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Republik Irak - Al-Jumhuriyah al-'Iraqiyah
Irak - Mesopotamien Mesopotamien (griechisch Land zwischen den Strömen), die Grosslandschaft zwischen den gewaltigen, träge dahinfliessenden Flüssen Tigris und Euphrat, liegt im Nahen Osten. Diese für Touristen zunächst nicht sonderlich interessante aride, von der Sonne ausgedörrte Region war Schauplatz eines der möglicherweise bedeutendsten Ereignisse der Weltgeschichte: der Entstehung der ersten Städte. Im Frühjahr lässt die Schneeschmelze im Hochland von Iran Euphrat und Tigris über die Ufer treten. Das Marschland im südlichen Irak ist das Resultat der jahrhundertelangen, von den beiden historischen Flüssen verursachten Überschwemmungen. Vor mehr als 8000 Jahren wanderten hellhäutige, dunkelhaarige Menschen von den iranischen Ebenen ein und liessen sich im äussersten Süden nieder. Dort errichteten sie Schilfgrashütten, bauten Kanus und lebten vom Fischfang. Dies war das Volk der Sumerer. Sie fanden ihre erste Heimat in der Deltaregion des Shatt Al Arab, einer bedeutenden Schifffahrtsstrasse, die am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris oberhalb von Basrah beginnt. Dieses Marschland hat eine Fläche von 15 500 km² und ist damals wie heute eine permanente Moorlandschaft, deren Vegetation hauptsächlich aus einem Schilfgras besteht, das qasab genannt wird und bis zu 7,6 m hoch werden kann. Die saisonalen Sumpfgebiete der Region, die im Herbst und Winter trockenfallen, sind mit Binsen bewachsen. Die Überschwemmungen des Frühjahrs erreichen Wüstengebiete, die mehr als 320 km entfernt sind. In den Sumpfgebieten errichteten die Sumerer zunächst Pfahlhäuser. Bald lernten sie jedoch Bewässerungsgräben und -kanäle zu bauen, mit denen sie Wasser in Gebiete in grösserer Entfernung der Flussläufe leiten konnten. Die Errichtung komplexer Bewässerungssysteme setzte die Zusammenarbeit von Menschen in grösseren Gemeinschaften voraus und die Arbeitsteilung bedeutete, dass ein gewisser Grad der Spezialisierung erreicht wurde. Reiche Ernten befreiten viele Sumerer von der Arbeit in der Landwirtschaft und ermöglichten die Entwicklung neuer Technologien. So entwickelten Astronomen einen zuverlässigen Kalender und die Töpferscheibe sowie - die wohl wichtigste Leistung - die Schrift wurden erfunden. Um 3000 v. Chr. gab es mehr als ein Dutzend blühender sumerischer Städte mit jeweils mehreren Tausend Einwohnern. 500 Jahre später lebten 80 % der nun etwa 500'000 Sumerer in Städten. Kriege zwischen den Stadtstaaten führten jedoch schliesslich zum Untergang der sumerischen Hochkultur. Vor über 4000 Jahren, nach jahrhundertelangen Kämpfen zwischen den Städten, drangen semitische Nomaden, die Akkader, in Mesopotamien ein. Sie überrannten die alten sumerischen Stadtstaaten und errichteten ihre Hauptstadt Babylon. Das Land wurde 728 v. Chr. von den Assyrern und zwei Jahrhunderte später von den Persern erobert. Die Dynastie der Abbasiden verlegte im 8. Jahrhundert n. Chr. die muslimische Hauptstadt von Damaskus an den Tigris, nach Bagdad. Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen ein. Ihre unbesiegbaren Armeen zerschmetterten die Abbasiden und zerstörten Bagdad. Die jahrhundertealten Bewässerungssysteme verfielen und das grosse Binnendelta versumpfte. Regionen, die vormals durch intensive Bewirtschaftung und eine berühmte städtische Kultur gekennzeichnet waren, verödeten und wurden von arabischen Nomaden als Viehweiden genutzt. Die Sümpfe waren im Verlauf der Geschichte ein Ort gewesen, an dem viele Menschen auf der Flucht vor ihren Feinden Schutz suchten. Nun wurden sie zum Bollwerk der Zanj. Als Sklaven hatten die Angehörigen dieses Volks einst die Sümpfe um Basrah trockengelegt. Im 14. Jahrhundert retteten die Bani-Malik-Stämme den Sohn eines ihrer Wohltäter und gewährten ihm Obdach. Als er erwachsen war, kehrte er an den Euphrat zurück, besiegte seine Feinde und gründete das grosse Stammesbündnis, das sich unter den Osmanen zu einem selbständigen Staat entwickelte. In unserer Zeit haben die Schriften des englischen Reisenden Wilfred Thesiger zur Berühmtheit des Marschlandes beigetragen. Als Freund eines lokalen Häuptlings kam er bei seinem ersten Besuch mit einem Kriegskanu in die Sümpfe. Seine Eindrücke hat er in bewegenden Worten beschrieben: den Ruf der Gänse, die sich in einem feierlichen Zug bewegenden Kanus, die hinter dem Rauch brennenden Schilfs untergehende Sonne, die schmalen Wasserwege, die sich durch die Sümpfe schlängeln. Er erinnert sich an die Schilfgrashütten, die schwarzen, triefend nassen Büffel, das Spiegelbild des Sternenhimmels im dunklen Wasser, an die Kanus, die abends nach Hause kommen die Stille einer Welt, die keine Motoren kennt. Bis heute hat sich hier wenig verändert. www.wissen.de |
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