Kadhimain-Moschee Bagdad

Basra am Schatt-Al-Arab

Samarra

Tempel von Hatra

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Republik Irak - Al-Jumhuriyah al-'Iraqiyah
Geschichte des Irak

Der Irak blickt auf eine lange Geschichte zurück. Im Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris entwickelten sich antike Hochkulturen und das arabisch-islamische Weltreich. Seit der Unabhängigkeit des Irak jedoch ist die Geschichte des Landes bestimmt von Staatsstreichen, politischen Morden und brutalen Diktatoren.

Um 3'000 vor Christus: antike Hochkulturen

In der Geschichte der Menschheit spielt die Landschaft um die beiden grossen Flüsse Euphrat und Tigris bereits in den Jahrtausenden vor dem Islam eine bedeutende Rolle. Die griechisch-römische Welt nannte diese Region Mesopotamien. Sumerer, Babylonier und Assyrer gründeten hier Weltreiche und entwickelten hochstehende Zivilisationen. Im sechsten Jahrhundert vor Christus wird Mesopotamien von den Persern besetzt. Die Sassaniden gründen ganz in der Nähe der heutigen Stadt Bagdad ihre Kapitale Ktesiphon.

7. bis 16. Jahrhundert: Kalifen und Sultane

Mit der Ausbreitung des Islam im siebten Jahrhundert und der Eroberung der Region durch die arabischen Heere wurde der Irak mit den beiden Garnisonsstädten Basra und Kufa Teil des arabisch-islamischen Weltreichs. 749/50 löste die Abbasidendynastie die der Umaiyaden ab, die von Damaskus aus regiert hatten. Mit der Gründung der neuen Hauptstadt Bagdad verschob sich das Zentrum des Weltreiches nun endgültig in den Irak. Die Herrschaft des Kalifen Harun ar-Raschid (786-809) gilt landläufig als Höhepunkt der Abbasidendynastie.

Tatsächlich befand sich die Herrschaft der Kalifen zu diesem Zeitpunkt bereits im Niedergang. Ab dem 10. Jahrhundert verlor Bagdad als geistiges, intellektuelles und politisches Zentrum immer mehr an Macht. Nach mehreren Jahrhunderten verschiedener Herrscherdynastien, unter denen die Kalifen keine politische oder militärische Macht mehr besassen, bedeutete eine Wanderungsbewegung aus dem Osten schliesslich das Ende der Stadt und der gesamten Region. 1258 eroberten und plünderten die Mongolen Bagdad und der Irak hatte seine zentrale Position in der islamischen Welt für immer verloren. Mongolische Ilkhane, Timur Lenk, verschiedene turkmenische Clans und schliesslich die Safawiden beherrschten in den folgenden Jahrhunderten den Irak.

16. Jahrhundert bis 1921: Osmanen und Briten

Die drei Provinzen Mosul, Bagdad und Basra, die das Gebiet des heutigen Irak ausmachen, standen von Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nominell unter osmanischer Herrschaft. Die Kontrolle Istanbuls über die Gebiete war jedoch auch in den folgenden Jahrhunderten sehr schwach. Immer wieder rissen örtliche Kräfte oder Mamluken-Dynastien die Macht in Bagdad an sich und erst ab 1831 begann die tatsächliche Integration der irakischen Provinzen in das osmanische Reich.

Während des ersten Weltkriegs besetzen britische Truppen die drei Provinzen und legen sie zu einem Staatsgebiet zusammen, und das obwohl die Bevölkerung dieser Regionen sowohl ethnisch (Araber-Kurden) als auch konfessionell (Sunniten-Schiiten) sehr unterschiedlich ist. 1920 wird der Irak auch formell britischem Mandat unterstellt und erhält eine Selbstverwaltung. Grossbritannien behält sich jedoch die Verteidigung des Landes und die Kontrolle der inneren Sicherheit vor.

1921 bis 1958: Selbständigkeit und Monarchie

1921 wird der Irak konstitutionelle Monarchie. Der Sohn des Scherifen von Mekka, der Haschemit Faisal wird auf Wunsch der Briten erster König. 1925 gibt es die ersten freien Wahlen. Am 3. Oktober 1932 schliesslich erhält der Irak die staatliche Unabhängigkeit und wird nach Beendigung der britischen Mandatszeit in den Völkerbund aufgenommen.

