Karte vom Irak

Hatra

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Republik Irak - Al-Jumhuriyah al-'Iraqiyah
Irak - UNESCO-Kulturerbe Hatra

Ruinen der Partherstadt Hatra

Die alte arabische Stadt Hatra am Wadi Tharthar liegt 27 km westlich der Autobahn Bagdad - Mossul und 80 km südlich von Mossul. Hatra war, was Architektur, Skulptur, Metallarbeiten und Kriegskünste betraf, nicht weniger entwickelt als Rom. Es was ein weiteres Glied in der Kette der grossen arabischen Städte, wie Palmyra in Syrien, Petra in Jordanien und Baalbek im Libanon.

Hatra, eine Königsstadt der Parther entstand im 3. Jahrhundert v. Chr. In der Stadt wohnten einst rund 50'000-60'000 Menschen, die vom Handel lebten, da durch Hatra alte Karawanenstrassen führten. Wasser musste durch eine Kanalisation von weit her herangeschafft werden. Vermutlich hatten Sicherheitsgründe und die Befestigungsmöglichkeiten den Standort der Stadt bestimmt. In der Tat hat die Stadt vielen Angriffen widerstanden. Die Stadt war von einem äusseren Erdwall und von einer inneren, starken Stadtmauer geschützt, die vier Eingänge hatte, und bei der sich auf der Innenseite ein 6 m tiefer und 10 m breiter Stadtgraben befand. Im Innenbereich liegen die Tempel, die permanent restauriert werden (Es bleibt noch viel zu tun!). Es wurden hier in vorislamischer Zeit verschiedene Götter angebetet, darunter auch die Venus. Die heiligen Tiere waren das Kamel und der Adler, der die Verbindung zum Sonnengott herstellte.

Vor der Gründung des Königreiches um 156 n. Chr. wurde Hatra von arabishen Führern, die sowohl religiöse als auch weltliche Autorität hatten, beherrscht. Bekannt war Nasr, der Vater der beiden ersten Könige von Hatra: Ljash und Sanatruq. Des letzeren Sohn, Abd Samia, folgte von 190-200, dessen Nachfolge Sanatruq II. (200-241) antrat, der der letzte arabische König der Stadt war.

Im Golfkrieg wurde auch das UNESCO-Kulturerbe Hatra betroffen. Tiefflieger und Bombeneinschläge in der Nähe haben die Stätte erschüttert und zu Rissen im Mauerwerk geführt. Das Selbstbewusstsein des irakischen Volkes gründet sich vor allem auf dessen langer Geschichte; daher ist die Beschädigung des Kulturerbes auch ein gezielter Schlag gegen das Selbstbewusstsein der Irakis.

Justification for Inscription:
Report of the 9th Session of the Committee
Brief description: A large fortified city under the influence of the Parthian Empire and capital of the first Arab Kingdom, Hatra withstood invasions by the Romans in A.D. 116 and 198 thanks to its high, thick walls reinforced by towers. The remains of the city, especially the temples where Hellenistic and Roman architecture blend with Eastern decorative features, attest to the greatness of its civilization.



Unter den Schwingen des göttlichen Adlers

Das Lockenhaar des bärtigen Mannes quillt unter einer Kopfbinde hervor, die von einem Adler bekrönt ist. Die rechte Hand ist zum Gruss erhoben, und das enge Obergewand ist mit geschwungenen Rauten und Kreisen verziert. Diese Skulptur, die sich heute im irakischen Nationalmuseum in Bagdad befindet, stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und stellt König Sanatruq I. dar, einen der Herren von Hatra.

Zwischen Euphrat und Tigris - im Norden Mesopotamiens - gelegen, war Hatra Karawanenstadt und Kultzentrum zugleich. Dank des Wassers, das ein nahes Wadi saisonal führte, war ein Leben inmitten der flachen Wüstensteppe möglich. Anders als die grossen Stadtzentren Mesopotamiens, ob Babylon oder Ur, war Hatra keine Stätte des frühen orientalischen Altertums. Seine Blütezeit begann erst am Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christus, als in Nordmesopotamien ein Machtvakuum zwischen den Grossreichen Parthien und Rom entstanden war. In diesem politischen Freiraum behauptete Hatra für mehr als ein Jahrhundert seine Eigenständigkeit, ehe die Stadt 235 eine römische Garnison erhielt. Mehrfach zuvor, so 116 und 198, hatte die Stadt römischen Belagerungen getrotzt. Dies geschah unter Einsatz des Hatrenischen Feuers, einer brennenden Mischung aus Bitumen und Schwefel, die auf die Angreifer gegossen wurde. Nachdem Hatra in der Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts durch ein Heer des sassanidischen Grossreiches erobert und zerstört worden war, wurde die einst wehrhafte Stadt nie wieder aufgebaut.

