Kadhimain-Moschee Bagdad

Basra am Schatt-Al-Arab

Tempel von Hatra

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Republik Irak - Al-Jumhuriyah al-'Iraqiyah
Die Republik Irak

Staat in Vorderasien, grenzt im Norden an die Türkei, im Osten an den Iran, im Süden an Saudi-Arabien, Kuwait und den Persischen Golf sowie im Westen an Jordanien und Syrien. Die Gesamtfläche beträgt 438'317 Quadratkilometer. Auf dem Gebiet des heutigen Irak entwickelten sich einige der bedeutendsten Zivilisationen der Erde. Siehe Assyrien, Babylonien, Mesopotamien, Sumer. Bagdad (Baghdad) ist die Hauptstadt des Irak.

Land

Die nördlichen Landesteile werden von den jungen Kettengebirgen Taurus und Zagros geprägt. Einzelne Gipfel erreichen hier Höhen von über 3'500 Metern. Nach Süden fällt das Land zur breiten Schwemmlandebene der Flüsse Tigris und Euphrat ab. Mesopotamien umfasst das Zwischenstromland, das Gebiet zwischen den beiden Flüssen. Tigris und Euphrat durchfliessen das Land von Nordwesten nach Südosten und vereinigen sich etwa 160 Kilometer nördlich des Persischen Golfes zum Schatt el Arab, der in den Persischen Golf mündet. Der äusserste Südosten des Landes wird von sumpfigem Tiefland am Persischen Golf eingenommen, an dessen Küste der Irak einen Anteil von etwa 40 Kilometern hat. Westlich des Euphrat steigt das Land allmählich zur Syrischen Wüste hin an.

Grenzen

Total 3'631 km; Iran 1'458 km, Jordanien 181 km, Kuwait 242 km, Saudi Arabien 814 km, Syrien 605 km, Türkei 331 km. (Küste: 58 km)

Klima

Der Irak liegt im Bereich subtropischer Winterregen. Die Sommer sind trocken und heiss, die Winter relativ mild. In Bagdad liegt die mittlere Temperatur im Januar bei 9,4 °C, im Juli bei 33,3 °C, wobei Maximaltemperaturen von über 50 °C erreicht werden können. In der Gebirgsregion im Nordosten werden mit bis zu 1'200 Millimetern die höchsten Jahresniederschläge erreicht. Sie fallen fast ausschliesslich von Oktober bis Mai. Im zentralen Tiefland werden meist 200 Millimeter unterschritten, während in der Syrischen Wüste regenlose Jahre auftreten können.

Flora und Fauna

Die unterschiedlichen Niederschlagsverhältnisse spiegeln sich im Pflanzenbewuchs wider. Im Gebirge gedeiht Strauchvegetation mit vereinzelten Waldbeständen. Die Uferbereiche werden von Dattelpalmenhainen und Schilfgürteln eingenommen, während die trockenen Gebiete im Süden und Südosten nur spärlich bewachsen sind. Die reiche Fauna setzt sich u. a. aus Leoparden, Gazellen, Antilopen, Wildeseln, Löwen, Hyänen, Wölfen, Schakalen, Wildschweinen, Springmäusen und Fledermäusen zusammen. Lebensraum finden hier auch Vogelarten wie Geier, Bussarde, Raben, Eulen, Habichte, Enten, Gänse, Rebhühner und Flughühner. Daneben sind Eidechsen weit verbreitet.

Bevölkerung

Etwa 75 Prozent der Einwohner des Irak sind Araber. Die im Bergland des Nordirak wohnenden Kurden machen etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Kleinere Volksgruppen sind Turkmenen, Perser und Assyrer. In den ländlichen Gegenden des Landes leben die Menschen noch vielfach in Sippenverbänden und führen ein Nomaden- oder Halbnomadenleben.
Die Einwohnerzahl beträgt etwa 20 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 46 Einwohnern pro Quadratkilometer, wobei Ballungsräumen wie Bagdad weite, unbewohnte Landstriche gegenüberstehen. Am dichtesten besiedelt sind die Ufergebiete der grossen Flüsse. Etwa 70 Prozent der Einwohner leben in Städten.
Bevölkerungszahlen nicht aktualisiert

Wichtige Städte

In der Hauptstadt Bagdad (Baghdad) leben etwa vier Millionen Menschen. Weitere grosse Städte sind die Hafenstadt Basra (620'000 Einwohner) und Mosul, ein Zentrum der Erdölindustrie (570'000 Einwohner).
Bevölkerungszahlen nicht aktualisiert

Sprache

Amtssprache im Irak ist Arabisch. Die im Norden des Landes wohnenden Kurden sprechen Kurdisch. Ausserdem sind die Sprachen der anderen Volksgruppen verbreitet.