In den nachfolgenden Jahren stabilisiert sich die innenpolitische Situation jedoch nicht. Bis 1958 wechseln die Regierungen 57 Mal. Die führenden Familienclans rivalisieren um die Macht im Staat und soziale Spannungen zwischen dieser privilegierten Schicht und der Masse der besitz- und rechtlosen Bevölkerung verhindern eine Demokratie.

Die innenpolitische Situation verschärft sich, als 1933 König Faisal stirbt. Die Streitkräfte gewinnen in den folgenden Jahren immer mehr an Einfluss. Im Oktober 1936 übernimmt die Armee unter Gereral Bakr Sidqi die Macht in Bagdad. Dieser wird zwar bereits im August des darauffolgenden Jahres ermordet, die Armee bleibt fortan jedoch politisch einflussreich und ein Element der Instabilität. Im April 1941 greift die Armee erneut ein, um unter Rashid Ali Gailani pro-deutsche Politik durchzusetzen. Die Briten beenden den Aufstand jedoch.

1952 übernimmt Nasser in Kairo die Macht und wird auch im Irak als Führer der arabischen Welt gefeiert. Am 14. Juli 1958 beseitigt die Armee unter General Abd al-Karim Qasim durch einen erneuten Staatsstreich die Monarchie und ruft die Republik aus.

1963 bis 1979: Die Bath-Partei übernimmt die Macht

Im Februar 1963 kommt während eines erneuten Armeeputschs die Bath-Partei an die Macht. Es folgen Monate voller Gewalt und Brutalität. Qasim wird exekutiert, Mitglieder der Kommunistischen Partei ermordet. Im November etabliert sich ein neues Regime unter Abd as-Salam Arif.

Im Juli 1968 übernimmt dann endgültig die Bath-Partei unter Führung von General Ahmad Hasan al-Bakr die Macht in Bagdad. Die Gedanken des Sozialismus bilden die Grundlagen der Wirtschaft. Stellvertretender Generalsekretär der Arabischen Sozialistischen Bath-Partei (ASBP) wird der junge Saddam Hussein at-Takriti.

Wieder geht das Regime brutal gegen ehemalige Beamte, Nasseristen, Kommunisten und Offiziere vor. In Schauprozessen, zum Teil im Fernsehen übertragen, werden zahlreiche Personen zum Tode verurteilt, im Januar 1969 werden 14 Menschen öffentlich gehängt.

Um über die Höhe der Erdölförderung und die Einnahmen bestimmen zu können, wird im Juni 1972 die britische IPC (Iraq Petroleum Company) verstaatlicht. 1973 bis 1978 verzehnfachen sich so die Öleinnahmen des Staates, industrielle und öffentliche Projekte können grosszügig finanziert werden. So beginnt beispielsweise im Mai 1978 eine grossangelegte Kampagne gegen das Analphabetentum.

Im Juli 1979 muss al-Bakr aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten und Saddam Hussein übernimmt die Führung der ASBP und des gesamten Staates. Er vereinigt in sich nun die Ämter des Staatspräsidenten, des Oberkommandierenden der Streitkräfte, des Generalsekretärs der Partei und des Vorsitzenden des Revolutionsrates.

1980 bis 1991: Die Golfkriege

Im September 1980 beginnt der erste Golfkrieg mit Angriffen des Iraks auf den Iran. Der erwartete schnelle Sieg stellt sich jedoch nicht ein. 1984 wendet sich das Kräfteverhältnis schliesslich zu Gunsten des Irak, nicht zuletzt durch Hilfen der USA und der UdSSR, die offiziell jedoch neutral bleiben. Der Krieg dauert bis August 1988 an.

Im September des Jahres 1988 startet Hussein einen Feldzug gegen Kurden, die den Iran unterstützt hatten. Hunderte sterben durch Giftgas. Der Irak hatte sich während des Krieges hoch verschuldet, wesentliche Industrieanlagen waren zerstört. Militärisch geht der Irak gestärkt aus dem Krieg hervor. Auch die Position Saddam Husseins ist nach diesem Krieg konsolidiert.

Im Juli 1990 wählt das Parlament Hussein zum Präsidenten auf Lebenszeit. Der Irak verlangt von den Nachbarstaaten, seine Schulden zu streichen und die OPEC-Ölförderungsquoten zu ändern. Nachdem die Nachbarn sich geweigert hatten, besetzt der Irak am 2. August Kuwait und erklärt das Land zur 19. irakischen Provinz.

