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Berner Fasnacht 2003 - Presseberichte
Der «Bund»-Ehrenpreis für die beste Maske ging an jenes Paar, das als «Duolith» in blauen Pyjamas und mit rostbraunen Würfeln auf den Köpfen noch einmal die Expo aufleben liess. Auf Wiedersehen, ihr Narren Bunt, schrill, poetisch, witzig: So war die Fasnacht des vergangenen Wochenendes im Kanton Bern. Die Bundesstadt, Biel und Langenthal waren ganz in der Hand der Narren und Närrinnen, in diesem Jahr einmal bei angenehmem Frühlingswetter. Mögen die Berner langsam sein, die Letzten im Fasnachtskalender sind sie nicht. Seit heute früh 4.00 Uhr ist in Basel der «Morgeschtraich» im Gange. «Die Hexen sind nur Spass» Es ist Fasnacht in Bern. Wieder einmal bekommen all jene Unrecht, die behaupten, eine protestantische Stadt wisse nicht zu fasnachten. Wieder einmal werden die Gassen und Lauben mit Konfettis beschneit und versuchen die Guggenmusiken den Winter lautstark zu vertreiben. Der Umzug am Samstagnachmittag ist auch an der 22. Ausgabe der Berner Fasnacht der Höhepunkt. Zehntausende säumen schon am frühen Nachmittag die Marschroute, und wer zu spät kommt, den bestraft die Menge. Big is beautiful, denkt sich wohl so mancher in der dritten und vierten Reihe, wenn er von den Guggomanen, Tonschissern und Mutzopotamiern nicht viel mehr als den auf- und abwippenden Stock des Tambourmajors zu sehen bekommt. 68 Gruppen ziehen, angeführt vom Berner Wappentier, durch die Altstadt. Alle Wege führen auf den Bundesplatz, zumindest an der Fasnacht. Dorthin, wo die Guggenmusiken auch dieses Jahr wieder das Parlamentsgebäude mit dem traditionellen Monsterkonzert erzittern lassen. In Erwartung des Umzugs sammeln sich immer mehr Schaulustige an den Absperrgittern, um sich die beste Aussicht zu sichern. Fünf indische Touristen lassen derweil mitten in der Menge ihre Fotoapparate und Videokameras heisslaufen, filmen verkleidete Kinder, sich selber vor dem Bundeshaus und den Umzug. Sie sind die wohl dankbarsten Abnehmer für die Konfetti der diesjährigen Fasnacht. Über jeden Schwall freuen sie sich, und nicht einmal ein gezielter Schuss Schaumspray mitten auf die Linse kann die Laune der fünf Inder trüben. Sie seien auf der Durchreise, sagt einer von ihnen, und die Stimmung sei einfach wunderbar hier. Ein paar Meter weiter freut sich eine Mutter daran, wie sich ihre lieben Kleinen gegenseitig die Kleider mit Konfetti füllen, und gleich daneben bringt ein anderes Kleinkind mit seiner Spielzeugpistole eine ältere Dame doch tatsächlich dazu, die Hände hochzunehmen. Es ist eben Fasnacht in Bern. Um 16.15 Uhr hat es auch die letzte Guggenmusik auf den Bundesplatz geschafft, und nachdem sich alle in Reih und Glied aufgestellt haben, beginnt das Monsterkonzert. Ein bisschen ungeordnet und schräg tönt das schon, was die rund 30 Guggenmusiken da produzieren, aber so soll es sein. Kakophonie ist Trumpf an der Fasnacht. Beim Bahnhof pinkelt unterdessen einer an die Wand, während hinter ihm der Verkehr Richtung Innenstadt rollt. Es ist gerade mal halb fünf. Das Besondere an der Berner Fasnacht, so sagen Kennerinnen und Kenner, seien die ausgefallenen Kostüme. Nicht nur die der Guggenmusiken, sondern vor allem jene Verkleidungen, die der Phantasie von Einzelpersonen und Freundeskreisen entspringen. Davon ist aber weder am früheren noch am späteren Nachmittag viel zu merken, lediglich eine überlebensgrosse Zitrone flaniert durch die Lauben. Hoffnung auf mehr macht jene Frau, die auf die Frage einer Bekannten, wo denn ihr Kostüm sei, antwortet: «Hüt am Abe de.» Ein paar Stunden später hat sich das Bild in der Berner Altstadt tatsächlich gewandelt. Die Unverkleideten sind jetzt in der Minderzahl, die