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Bern mit leichtem Strich skizziert Buchbesprechung Bildband «Paul Klee in Bern» In Bern steht nicht nur das Paul-Klee- Museum, Bern nimmt im Frühwerk des Künstlers auch einen zentralen Platz ein. Nun ist ein Bildband über diese frühen Berner Jahre erschienen. Hätte Paul Klee doch in Zürich gelebt! Er hätte als 18-Jähriger brav und akribisch genau «nach der Natur» den Üetliberg, die Kirchen und Brücken der Stadt gezeichnet, etwas mehr als zehn Jahre später das Grossmünster samt Rathaus mit Feder und Pinsel auf Karton gebannt. Mit leicht fahrigem Strich wäre das Häuserpanorama entlang der Limmat bei der Schipf entstanden und, fast schon abstrakt, das flirrende Sonnenlicht zwischen den Bäumen des Lindenhofs skizziert worden. Anfang und Ende in Bern Aber Paul Klee lebte in Bern. Wenigstens während seiner Kinder- und Jugendzeit und später als jung verheirateter Mann. Und dann, noch später, als er, in Deutschland als entarteter Künstler diffamiert, nach Bern zurückkehrte. Berner wurde er, mit einem deutschen Vater und einer Schweizer Mutter als gebürtiger Deutscher registriert, nicht mehr. Er starb 1940, wenige Tage vor seiner formellen Einbürgerung. Trotzdem: Paul Klee war Berner, und Berndeutsch war seine Muttersprache - und seine ersten Bilder entstanden in Bern. Im Berner Stämpfli Verlag ist Ende des letzten Jahres ein Bildband erschienen, der die Verbundenheit mit Bern und das künstlerische Erwachen Klees gleichzeitig dokumentiert. Da sind die ersten tastenden Versuche in seinen späten Gymnasialjahren, Zeichnungen, entstanden aus reiner Freude am Gestalten und mit der festen Absicht, möglichst «nach der Natur» wiederzugeben. Und da sind die ersten Abstraktionen, die ersten, mit harten Federstrichen festgehaltenen Ansichten, die den Weg zu Klees spezifischem Zeichenstil vorgeben. Der Geiger, der lieber malte Auch nach der Matura, während seines Studiums an der Münchner Kunstakademie, kehrte Klee immer wieder nach Bern zurück, nicht zuletzt zum Geldverdienen. Nein, nicht mit seinen ersten Bildern, aber doch auch mit Kunst: Klee spielte bis 1906 regelmässig eine der ersten Geigen im bernischen Stadtorchester. Autor des Bildbandes über das frühe Werk von Paul Klee ist der Berner Sammler, Kunsthändler und Auktionar Eberhard W. Kornfeld. Er zeigt in Auszügen aus Paul Klees Tagebüchern und aufgrund eigener Recherchen den künstlerischen Werdegang Klees auf. Diese fachkundigen und gleichzeitig intimen Erläuterungen bilden den Gegenpol zum mit über 40 Zeichnungen und Aquarellen dokumentierten Frühwerk Klees. Ungemein spannend ist es, diesen Weg zu verfolgen vom genauen Zeichnen über die wie im Fieber hingekritzelten Skizzen, vom nervösen Strich mit der harten Tuschfeder bis hin zur fast kontemplativen Ruhe in seinen mit lavierendem Tuschpinsel gezeichneten Landschaften und Aquarellen. Den Maler verstehen lernen Fotografien der von Klee gezeichneten Ansichten tragen wesentlich dazu bei, die Optik des Malers verstehen zu lernen, die Umsetzung der realen Welt in seine Malerwelt zu begreifen. Die Liebe Paul Klees zu Bern hat in seinem Frühwerk einen überzeugenden Ausdruck gefunden. Als ein Beispiel sei nur sein Bild vom Aareufer erwähnt, mit der Feder geschaffene Dynamik pur. Schade, lebte Klee nicht in Zürich. Eberhard W. Kornfeld: Paul Klee in Bern. Stämpfli Verlag Bern, 2005. 84 Seiten. 34 Franken. «Der Zürcher Oberländer» / «Anzeiger von Uster» Bernadette Reichlin 17.02.2006 Helmhaus Zürich Das Helmhaus Zürich zeigt zeitgenössische Kunst, hauptsächlich von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern oder von Kunstschaffenden, die in der Schweiz leben. Einzel-, Gruppen- und thematische Ausstellungen widmen sich der lebendigen Schweizer Kunstszene, Gesprächsabende mit Künstlerinnen und Künstlern vermitteln Einblicke aus erster Hand. Helmhaus Zürich Limmatquai 31, 8001 Zürich Homepage Tram 4, 15 bis Haltestelle Helmhaus |
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