Am 17. Januar 1991 beginnt der zweite Golfkrieg durch die Alliierten unter Führung der USA mit Luftangriffen, denen Ende Februar die Bodenoffensive folgt. Nach dem Waffenstillstand am 28. Februar werden im März Aufstände der Schiiten, rebellierender Soldaten in Basra und der Kurden im Norden von Regierungstruppen niedergeschlagen.

Die Waffenstillstandsresolution vom 3. April enthält unter anderem die Auflage, alle Massenvernichtungswaffen zu beseitigen. Flugverbote für irakische Maschinen zum Schutz von Schiiten und Kurden werden erlassen.

1991 bis 2002: Embargo und Rüstungsinspektionen

Im Mai 1991 erfolgt die Gründung einer UN-Kommission für die Abrüstung des Irak (UNSCOM). Erneute Übergriffe auf Kuwait lösen im Januar 1993 weitere Militärschläge der Alliierten aus.

Zwei Schwiegersöhne Husseins fliehen im August 1995 mit ihren Familien nach Jordanien. Im März des folgenden Jahres werden sie nach ihrer Rückkehr ermordet.

Das UNO-Programm Öl für Lebensmittel tritt im Dezember 1996 in Kraft. Danach darf die irakische Regierung in begrenztem Umfang Öl exportieren, um dafür humanitäre Güter zu kaufen.

Im Juni 1997 plant der Weltsicherheitsrat eine Verschärfung der wirtschaftlichen Sanktionen, solange der Irak UN-Inspektionen irakischer Militäranlagen verhindert. Immer wieder blockiert der Irak die Arbeit der UN-Inspekteure, um kurze Zeit später wieder einzulenken. Die Inspekteure verlassen schliesslich am 16. Dezember 1998 den Irak.

Am gleichen Tag beginnt die so genannte Operation Wüstenfuchs: amerikanische Luftangriffe mit britischer Unterstützung gegen den Einspruch Frankreichs, Chinas und Russlands. Am 20. Dezember beendet Clinton die Angriffe; Saddam erklärt den Irak zum Sieger.

Die Inspektionskommission UNMOVIC nimmt unter Hans Blix am 17. Dezember 1999 ihre Arbeit auf. Saddam Hussein begrüsst die Terrorangriffe am 11. September 2001. Im November wird das Öl-für-Lebensmittel-Programm um sechs Monate verlängert. Das Programm gilt bis heute, zuletzt wurde es im Dezember 2002 um ein halbes Jahr verlängert.

Am 8. Dezember 2002 übergibt der Irak eine zwölftausend Seiten umfassende Dokumentation über seine Waffensysteme an die UN.

QUELLEN Bernard Lewis: Stern, Kreuz und Halbmond. 2000 Jahre Geschichte des Nahen Ostens. Piper, München, 1997 / Marion Farouk-Sluglett und Peter Sluglett: Der Irak seit 1958. Von der Revolution zur Diktatur. Suhrkamp, Frankfurt, 1990 / Die Internetseite des Auswärtigen Amtes TEXT Dipl. Orient. Saskia Delbrügge / Matthias Stolz

Daten und Fakten

Die beiden Golfkriege und das Embargo haben das Leben der Iraker sehr verändert. Dem Kreis um den Präsidenten Saddam Hussein mangelt es an nichts, im Volk hingegen sterben täglich Kinder, weil sie nicht ausreichend medizinisch versorgt und nicht genügend ernährt sind.

Ethnische und religiöse Minderheiten

Von den mehr als 23 Millionen Einwohnern des Irak sind rund drei Viertel Araber und etwa ein Fünftel sind Kurden. Kurdisch gilt in den autonomen Gebieten im Norden als Amtssprache. Daneben gibt es Minderheiten wie Turkmenen (zwei bis drei Prozent), Assyrer, Armenier und Iraner. 95 Prozent der Iraker sind Muslime, davon gut die Hälfte Schiiten. Die Sunniten, eine Minderheit, sind vor allem Kurden und Araber. Die regierende sunnitisch-arabische Führungsschicht gehört somit zu einer Minderheit im Land.

Weitere religiöse Gruppen bilden mit etwa 3,5 Prozent die Christen, die in zahlreiche Konfessionen und Sekten zerfallen, sowie Juden, Bahais, Jezidis und Mandäer. Rund drei Viertel der irakischen Bevölkerung leben in den Städten. Am dichtesten besiedelt ist die Region um Bagdad (etwa fünf Millionen Einwohner). 42 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Die Männer werden durchschnittlich 60 Jahre alt, die Frauen 62 Jahre.

