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Republik Irak - Al-Jumhuriyah al-'Iraqiyah
Irak - Die Kurden

Kurdistan erscheint auf vielen Landkarten, stellt jedoch trotz der in Aserbaidschan und im westlichen Iran existierenden Provinzen dieses Namens keine politische Einheit dar. Sogar das geographische Gebiet ist nicht exakt definiert. Kurdistan ist eine aus ausgedehnten Gebirgen und Hochebenen bestehende Region, die sich von den Ketten des Pontischen Gebirges und des Taurus an Aserbaidschan und Armenien angrenzend durch den Nordosten Syriens und Iraks bis zum Sagrosgebirge im nordwestlichen Iran erstreckt. Dies ist der Lebensraum der Kurden, eines stolzen freiheitsliebenden Volkes von Ackerbauern und Viehhirten. Ihre kriegerischen Traditionen sind jahrhundertealt. Der Kampf der Kurden für einen unabhängigen kurdischen Staat scheiterte bis heute an den gegensätzlichen Interessen der umgebenden Staaten wie auch an der Uneinigkeit der Kurden selbst.

Das Volk der Kurden ist ebenso schwer zu beschreiben wie ihr Territorium. Die Wissenschaftler sind der Meinung, dass sie von einem kriegerischen mesopotamischen Volk des Altertums, den Guti (Gutäern), abstammen, das um 3000 v. Chr. vom Sagrosgebirge aus in Babylonien einfiel. Der griechische Historiker Xenophon beschrieb den Angriff eines wilden Bergstammes auf ein griechisches Söldnerheer, der 401-400 v. Chr. stattfand. Xenophon nannte dieses Volk Kardukai (Kadschuken). Dies waren wohl die Vorfahren der heutigen Kurden. Auch die Bevölkerungsschätzungen differieren. Offizielle Volkszählungen aus der Mitte der 1960er Jahre sprechen von etwa 7 Millionen Kurden, gegenwärtige Schätzungen gehen von einer Bevölkerung von 22-25 Millionen aus. Nach allgemeiner Übereinstimmung leben etwa die Hälfte der Kurden in der Südosttürkei. In Iran leben über 4 Millionen Kurden (über 8 % der Bevölkerung des Landes), während die kurdische Bevölkerung in Irak mit über 3 Millionen einem Anteil von 15 % an der Gesamtbevölkerung entspricht. Nach Arabern, Türken und Persern sind die Kurden die viertgrösste Gruppe im Nahen Osten.

Aus vielerlei Gründen besteht eine Trennlinie zwischen den Kurden und den übrigen Bewohnern der Staaten, an denen Kurdistan Anteil hat: den Türken, den Aseri, Armeniern, Arabern (Irakern und Syrern) und Persern (Iranern). Ihre kantigen Gesichtszüge, ihre häufig helle Haut- und blaue Augenfarbe unterscheiden sie von ihren Nachbarn. Das Kurdische ist, obwohl es vieles mit dem Persischen gemeinsam hat, eine eigenständige Sprache. Die meisten Iraner sind schiitische Moslems und in Irak sind die Schiiten in der Mehrheit. In diesen Staaten bildet die Zugehörigkeit der meisten Kurden zur sunnitischen Richtung des Islam eine weitere Ursache für die Entfremdung von ihren Landsleuten. Auch in der Türkei bestehen gravierende Probleme mit der kurdischen Minderheit. Obwohl Kurden in beträchtlicher Zahl in den Gebieten um die Städte Van, Diyarbakir und Mardin leben, erkennt die türkische Regierung sie nicht als eigenständige linguistische und kulturelle Gruppe an.

Auch ihre traditionelle Lebensweise unterscheidet die Kurden, wenn sie nicht in grossen Städten wie Istanbul leben, von der übrigen Bevölkerung. Heute noch sind einige von ihnen halbnomadische Hirten, die in Zelten leben und mit ihren Herden im Sommer in die iranischen Hochländer und im Winter in die Ebenen des Irak wandern. Viele andere leben als Ackerbauern in kleinen Gemeinden. Die diesen Gemeinschaften vorstehenden aga (Scheichs) sind die religiösen und weltlichen Autoritäten. Wenig modernes Gerät wird verwendet - das Land wird mit von Ochsen gezogenen Holzpflügen bearbeitet. Glanz wird den aus Lehmziegeln gemauerten, spärlich möblierten Häusern durch die berühmten von kurdischen Kunsthandwerkern geknüpften Teppiche verliehen.

Kurdische Frauen geniessen erheblich mehr Freiheiten als ihre Geschlechtsgenossinnen in den meisten anderen islamischen Gesellschaften. Sie tragen keinen Schleier und nehmen zum Teil hohe Stammes- und politische Ämter ein. Mit einer zehn Jahrhunderte zurückreichenden Tradition geschriebener Literatur räumen die Kurden der Bildung einen hohen Stellenwert ein. In den vorhandenen Schulen werden Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet.

Der Kampf der Kurden um Unabhängigkeit

Im 20. Jahrhundert zogen Kurden in Städte wie Kermanshah (Iran), Kirkuk und Mosul (Irak) oder Diyarbakir (Türkei). Dort traten viele in kurdischsprachigen Zeitungen und Radiostationen für die kurdische Autonomie ein. Diese Bestrebungen wurden u.a. durch den Friedensvertrag von Sèvres (1920) zwischen den Alliierten und der Türkei, der ein unabhängiges Kurdistan in Aussicht stellte, unterstützt. Das Versäumnis der Alliierten, dieses Versprechen einzulösen, führte zu kurdischen Aufständen in der Türkei (1922-1924), in Iran (1930) und in Irak.

Trotz vereinzelter Gefechte in Iran, und von syrischen Stützpunkten aus geführten Vorstössen kurdischer Guerillagruppen in die Türkei, konzentriert sich der kurdische Unabhängigkeitskampf auf den Irak. 1961 griffen die Kurden unter der Führung des charismatischen Mustafa Al Barzani (1903-1979), der als Nachfolger des kurdischen Kriegshelden Saladin - der im 12. Jahrhundert die Kreuzritter besiegte - gefeiert wurde, zu den Waffen. In einem Waffenstillstandsabkommen sicherte der Irak den Kurden die Unabhängigkeit zu. Die Einhaltung der Vereinbarung wurde jedoch 1975 durch die Kontroverse um Ölrechte an den ergiebigen, in der Heimat der Kurden liegenden Erdölfördergebieten vereitelt. Unfähig, der kurdischen Kämpfe Herr zu werden, setzten die Iraker sogar chemische Kampfstoffe gegen deren Bergfestungen ein. Tausende von Kurden haben in der Türkei Schutz gesucht, wo sie in primitiven Lagern untergebracht waren. Die Kurden setzen den Kampf für ihre nationale Einheit gegen eine überwältigende Übermacht weiterhin fort.

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