finanziere der Staat Veranstaltungen wie den Weltjugendtag auch noch.

    Meisners Reevangelisierung den Kampf angesagt hat Jacques Tilly schon länger. Der Düsseldorfer Bildhauer und «Heidenspass»-Aktivist gestaltete dieses Jahr in seiner Stadt einen Karnevalswagen: Meisner verbrennt eine Frau auf dem Scheiterhaufen, die abgetrieben hat. Meisner habe mit einem seiner berüchtigten Ausfälle die Steilvorlage dafür geliefert, sagt Tilly. «Es war klar, dass das Kölner Karnevalskomitee das nicht aufgreift. Deshalb haben wir das in Düsseldorf gemacht.» Die Kirche war natürlich empört.

    Als kleine Minderheit kommt sich die «Heidenspass»-Fraktion dabei nicht vor. In Wirklichkeit gebe es längst mehr Konfessionslose als Katholiken in Deutschland, sagt der Sozialwissenschaftler Schmidt-Salomon. Ausserdem teilten viele Katholiken gar nicht mehr die religiösen Grundlagen ihrer Kirche. «Weniger als die Hälfte glaubt noch an einen personalisierten Gott», sagt Schmidt-Salomon - womit dann die Voraussetzung für Religion fehle. Mit dem Weltjugendtag würde die Kirche aber wieder so tun, als stünden alle Jugendlichen, die nach Köln kommen, hinter ihr, ärgert er sich.

    Auffallend ist, wie wenig Protest gegen Ratzinger aus Köln selbst kommt. Eine offizielle Position zum Beispiel der Grünen-Fraktion im Kölner Rat gibt es nicht, berichtet deren Vorsitzende Barbara Moritz. Das Thema sei in der Partei umstritten. Ihre Partei trenne aber zwischen Weltjugendtag und Papst, dessen Ansichten auch die Grünen für kritikwürdig halten. So hat die Fraktion schliesslich städtische Zuschüsse für die Veranstaltung abgesegnet - wenn auch nur mit knapper Mehrheit.

    Als sie nach Gleichgesinnten in der Domstadt gesucht habe, habe sie erstmal keine gefunden, erzählt die Düsseldorferin Ricarda Hinz. «Die sind alle sehr eingeschüchtert durch den Papst-Hype», vermutet sie als Grund dafür, dass selbst unter liberalen Christen so wenig Protest gegen Ratzinger laut wird. Beim letzten Papstbesuch in Köln im Jahr 1987 war das noch anders. Der Besuch fiel auf den 1. Mai, erinnert sich Joachim Römer, einer der Aktivisten von damals. «Das haben viele als besondere Provokation empfunden.» Linksradikale, Frauengruppen, Schwule, Gewerkschafter und andere haben damals Veranstaltungen organisiert, erzählt Römer. Höhepunkt der Proteste sei eine Demo gewesen: Die frisch ausgerufene Gegenpäpstin Johanna wurde dabei von nackten Männern auf einer Sänfte durch die Strassen getragen. «Das war ziemlich extraordinär», sagt Römer heute. Es gab auch eine Massenzeitung gegen den Papst: BLIND, eine satirische Bild-Nachahmung. Winfried Wolf, heute Ex-Bundestagsabgeordneter der PDS, damals Journalist in Köln, hatte darin einen Artikel geschrieben, in dem er das Dogma der unbefleckten Empfängnis lächerlich machte - und wurde vom Bistum Speyer verklagt. Das Verfahren wurde eingestellt.

    Warum gibt es solche Proteste heute so nicht mehr? Das gesellschaftliche Klima war anders, sagen alle Aktivisten. «Der Papst war damals nicht so beliebt wie heute», so Römer. Mit Äusserungen zu Schwulen und Aids hätte der Papst die Leute aufgebracht. «Die Linke damals in Köln fühlte sich durch den Papstbesuch herausgefordert», sagt Winfried Wolf. Heute seien Linke und Kirche einfach getrennte Welten, vermutet er. Und: «Das Thema Abtreibung war viel virulenter.»