Politisches System

Seit 1980 ist der Irak eine Präsidialrepublik. Die Nationalversammlung setzt sich aus 250 Abgeordneten zusammen, wird alle vier Jahre gewählt und hat nur beratende Funktion. Das höchste Machtorgan ist der Revolutionäre Kommandorat (RKK), der exekutive und legislative Gewalt ausübt. Saddam Hussein vereinigt in sich die Ämter des Staatspräsidenten, des Vorsitzenden des RKK, des Ministerpräsidenten und des Oberkommandierenden der Streitkräfte. Neben der Bath-Partei sind noch zwei regierungsabhängige, kurdische Parteien zugelassen.

Saddam unterdrückt jegliche Opposition im Land brutal. Selbst die Kurden im weitgehend autonomen Norden wagen keine offene Konfrontation. Viele oppositionelle Gruppen arbeiten im Exil, insbesondere in Jordanien, Syrien, Iran und Grossbritannien.

Wirtschaft

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist der Irak von den Öleinnahmen abhängig. Er verfügt über die zweitgrössten Ölvorkommen der Welt, nämlich 12 Prozent aller bekannten Ölreserven. Diese Reserven sind jedoch noch längst nicht alle erschlossen.

Das Bruttosozialprodukt betrug 2000 rund 31 Milliarden Dollar, davon rund 17 Milliarden Dollar an Öl-Exporten im Rahmen des so genannten Oil-for-food-Programms. Vor 1990 hatte die Ausfuhrquote noch 80 Milliarden Dollar betragen. Gesicherte Daten sind laut Auswärtigem Amt jedoch derzeit nicht verfügbar.

Nach irakischen Angaben stellt sich die Struktur des Bruttoinlandsproduktes (BIP) wie folgt dar: Mit Erdöl erwirtschaftet das Land 45 Prozent des BIP, in der Landwirtschaft 20 Prozent, in der Industrie 7 Prozent, durch Dienstleistungen 28 Prozent. Die Auslastung der Industriekapazitäten beträgt zur Zeit nur etwa 12 Prozent. Nach inoffiziellen Angaben belaufen sich die Auslandsschulden des Irak auf etwa 130 bis 140 Milliarden Dollar.

Bildung

Die Analphabetenrate der Männer beträgt 34 Prozent, die der Frauen liegt bei 45 Prozent. Zwar werden vier Fünftel aller Kinder eingeschult. Laut UNICEF können es sich viele Eltern jedoch nicht erlauben, ihren Kindern einen regelmässigen Schulbesuch zu finanzieren.

Gesundheit

In den Sektoren Gesundheit und Ernährung werden die Folgen des UN-Embargos besonders deutlich. Nach Angaben von UNICEF sind in den letzten zehn Jahren 500'000 Kinder aufgrund der Blockade gestorben. Wesentlich mehr noch bleiben in ihrer körperlichen Entwicklung zurück oder erleiden chronische Schäden. Die Kindersterblichkeit hat sich seit 1990 versechsfacht. Ein Drittel der irakischen Kinder leidet an Unterernährung und Untergewicht. Etwa 250 Menschen sterben täglich im Irak an den Folgen der Unterversorgung.

QUELLEN Jahrbuch Spiegel online, Auswärtiges Amt, AG Friedensforschung der Universität Kassel TEXT Dipl. Orient. Saskia Delbrügge / Matthias Stolz

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Landesnatur

Im Norden und östlich des Tigris steigt das Land stufenförmig zum kurdischen Bergland und zu den iranischen Randgebirgen an. Im Westen und Südwesten erstreckt sich ein leicht welliges Tafelland, meist Wüste oder Wüstensteppe. Die Kernlandschaft, das eigentliche Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris, wirtschaftlich bedeutend und dicht besiedelt, reicht etwa von Bagdad bis zum Persischen Golf. Irak hat ein sommerheisses und wintermildes Klima mit Niederschlägen fast nur im Winter. Der Westen und Süden haben Anteil am vorderasiatischen Wüstenklima.