Bernerinnen und Berner haben sich in Fasnachtsmontur geworfen. Wer nicht wenigstens silbernen Spray im Haar trägt oder ein paar falsche Teufelshörner aufgesetzt hat, erregt fast mehr Aufsehen als all die bunten Kostüme. Biene Maja, die am Nachmittag auf des Vaters Schultern sitzend noch den Umzug bestaunt hatte, spaziert jetzt bärtig und doppelt so gross mit einem Becher Bier in der Hand die Kramgasse hoch. Und auch Spiderman, eben noch auf der Kino-Leinwand, hangelt sich durch die Gassen, während der Sensenmann gleich in dreifacher Ausführung durch die Lauben wandelt. Natürlich fehlen auch die Klassiker unter den Fasnachtskostümen nicht. Cowgirls und Indianer, Clowns und Feen und die gesamte Tierwelt sind vertreten und wippen ausgelassen zu allem, was aus den Instrumenten quillt. Auf der Kramgasse geben die Guggenmusiken auf hölzernen Bühnen ihr Repertoire zum Besten, und an den Verpflegungsständen wird eifrig Wein und Bier ausgeschenkt. Der «Bund»-Ehrenpreis für die beste Maske geht übrigens an jenes Paar, das als «Duolith» in blauen Pyjamas und mit rostbraunen Würfeln auf den Köpfen noch einmal die Expo aufleben liess. Ein Guggenmusiker, der seine «Artgenossen» sucht, stolpert die Rathausgasse hinunter. In der linken Hand hält er einen Becher Bier, im rechten Arm trägt er liebevoll, als wäre es sein Baby, das Saxofon. Beim Ratzhäxplatz findet er zwar nicht seine Mitmusiker, dafür aber eine Menge wilder Hexen, die eifrig in grossen Kesseln rühren, welche über dem Feuer dampfen. Ob das alles echte Hexen seien, fragt ein kleiner Junge etwas ängstlich. «Nein, nein», beruhigt ihn der Vater, «das ist nur Spass.» Die Zahl der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, die ihren Rausch im Berner Inselspital ausschlafen, fällt unter die ärztliche Schweigepflicht. Bei einem Augenschein gegen Mitternacht waren sie aber noch an einer Hand abzuzählen. So ist das an der Fasnacht in Bern. www.ebund.ch Christopf Kaufmann 10.03.03 Fasnächtler vertrieben den Winter Nach drei langen und lauten Nächten ist die 22. Bärner Fasnacht gestern in den frühen Morgenstunden zu Ende gegangen. Am samstäglichen Grossumzug füllten bis 80'000 Leute die Altstadtgassen. Eine Tonne wandert im Umzug mit. Auf ihr steht x-fach geschrieben: «Chappi macht glücklich.» Die Bärner Fasnacht offenbar auch. Man liess es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, am mittlerweile drittgrössten Narrentreiben in der Schweiz, nach Basel und Luzern, in irgendeiner Form beizuwohnen. «Es hat sehr, sehr viele Leute gehabt», sagt Stefan Adam vom Verein Bärner Fasnacht. 68 Gruppen zogen am Samstagnachmittag durch die Altstadtgassen Richtung Bundesplatz zum finalen Monsterkonzert. Sie kamen aus der Region Bern, Solothurn und Thun, die «Böögge Brätscher», «Chlepfschytter», «Notegrübler» oder «Bäregrabe Schränzer» und wie sie noch alle heissen. Pauken und «Täfeli» Die Gerechtigkeits- und Kramgasse waren voll gestopft. Laut Adam kamen zwischen 60'000 und 80'000 Menschen. Mit Pauken und Trompeten, mit rollenden «Küchen» und Dudelsäcken zogen die Guggen vorbei. Im Schlepptau nicht selten die närrischen Zöglinge hinterher ziehend - natürlich ins passende Kostüm gesteckt. Aktiver war die Jugend in der vordersten Reihe: Da gings weniger ums Zuschauen, als darum, möglichst viele Süssigkeiten zu ergattern. Bananen für Bush Zwischendurch öffnete sich der Blick auf die Welt der Politik. Da wurde etwa Bush junior als Kriegstreiber oder Anführer einer Bananenrepublik entlarvt. Oder es durften für fünf Franken hiesige alt Manager bespuckt werden. Aber es ging auch um handfeste Eigeninteressen: «Lärme choschtet nüt. Oder?», hiess es auf einem Transpi. Der Grund: Die Guggen sollen künftig