Religion

Etwa 95 Prozent der Iraker sind Muslime (60 Prozent Schiiten, 35 Prozent Sunniten). Die Schiiten leben vorwiegend im Mittel- und Südirak, die meisten Sunniten im Norden des Landes. Einige der heiligen Stätten der Schiiten, insbesondere Nedjef und Kerbela, liegen im Irak. Ausserdem leben im Land einige christliche Religionsgemeinschaften (u. a. Nestorianer, Jakobiten und Chaldäer), die Glaubensgruppe der nördlich von Mosul ansässigen Jesiden sowie eine kleine jüdische Gemeinde (in Bagdad).

Soziales

Der Gesundheitszustand weiter Teile der irakischen Bevölkerung ist aufgrund schlechter sanitärer Bedingungen unzureichend. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 67 Jahren. Die meisten medizinischen Einrichtungen sind staatlich. Das 1957 erlassene Gesetz für soziale Sicherheit regelt die Arbeitsbedingungen sowie die Sozialversicherung in Bezug auf Mutterschaft, Arbeitsunfähigkeit, Altersversorgung und Arbeitslosigkeit. Die dem Irak nach dem Golfkrieg auferlegten Sanktionen führten zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung.

Bildung und Kultur

Das Bildungssystem ist in den Städten gut ausgebaut. Das kulturelle Erbe des Irak ist in erster Linie arabisch, obgleich das unter dem Namen Mesopotamien bekannte Gebiet schon lange vor dem Auftreten des Islam (im 7. Jahrhundert v. Chr.) Zentrum babylonischer und assyrischer Zivilisationen war.

Bildung und Schulwesen

Die Schulbildung ist im Irak kostenfrei. Es besteht sechsjährige Schulpflicht, aber vor allem in ländlichen Gegenden fehlen häufig die notwendigen Einrichtungen. Der Unterricht wird in arabischer Sprache abgehalten; in einigen Gebieten im Norden ist in den Grundschulen Kurdisch die Unterrichtssprache. Die Analphabetenrate liegt bei 40 Prozent. Im Irak gibt es sechs Universitäten: drei in Bagdad und jeweils eine in Basra, Erbil und Mosul.

Kultureinrichtungen

Viele der erhaltenen Baudenkmäler, wie die Kadhimain-Moschee, der Abbasiden-Palast und der Schrein von Samarra, zeugen noch heute vom arabischen Einfluss. Der Irak ist bekannt für die Herstellung feiner handgearbeiteter Waren wie Decken und Teppiche.
Zu den führenden Bibliotheken des Landes gehören die Universitätsbibliotheken von Bagdad, Basra und Mosul sowie die Bibliothek des Irakischen Museums und die Nationalbibliothek (beide in Bagdad). Öffentliche Bibliotheken gibt es in fast allen Provinzhauptstädten.
Zu den bekanntesten Museen zählen das Irakische Museum, das Überreste der frühen mesopotamischen Kulturen beherbergt, das Irakische Museum für Naturgeschichte sowie das Irakische Armeemuseum. Im Babylon-Museum werden Modelle, Bilder und Malereien des alten Babylon ausgestellt, und im Mosul-Museum gibt es assyrische und andere antike Ausstellungsstücke zu sehen.

Medien

1967 wurden durch einen Regierungserlass alle privaten Tageszeitungen verboten. Ende der achtziger Jahre gab es im Land sieben Tageszeitungen. Die von der Baath-Partei herausgegebene Zeitung ath-Thawra hat eine Auflage von etwa 250'000.

Verwaltung und Politik

Der Irak wird nach einer 1968 verabschiedeten und anschliessend ergänzten Verfassung regiert. Nach dieser ist der Irak eine volksdemokratische Republik mit dem Islam als Staatsreligion. 1980 erhielten die Kurden, die 20 Prozent der Einwohner stellen, Teilautonomie.

Exekutive

Höchste politische Autorität ist der von einem Vorsitzenden angeführte Revolutionsrat, der auch den Staatspräsidenten wählt. In der Praxis liegt die politische Macht jedoch in den Händen eines einzigen Führers, der zugleich Staatspräsident, Regierungschef, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Vorsitzender des Revolutionsrates ist. Dem Ministerrat obliegen die Hauptaufgaben der Staatsverwaltung.

Legislative

Die 1980 erstmals gewählte Nationalversammlung setzt sich aus 250 Abgeordneten zusammen und wird alle vier Jahre in allgemeinen Wahlen gewählt. Der Revolutionsrat hat ebenfalls gesetzgebende Funktion.