Bevölkerung

Die zu 95% islamische Bevölkerung (2/3 Schiiten, 1/3 Sunniten; Anteil der Christen 4%) besteht zu 80% aus Irakern (Araber), 15% Kurden und 2% Türken, ausserdem Persern und anderen kleinen Volksgruppen. Staatssprache ist Arabisch; gebräuchlich sind auch die Umgangssprachen der anderen Volksgruppen, vor allem das Kurdische. Das Bildungswesen wurde seit 1958 stark ausgebaut; es gibt 6 Universitäten. Die Analphabetenquote lag 1998 jedoch noch bei 46%.

Wirtschaft und Verkehr

Die Landwirtschaft ist Lebensgrundlage nur noch für 11% der Bewohner und liefert Datteln (für den Export), Weizen, Gerste, Reis, Baumwolle, Tabak, Obst u. a. überwiegend mit Hilfe künstlicher Bewässerung. Die Viehzucht (Schafe, Ziegen, Rinder, Kamele, Esel) hat nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Entscheidendes Exportprodukt ist mit über 95% des Ausfuhrwerts das Erdöl. Mit über 13 Mrd. t sicherer Reserven gehört Irak zu den erdölreichsten Ländern der Welt; zunehmend wird auch Erdgas erbohrt. Irak hat sichere Reserven von 3107 Mrd. m3. Die erst im Aufbau befindliche Industrie verarbeitet vorwiegend Erdöl und landwirtschaftliche Produkte; ausserdem Zement-, Bau- und Textilindustrie. Daneben treten neue Zweige wie die Petrochemie, Kunstdüngerproduktion, Maschinen- und Fahrzeugbau und die Stahlerzeugung. Die beiden wichtigsten Industriestandorte sind Bagdad und Basrah. Die Energiewirtschaft verfügt neben den Wärmekraftwerken auf Erdölbasis noch über sechs grosse Stauanlagen am Tigris und seinen Zuflüssen. Infolge des 2. Golfkriegs, in dem vor allem chemische Fabriken, Kraftwerke, aber auch die Infrastruktur des Landes zerstört wurden, ist die Wirtschaft zum Erliegen gekommen. Die hohen Wiederaufbaukosten und die Reparationszahlungen belasten die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Ausserdem besteht seit 1990 ein UN-Wirtschaftsembargo gegen Irak.

Mittelpunkt des Verkehrsnetzes ist Bagdad. Die 3 wichtigsten Bahnlinien (nach Basrah und Umm-Qasr, nach Kirkuk und Arbil, nach Mosul und Aleppo) nehmen ihren Ausgang von Bagdad. Es gibt rund 46'000 km Strassen. Haupthandelshäfen sind Basrah und Fao, Ölexporthäfen Khor Al Amamiya und Minah Al Bakr. Die Binnenschifffahrt nutzt den 1992 eröffneten Tigris-Kanal. Internationale Flughäfen haben Bagdad und Basrah.

Geschichte

Im 4. Jahrtausend v. Chr. war Irak von den Sumerern bewohnt. Die semitischen Akkader (seit dem 3. Jahrtausend) gründeten die Reiche Babylonien und Assyrien. Nachdem Kyros II. 539 v. Chr. Babylonien erobert hatte, gehörte das Land zum Perserreich. Unter den Sassaniden (227-642) lag die Hauptstadt des Reichs, Ktesiphon, in Irak. Dann eroberten die islamischen Araber das Land; 750 machten es die Abbasiden-Kalifen zur Zentralprovinz des Islamischen Reichs und erhoben 762 Bagdad zur Residenz. Nach der Eroberung durch die Mongolen (Ilchane) 1258 wurde das Bewässerungssystem vernachlässigt, und es trat z. T. Versteppung auf. 1534 eroberten die Türken Bagdad und konnten 1638 ganz Irak dem Türkischen Reich angliedern.

Im 1. Weltkrieg besetzten britische Truppen gegen den Widerstand türkischer und deutscher Truppen das Land; 1921 wurde es britisches Mandatsgebiet. Durch den Vertrag vom 30. 6. 1930 wurde Irak nominell selbständig, doch blieb die britische Oberhoheit bestehen. Auf Faisal I. folgte 1933-1939 sein Sohn Ghasi I., diesem folgte der noch minderjährige Faisal II., bis 1953 unter der Vormundschaft seines Onkels Abd Al Ilah. Die englandfreundliche Regierung Nuri As Saids wurde 1952 gestürzt; 1954 kam Nuri As Said erneut zur Macht und löste die Parteien auf. 1955 erhielt Irak die volle Souveränität. Ein Beistandspakt (im Rahmen des Bagdad-Pakts) gab Grossbritannien das Recht, Militärstützpunkte zu unterhalten.