    Die Subkulturen, die damals solche Proteste getragen haben, fehlten heute, sagt auch Jacques Tilly. «Das muss man zur Kenntnis nehmen.» Ihn wird das nicht abhalten, seine Wut ist gross genug. «Den Kirchen gelingt es immer wieder, die christliche Ethik als Leitkultur zu vermitteln», empört er sich. «Dabei ist die ganze Freiheit, die wir haben, gegen die Kirche durchgesetzt worden.»

    Von Dirk Eckert
    www.taz.de 04.08.2005




    Jacques Tilly

    Bildhauer / Kommunikationsdesigner

    «Der Promotionwagen des Heidenspass-Komitees ­ gebaut im Auftrag der Giordano Bruno Stifung ­ soll daran erinnern, dass die Kirche nicht nur eine Heilsgeschichte, sondern ebenso eine bisher unbewältigte Kriminalgeschichte mit sich herumschleppt. Das kirchliche Bild der gläubigen Schäfchen und des leitenden Hirten wird als Wagenmotiv aufgegriffen und humorvoll in Szene gesetzt. Die Kirchenführung erscheint als uraltes, lebendes Fossil aus schon längst untergegangenen, archaischen Zeiten. Die Aufklärung hat der Kirche inzwischen die Zähne gezogen, und mühsam und viel zu spät hat sich der alte klerikale Saurier den veränderten Zeiten angepasst und neue Vokabeln gelernt: Menschenrechte, Demokratie, Freiheit. Doch so friedfertig und tolerant sich die Kirche gibt, in ihren Genen steckt noch immer die alte Urzeit. Die verbalen Rückfälle ins Mittelalter, die sich einige Kirchenführer in jüngster Zeit geleistet haben, bestätigen diesen Befund. Auf den Lesungen in unseren religionsfreien Zonen wird deutlich werden, dass die sogenannten christlichen Werte, die dürftig informierte Politiker und Journalisten so gerne im Munde führen, auch einen zutiefst unmenschlichen und totalitären Kern haben.»



    Ricarda Hinz

    Filmemacherin

    «Dem bekanntesten deutschen Kirchen und Religionskritiker Dr. Karlheinz Deschner ist am 21.08 ein eigener Abend im Filmhaus gewidmet. Der Voltaire des 20sten Jahrhunderts veröffentlicht augenblicklich die Kriminalgeschichte des Christentums im Rowohlt Verlag. Der Film Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner veranschaulicht die Wirkung dieses Werkes sowohl auf die unzähligen Leser als auch auf die etablierte Kirche und portraitiert das Spektrum ihrer Abwehrstrategien gegen Deschner und sein Werk. Nebenbei führt er die sanfte Persönlichkeit dieses schärfsten aller Kritiker vor. Der Film lief mit Erfolg auf einigen Filmfesten, kam aber bisher noch an keinem Rundfunkrat vorbei in ein überregionales Fernsehprogramm.
    Im Rahmen eines Film-Livemusik-Gedichte-Abends in der Gaststätte Spielplatz wird Kruzifix gezeigt werden. Der Videofilm dokumentiert den Skandal, den es 1996 um einen Düsseldorfer Rosenmontagszugwagen zum Thema: Kruzifixe in Schulzimmern gegeben hat. Das gesamte katholische Rheinland stand Kopf und empörte sich! Die Wellen schlugen bis nach Bayern und in die dt. Bischofskonferenz. Bei seiner Erstaufführung in Düsseldorf, schrieb ein Redakteur der Rheinischen Post eine begeisterte Kritik, die glattweg von der Chefetage zensiert wurde. Wer noch nicht weiss was gut katholisch heisst, der weiss es nach dem Film und wenn der Film nicht so lustig wäre, wäre es ganz schön traurig...»