für Urheberrechte zur Kasse gebeten werden. Ein Thema ist das liebe Geld auch für den Verein Bärner Fasnacht. Noch nie wurde mit derart grosser Kelle angerichtet. In die Bärenbefreiung und die Kinderfasnacht wurden zusammen rund 25'000 Franken mehr investiert, wie Adam erklärt. «Es freut mich, dass es funktioniert hat, denn die Kinder sind unsere neuen Fasnächtler.» Gegen 5000 Kinder stürzten sich am Freitag in die Kostüme. Möglich machte dieser Ausbau, dass Bernmobil den Fasnächtlern Kosten erlassen hat. Ob die Fasnacht verlustfrei abschliessen wird, konnte Adam gestern noch nicht sagen. Seine Bilanz fällt auf jeden Fall positiv aus: «Bern hat eine Gassenfasnacht. Und bei so schönem Wetter ist das ein Hit.» Die Fasnacht hat ihren ureigenen Zweck erfüllt: Der Winter hat dem Frühling gestern definitiv Platz gemacht. www.espace.ch Hugo Wyler Merki 10.03.03 Kinderfasnacht Himmlische Fasnacht, und dazu noch höllisch gut Stadt Bern - Wenn in der «Hölle» Grittibänze gequält werden und im «Himmel» Narren aus der Wolke 7 fallen, dann ist Kinderfasnacht Lasciate ogni speranza, voi che entrate» - lasst jede Hoffnung fahren, die ihr eintretet: Das düstere Zitat aus Dantes «Divina Commedia» am Eingang zur Münsterplattform vermochte gestern niemanden abzuschrecken: Die kleinen Fasnächtlerinnen und Fasnächtler strömten zu Hunderten nach dem Umzug in die «Hölle» auf der «Pläfe». Seis, um über rostigen, mit Glut gefüllten Tonnen Cervelats und Grittibänze zu quälen - sprich: zu bräteln -, seis, um sich eine ausgelassene Konfettischlacht zu liefern oder um Zorro zu einem Fechtduell herauszufordern. Nur Höllenfürst Luzifer fehlte: In Folge dringender Verpflichtungen in Washington habe er kurzfristig absagen müssen, wie er auf einem Plakat informierte. Er entbiete aber seine herzlichsten Grüsse. Der «Himmel» auf dem Münsterplatz lockte nicht minder: Unzählige kleine Indianer, Prinzessinnen, Bienen, Tiger, Ritter, Enten, Marienkäfer und Clowns kraxelten auf die Wolke 7, und die Engel hatten alle Hände voll zu tun, damit die Närrinnen und Narren wieder wohlbehalten aus der Wolke herausrutschten. Wers lieber etwas ruhiger hatte, begab sich in Petrus' Himmelszelt, um dort himmlische Geschichten zu hören. Und vielleicht auch, um dem Wettergott Merci zu sagen: Schliesslich zeigte er sich mit dem Bereitstellen milder Temperaturen und einigen Sonnenstrahlen ausgesprochen kinderfasnachtsfreundlich. www.ebund.ch may 10.03.03 Links Berner Fasnacht Die Fasnacht wurde in Bern nach der Einführung der Reformation 1528 offiziell verboten. So leicht liessen sich die Berner aber ihr Narrenfest nicht nehmen, konnten sie doch hinter verborgener Maske Kritik an der Obrigkeit anbringen. Trotz zahlreich erlassenen Verboten lebte die Berner Fasnacht im Stillen immer weiter. Die älteste bekannte Nachricht von der Fasnacht in der Stadt Bern stammt aus dem Jahr 1416. Die Obrigkeit schritt damals gegen vermummte Handwerksgesellen in Begleitung von Musikanten und generell gegen Verkleidete ein. weiter... Berner Volksfeste Bei der Suche nach Zeugnissen alter bernischer Festbräuche wird man fast sicher einmal zum Schluss gelangen, das Festen sei wohl nicht gerade die Stärke der alten Berner gewesen, findet man doch kaum Hinweise auf alljährlich wiederkehrende volkstümliche Veranstaltungen, dafür aber um so mehr Erlasse und Mandate einer gestrengen Regierung, mit denen Ausserungen überschäumender Lebenslust so weit wie möglich zurückgebunden wurden. weiter... Bernfest Bärnfescht 1976 18 Jahre sind es her seit dem letzten Bernfest. Das Bernfest 1976 ist mehr als ein Jahrmarkt-Vergnügen, an dem man sich von Dritten unterhalten lässt. weiter... |
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