Judikative

Im Rechtswesen des Irak werden zivile und religiöse Angelegenheiten getrennt behandelt. Zivile Angelegenheiten werden an Gerichten unter Vorsitz eines Richters geregelt. Fünf in den grössten Städten angesiedelte Berufungsgerichte (Appellationsgerichte) sowie ein Kassationsgericht in Bagdad sind diesen Gerichten übergeordnet. Religiöse Angelegenheiten werden von muslimischen Gerichten entschieden.

Kommunalverwaltung

Der Irak ist in 18 Provinzen gegliedert; drei davon gelten als autonome kurdische Provinzen. An der Spitze jeder Provinz steht ein von der Staatsregierung ernannter Gouverneur. In Städten und Gemeinden leiten Ratsversammlungen mit einem Bürgermeister als Vorsitzendem die Amtsgeschäfte.
Provinzen: Al Anbar, Al Basrah, Al Muthanna, Al Qadisiyah, An Najaf, Arbil, As Sulaymaniyah, At Ta'mim, Babil, Baghdad, Dahuk, Dhi Qar, Diyala, Karbala', Maysan, Ninawa, Salah ad Din, Wasit.

Politik

Die führende politische Organisation des Irak ist die Baath-Partei, deren Programm sich auf panarabische und sozialistische Grundsätze stützt. Weitere Parteien sind die Irakische Kommunistische Partei und die Demokratische Partei Kurdistans.

Verteidigung

Im Irak besteht allgemeine Wehrpflicht. Sie umfasst einen zwei Jahre dauernden Grundwehrdienst und einen anschliessenden Bereitschaftsdienst.

Wirtschaft

Die Wirtschaftsstruktur des traditionellen Agrarlandes änderte sich massiv mit dem Abbau der reichen Erdöllagerstätten. Das Land verfügt nach Saudi-Arabien weltweit über die zweitgrössten Erdölreserven. Der gesamte Erdölsektor befindet sich unter staatlicher Kontrolle. Der Golfkrieg und das folgende, von den Vereinten Nationen verhängte Handelsembargo schwächen die Wirtschaft noch immer. Die Dachorganisation der Gewerkschaften ist der Allgemeine Gewerkschaftsbund des Irak mit etwa 1,2 Millionen Mitgliedern.

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

Etwa 75 Prozent der Landesfläche sind Wüste oder Halbwüste und somit nur weidewirtschaftlich nutzbar. In den Bergländern des Nordens ermöglichen die Niederschläge Regenfeldbau, in den südlichen Landesteilen erfolgt entlang von Euphrat und Tigris überwiegend Bewässerungsfeldbau. Hauptanbauprodukte sind Weizen und Gerste, im sumpfigen Tiefland auch Reis. In den intensiv bewirtschafteten nahen Uferbereichen werden Obst- und Gemüsekulturen angebaut (vor allem Zitrusfrüchte, Granatäpfel, Feigen und Hülsenfrüchte). Eine Sonderstellung als weitaus bedeutendste Kulturpflanze nimmt die Dattelpalme ein. Auch die Viehzucht stellt einen wichtigen Erwerbszweig dar; im Vordergrund stehen dabei Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelhaltung. Ausserdem werden im Irak die berühmten arabischen Vollblutpferde gezüchtet. Forstwirtschaft wird in nur geringem Umfang betrieben. Dagegen ist der Fischfang in Euphrat und Tigris ergiebig.

Bergbau

Wichtigster Bodenschatz im Irak ist das Erdöl. Die Erdölfelder sind auf drei Hauptgebiete verteilt: am Persischen Golf bei Basra, im nördlichen Teil des Landes zwischen Mosul und Kirkuk und im Osten des Irak, nahe der iranischen Grenze. Darüber hinaus werden in kleinerem Umfang Meersalz, Phosphat, Gips und Schwefel gewonnen. Es gibt auch geringe Vorkommen an mineralischen Rohstoffen wie Kupfer- und Eisenerz sowie Gold und Silber.

Industrie

Auch im produzierenden Gewerbe nimmt der Erdölsektor eine dominierende Rolle ein. Bis Anfang der siebziger Jahre kontrollierten ausländische Gesellschaften die irakische Erdölindustrie. Von 1972 bis 1975 wurden sämtliche ausländische Erdölgesellschaften von der Regierung verstaatlicht und von der Iraq National Oil Company sowie der Northern Petroleum Organization übernommen. Wichtige Raffineriestandorte sind Bagdad, Basra und Kirkuk. Eine Verflüssigungsanlage für Erdgas befindet sich in Taji, in der Nähe von Bagdad. Weitere Produktionszweige sind die Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Tabak sowie die Herstellung von Textilien und Baustoffen. Bereits in den sechziger Jahren wurden die meisten grösseren Industriebetriebe verstaatlicht.