In der Revolution von 1958 kamen der König, der Kronprinz und der Ministerpräsident Nuri As Said ums Leben. Die unter General Abd Al Karim Kassem gebildete Regierung schloss 1958 einen Beistandspakt mit der Vereinigten Arabischen Republik (VAR), trat 1959 aus dem Bagdad-Pakt aus und bezog Militär- und Wirtschaftshilfe aus der Sowjetunion. 1960 wurde eine beschränkte Betätigung der politischen Parteien zugelassen. Im Frühjahr 1961 versuchten die Kurden, ihre Forderung nach Autonomie mit einem Aufstand durchzusetzen, der sich zu einem für die irakische Armee wenig erfolgreichen Kleinkrieg auswuchs.

Ein Offiziersputsch machte A. As Salam Aref 1963 (bis 1966) zum Staatspräsidenten. Die neue Regierung unter seinem Bruder Abd Ar Rahman Aref (1966-1968) bemühte sich um engere Zusammenarbeit mit Syrien und Ägypten. 1968-1979 war H. Al Bakr Staatspräsident, der eine besonders israelfeindliche Politik einschlug. Die (nichtarabischen) Kurden forderten Autonomie innerhalb Iraks und unternahmen mehrmals Aufstände; 1975 wurden sie niedergeworfen. Im gleichen Jahr schloss Irak mit Iran ein Abkommen über die bis dahin strittige Grenzregelung am Shatt Al Arab. Nach der iranischen Revolution von 1979 verschlechterten sich die Beziehungen wieder.

1980 erklärte Präsident S. Hussein (seit 1979) den Vertrag für ungültig und griff Iran militärisch an. Daraus entwickelte sich der (1.) Golfkrieg, der erst am 20. 8. 1988 mit einem Waffenstillstand beendet wurde. 1990 annektierte Irak Kuwait. Daraufhin verhängte die UNO Wirtschaftssanktionen gegen Irak. Die USA und andere Länder entsandten Truppen in das Krisengebiet.

Am 17. 1. 1991 begann die militärische Auseinandersetzung (2. Golfkrieg), die am 28. 2. 1991 mit einer völligen irakischen Niederlage endete. Irak musste sich verpflichten, alle von der UNO beschlossenen Resolutionen (u. a. Rückzug aus Kuwait, Reparationen, Verzicht auf ABC-Waffen) zu erfüllen. Aufstände schiitischer und kurdischer Widerstandsgruppen konnte das regimetreue Militär niederschlagen. Es kam zu einer Flüchtlingskatastrophe. Um die Sicherheit der Kurden und Schiiten zu gewährleisten, errichteten die Alliierten im Norden und Süden des Iraks Schutz- bzw. Flugverbotszonen. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes verstärkten sich durch die anhaltenden Sanktionen der UNO dramatisch. Trotzdem gelang es Saddam Hussein, jegliche Opposition zu unterdrücken und seine Machtstellung zu behaupten. Im November 1994 erkannte Irak die Souveränität Kuwaits in den von der UNO festgelegten Grenzen an. Saddam Hussein liess sich 1995 per Referendum für weitere 7 Jahre in seinem Amt als Staatspräsident bestätigen. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Spannungen mit den von der UNO entsandten Waffeninspekteuren u. der irak. Regierung. Mehrfach führten US-amerikanische u. britische Streitkräfte Luftangriffe gegen irakische Ziele durch, um Verstösse gegen die UN-Massnahmen zu ahnden. 2002 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat auf Drängen der USA eine neue, verschärfte Resolution zur Durchführung von Waffeninspektionen im Irak.

Politik und Verfassung

Nach der als provisorisch bezeichneten Verfassung von 1968 (verkündet am 16. 7. 1970) ist Irak eine volksdemokrat. präsidiale Republik, die sozialistisch ausgerichtet ist. Neben allgemeinen Grundrechten ist in der Verfassung der Islam als Staatsreligion festgelegt. Höchstes polit. Organ ist der Kommandorat der Revolution. Er wählt den Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Vorsitzender des Rats u. Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Der Kommandorat bildet zusammen mit der Nationalversammlung (250 Abg.) die Legislative. Die Baath-Partei ist die bestimmende polit. Kraft des Landes. Generalsekretär ist Saddam Hussein. Die irak. Kurden werden von der Kurdischen Demokratischen Partei u. der Patriot. Union Kurdistans repräsentiert.

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