Die Blütezeit der Stadt begann mit der Regentschaft eines gewissen Mannuq, der als Herr der Grenzland-Araber bezeichnet wurde, und endete mit Abed-Samia. Sanatruq I., der in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts die Geschicke Hatras lenkte, war der erste Hatrener, der sich König der Araber, der Siegreiche nennen liess.

Kulturell gehört die eigentümliche Wüstenstadt in den noch wenig erforschten Kreis des so genannten hellenisierten Orients, der nach der griechischen Landnahme unter Alexander dem Grossen und seinen Nachfolgern entstand. Dass sich Hatra mehr auf das östliche Erbe als auf die griechische Kultur bezog, belegen die zahlreichen in der Ruinenstadt gefundenen Inschriften, die in aramäischer Schrift - in der Reichssprache des durch Alexander den Grossen niedergerungenen Perserreiches - niedergelegt worden sind.

Der Aufbau der Stadt lässt sich am besten aus der Luft erkennen: Eine nahezu kreisförmige Stadtmauer von knapp sechs Kilometer Länge, errichtet aus Lehmziegeln, wurde durch Türme gesichert und von vier Toren durchbrochen. Innen schlossen sich an den Mauerring die Wohnbezirke mit orientalischem Gassengewirr an. Das Zentrum der Stadtanlage bildet - umfriedet von einer Mauer und gegliedert in einen Vor- und einen Haupthof - das Heiligtum des Gottes Schamasch. Nach dem Betreten des Heiligtums von Osten her öffnet sich zunächst der Haupthof, ehe man kurz vor der teilenden Mauer auf einen nach griechischem Vorbild erbauten Podiumstempel mit doppeltem Säulenumgang stösst. Er unterscheidet sich in seiner Art deutlich von den anderen sakralen Bauten, darunter vier Tempeln im kleineren Hof.

Den stärksten Eindruck hinterlässt der Hauptbau, ein gewaltiger, mit Skulpturen geschmückter Komplex mit einer Bauform iranischen Ursprungs: den vier Iwanen, gewölbten Hallen, die sich mit grossem Bogen auf einen Hof hin öffnen. In Hatra wurden neben dem Schamasch, dem alten babylonischen Sonnengott, auch die altarabische Göttin Allat, der Wächterhund Nergal, der Mondgott Schahiru und die Mondgöttin Nanai entweder in menschenähnlichen Statuen oder in Form von Kultstandarten verehrt. Auf Feueraltären brachte man diesen Gottheiten Weihrauch dar. Das Symboltier des in Inschriften als Herr von Hatra gefeierten Schamasch war der Adler, unter dessen Schutz sich auch König Sanatruq I. stellte. Dessen persönliches Heiligtum lag hinter dem grossen südlichen Iwan und war als Umwandlungstempel konzipiert. Die Iwane selbst dürften religiösen Zusammenkünften und der Einnahme von Kultmahlzeiten gedient haben.

Frank Rainer Scheck Jg. 1948, Tätigkeit als freier Autor mit dem Schwerpunkt Kulturgeschichte des Vorderen Orients



Parther

iranischer Stamm an der Südostecke des Kaspischen Meeres. Zwischen 250 und rund 238 v. Chr. eroberten die Parner, ein ostiranischer Stamm, unter ihrem Anführer Arsakes die seleukidische Satrapie Parthava. Die eingedrungenen Parner erhielten aufgrund ihrer Niederlassung in Parthava den Namen Parther. Vermutlich um 247 v. Chr. wurde Arsakes zum König gekrönt und begründete die Dynastie der Arsakiden; die erste Hauptstadt wurde Nisa. Unter Mithridates I. wurde das Partherreich die Grossmacht des Ostens, mit der die Römer in Armenien und Mesopotamien rund 300 Jahre lang zu kämpfen hatten. Vermutlich 141 v. Chr. wurde die Hauptstadt nach Ktesiphon am Tigris verlegt. Die Parther knüpften an das Vorbild der Achämeniden an, kulturell stand das Reich unter griechischem Einfluss. Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. wurde das Partherreich durch Bürgerkriege und mehrere römische Feldzüge erschüttert. 208 n. Chr. erhob sich Ardaschir I., ein Enkel des Feuerpriesters Sassan aus der Persis (heutige Provinz Fars), tötete 224 den letzten Partherkönig Artabanos V. und errichtete die Herrschaft der Sassaniden.


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