    Michael Schmidt-Salomon

    Philosoph, Schriftsteller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Giordano Bruno Stiftung

    «Wir leben in einer Zeit der Ungleichzeitigkeit: Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde.
    Angesichts der zunehmenden Attraktivität fundamentalistischer Heilserzählungen ist es eine Pflicht der intellektuellen Redlichkeit, Klartext zu sprechen – gerade auch in Bezug auf Religion. In diesem Zusammenhang möchte die Giordano Bruno Stiftung das mediale Interesse, das durch den katholischen Weltjugendtag geweckt wird, nutzen, um für die Leitkultur von Humanismus und Aufklärung zu werben, die - von vielen unbeachtet - das Fundament jedes modernen Rechtsstaates bildet. Da es einigermassen schwer fällt, die Werte von Humanismus und Aufklärung in Deutschland medial gut zu verkaufen, haben wir für die Gegenveranstaltungen zum Weltjugendtag bewusst einen popkulturellen Ansatz gewählt, der sich u.a. in der von der Stiftung verantworteten Gestaltung des Plakats, des Flyers oder des Devotionalienpakets niederschlägt. Dieser Ansatz mag als provokativ empfunden werden, aber dies ist ausdrücklich so gewollt, schliesslich wollen wir mit unseren Veranstaltungen tatsächlich etwas hervorrufen (= lat. provovare). Viel zu lange schon wurden die Positionen von Humanismus und Aufklärung überhört. Als Think Tank der Aufklärung möchte die Giordano Bruno Stiftung dazu beitragen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert.»



    Christoph Heitmann

    Autor

    «Peter Sarrach, Laabs Kowalski und ich, Christoph Heitmann, tragen die UNGLAUBLICHSTEN Stellen der angeblich Heiligen Schrift vor – Kurioses, Brutales, Wahnsinniges, Aberwitziges, Menschenverachtendes... Wenn man mal ausblendet, welches Elend solche Passagen angerichtet haben, stellt sich der Heidenspass auf jeden Fall ein. Auch geben an diesem Abend (Donnerstag, 18. August) die Noizy Neighbors die theatrale Performance Passion Christi feat. Screamin Jay Jesus und DiDrea, Thomas Köhn sowie Christian Bartel lesen aus ihren Neuesten Testamenten. Die Ballroom-Bibellesungen haben mittlerweile eine mehrjährige Tradition.Üblicherweise ereignet sich das Spektakel an Karfreitagen, wenn in Köln ein behördlich angeordnetes Lach- und Tanzverbot herrscht.»



    Notker Bakker

    Jurist und Regionalbeauftragter Nordrhein des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA)

    «Gastgeber des Weltjugendtages (WJT) ist der Papst. Der Vatikan trägt indes nichts zur Finanzierung des WJT bei Gleichzeitig wird der WJT vom Bund, vom Land, von der EU und von der Stadt Köln mit mindestens etwa 15 Mio € subventioniert. Die katholische Kirche Deutschlands trägt 26 Mio € bei. Als Darlehen. D.h.: Erzielt die WJT gGmbH einen Überschuss, fliesst Geld an die katholische Kirche zurück. Nicht an die staatlichen Stellen. Die staatlichen Subventionen sind weg. Allerorten wird gespart, staatliche Mittel werden gekürzt, gerade auch zB im Bereich regelmässiger Jugendarbeit in der Stadt Köln. Da ist es widersprüchlich, dass ausgerechnet ein einmaliges Grossevent wie der WJT vom Staat subventioniert wird - auch von der Stadt Köln.
    Dabei handelt es sich bei der katholischen Kirche um keine mittellose Organisation. Ihr Vermögen in Deutschland beläuft sich - so die grundlegende Studie des Politiologen Carsten Frerk - auf ca. 250 Mrd € (Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland, Aschaffenburg 2002, S. 404ff).»



    Glossar

    Blasphemie
    [die; griechisch]
    Gotteslästerung, d. h. eine durch Taten oder Worte offenbarte Ehrfurchtslosigkeit der Gottheit gegenüber. Die Strafe seitens der ursprünglich sich von der Rache der gelästerten Gottheit bedroht fühlenden Gemeinschaft, war, wie z. B. im Alten Testament (Levitikus 24,10 ff.), Steinigung. So auch bei den Griechen.

    Devotionalien
    Gegenstände, die der persönlichen Frömmigkeit dienen sollen, z. B. Rosenkränze, Heiligenbilder und Kreuze.







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