Währung und Aussenhandel

Währungseinheit ist der Irak-Dinar, der 1 000 Fils entspricht. Der Geldumlauf wird von der Irakischen Zentralbank geregelt. Alle Banken des Irak wurden 1964 verstaatlicht. Erdöl und Erdölprodukte sind die wichtigsten Ausfuhrartikel. Daneben werden Datteln, Baumwollfasern, Häute und Felle exportiert. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Maschinen, Transport- und Nahrungsmittel sowie pharmazeutische Produkte. Zu den Haupthandelspartnern des Irak gehören Brasilien, die Türkei, Japan, Frankreich und Deutschland.

Verkehrswesen

Das irakische Eisenbahnnetz ist über Syrien mit der Türkei und Europa verbunden. Die Irakische Staatsbahn verfügt über eine Schienenlänge von 2 400 Kilometern. Das Strassennetz umfasst 33 240 Kilometer; davon sind etwa 70 Prozent befestigt. Die Flussschifffahrt hat immer mehr an Bedeutung verloren. Auch die Seeschifffahrt im Persischen Golf ist zurückgegangen. Internationale Flughäfen gibt es in Bagdad und Basra.

Energie

Mehr als 95 Prozent der benötigten Elektrizität werden in Wärmekraftwerken erzeugt. An den Hauptflüssen Euphrat und Tigris wurden mehrere Wasserkraftwerke errichtet.

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Irak entspricht etwa dem ehemaligen Mesopotamien, das eine ganze Reihe alter Hochkulturen hervorbrachte. Die älteste, uns heute bekannte Hochkultur bestand im Reich der Sumerer und entwickelte sich wahrscheinlich im 4. Jahrtausend v. Chr. Ihre Blütezeit erreichte sie unter der 3. Dynastie von Ur gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. Anschliessend folgten Zeiten der Vorherrschaft von Babylonien und Assyrien. Nach der 539 v. Chr. erfolgten Eroberung durch Kyros den Grossen von Persien blieb das Gebiet bis zur Besetzung durch Alexander den Grossen 331 v. Chr. unter persischer Herrschaft. Nach Alexanders Tod regierte die Seleukiden-Dynastie für etwa 200 Jahre in Mesopotamien. Anschliessend folgte eine lange Zeit der Herrschaft weiterer persischer Dynastien (Arsakiden, Sassaniden), bis die muslimischen Araber im 7. Jahrhundert n. Chr. das Gebiet einnahmen. Von 750 bis 1258, unter dem Kalifat der Abbasiden, war Bagdad Hauptstadt der islamischen Kultur. Nach der Plünderung Bagdads durch die Mongolen 1258 und weiteren Überfällen des mongolischen Eroberers Timur-i Läng (Tamerlan) in den folgenden 100 Jahren wetteiferten türkische und persische Herrscher um die Vorherrschaft, bis schliesslich das Osmanische Reich im 17. Jahrhundert die Kontrolle übernahm.

Türkische Vorherrschaft

Seit der 1534 erfolgten Eroberung des Gebiets hatten die Türken mehrere Jahrhunderte lang einheimische Herrscher zur Ausübung der Verwaltungsfunktionen eingesetzt. Bis 1831 wurden diese jedoch durch türkische Herrscher ersetzt, und die in die drei Verwaltungsbezirke Mosul, Bagdad und Basra unterteilte Provinz Irak kam direkt unter türkische Verwaltung.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Grossbritannien und Deutschland Rivalen hinsichtlich der Entwicklung des Handels im Gebiet von Mesopotamien. Die Briten sahen hier die Möglichkeit eines direkten Landweges nach Indien und gründeten 1861 eine Dampfschiffgesellschaft für die Navigation auf dem Tigris bis zum Hafen von Basra. Unterdessen plante Deutschland den Bau einer Eisenbahnlinie in den Mittleren Osten (“von Berlin nach Bagdad") und erhielt gegen den Einwand der Briten eine Genehmigung für den Eisenbahnbau bis zum Persischen Golf. Trotz dieser Niederlage schaffte es die britische Regierung, ihre Position durch Protektoratsabkommen mit ansässigen arabischen Führern zu festigen.

Nachdem die Türkei als Verbündeter des Deutschen Reiches in den 1. Weltkrieg (1914-1918) eingetreten war, drangen britische Streitkräfte im November 1914 nach Mesopotamien vor. