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Neues Berner Lokalradio «Capital FM»

In der Region Bern ist das neue Lokalradio «Capital FM» auf Sendung. Bei der Station aus dem Hause der Espace Media Groupe handelt es sich um den Nachfolger von Radio «Extra Bern», das Ende 2005 seinen Betrieb eingestellt hatte.

Kompakte Nachrichten, nützliche Serviceinhalte und eine «sympathische Begleitung» sollen die Eckpfeiler des neuen Radios bilden, wie es in einer Mitteilung des Senders heisst. Geplant sind bis zu 20 tägliche Nachrichtenbulletins. Das Musikprogramm soll aktuelle Hits mit den Pop-Klassikern bis zurück in die frühen 70er Jahre verbinden.

Wegen sinkender Höhrerzahlen hatte «Extra Bern» am 31. Dezember seinen Betrieb nach 22 Jahren eingestellt. Im Zusammenhang mit der Neupositionierung unter dem Namen «Capital FM» waren Anfang November drei Mitglieder des Moderationsteams entlassen worden.

www.capitalfm.ch 23.01.2006



Erstes Lokalradio verstummt

Morgen (31.12.2005) geht eine 22-jährige Geschichte zu Ende: Radio Extra-Bern stellt seinen Betrieb ein, Ende Januar startet Capital FM

Gleicher Lohn für alle, Freude am Experiment und ein ungewöhnlicher Arbeitsort mitten im Restaurant Löwen: So begann die Geschichte von Radio Extra-Bern, dem ersten Lokaradio der Stadt, das von einem neuen Radio abgelöst wird.

Die Putzequipe entfernt dieser Tage alle Extra-Bern-Kleber im Studio an der Nägeligasse, im Gang werden Maler die hingepinselten Grussbotschaften der Künstler an das Privatradio überstreichen, und im Empfangsbüro wird der Schriftzug auf dem Plattenboden mit einem Teppich überdeckt: Bei Radio Extra-Bern werden derzeit die Spuren des 22-jährigen Senders beseitigt. Hinter den Kulissen sind die Radiomacherinnen und Radiomacher daran, Detailkonzepte zu erarbeiten und diese in Probesendungen umzusetzen, wie Programmleiter Frederik Stucki erklärt. Die Wochen zwischen morgen Mitternacht, wenn Extra-Bern für immer verstummt, und dem Start des neuen Senders Capital FM Ende Januar werde man nutzen, um intensiv am neuen Programm zu feilen. In der Zwischenzeit wird auf der Extra-Bern-Frequenz nur noch Musik zu hören sein. Das neue, selbst ernannte Hauptstadtradio übernimmt die Frequenz von Radio Extra-Bern (97,7 Megahertz).

Erstes Privatradio in Bern

Wenn der Betrieb von Radio Extra-Bern an Silvester eingestellt wird, so geht auch ein bewegtes Kapitel Berner Lokalradiogeschichte zu Ende. Der Sender, der zu Beginn «Aare Wälle» hiess, konnte erstmals am 1. November 1983 empfangen werden. Es war die Zeit der Privatradiopioniere: Roger Schawinski kämpfte bereits seit 1979 lautstark für die Zulassung von Privatradios, der Bundesrat befasste sich aber erst im Sommer 1982 mit einer neuen Rundfunkversordnung, mit der nebst Programmen der SRG erstmals auch kommerzielle Privatradios zugelassen werden sollten.

Die «Aare Wälle» war Berns erstes kommerzielles Radio – und konnte mit einem ungewöhnlichen Studio auftrumpfen: einer kleinen Glaskabine mitten in einem Restaurant in der Berner Innenstadt, dem «Löwen» an der Spitalgasse.

«Nie mehr so etwas erlebt»

«Wild, sehr motiviert, kreativ und experimentierfreudig» sei diese Gründerzeit gewesen, erinnert sich Matthias Lauterburg, einer der Gründer des Berner Privatradios. «So etwas habe ich nachher nie mehr erlebt.» Das Programm sei sehr offen gewesen, die Wortanteile mit bis zu 30 Minuten sehr lang, erzählt er. So konnte es sein, dass an einem Abend auf die Eishockeyreportage Gedanken eines Pfarrers folgten, danach berichteten die Journalisten von der eben besuchten Kulturveranstaltung. Die in Mundart vorgetragenen Nachrichten stellten das lokale Geschehen in den Mittelpunkt.

Anfangsschwierigkeiten

Doch da waren auch ein paar Anfangsschwierigkeiten: «Wir haben das Publikum mit dem allzu harten Musikprogramm überfordert», erinnert sich der zweite Drahtzieher, Matthias Steinmann. Dies schlug sich in den wenig berauschenden Höherzahlen nieder. Der Medienprofessor sorgte dafür, dass Studenten beim neuen Privatradio Erfahrungen sammeln konnten. Auch späteren Generationen Medienwissenschaftsstudenten wurden Praktika ermöglicht. Im ersten Halbjahr wurden sie mit dem gleichen Salär wie alle, von der Putzfrau bis zum Redaktionsleiter, entlöhnt: 4500 Franken pro Monat.

Bald erwies sich der Arbeitsort als Problem. Der «Löwen» war zu einem beliebten Treffpunkt für Drogenabhängige geworden, die Arbeitsbedingungen für das Radioteam verschlechterten sich zusehends, und es musste immer häufiger in seine Räumlichkeiten im fünften Stock ausweichen. Im August 1985 zogen die Radiomacher an die Laupenstrasse um.

Gefahr des Immergleichen

«In Bern hat es Platz für 1,3 Privatradios», liess sich Matthias Lauterburg Mitte der Achtzigerjahre zitieren, als in Bern ein zweiter Sender, Radio Förderband, um eine breite Hörerschaft zu buhlen begann. Wie schätzt Lauterburg, der inzwischen als Redaktionsleiter beim Privatfernsehsender Tele-Bärn angestellt ist, die Chancen des neuen kommerziellen Senders Capital FM? «Eine Neuausrichtung ist die einzige Möglichkeit, wie sich das Radio in Bern wieder hörermässig stark positionieren kann», sagt er. Lautberburg ist weiterhin der Überzeugung, dass es im Raum Bern schwierig ist, Werbegelder für zwei Privatradios zu akquirieren.

Medienwissenschaftler Matthias Steinmann, der sich auch mit der Erhebung von Radiohörerdaten beschäftigt, sieht eine «More-of-the-same»-Gefahr. Chancen gibt er Capital FM, wenn es ihm gelinge, ein neues Hörersegment zu erobern.

Der Bund, Catherine Arber 30.12.05

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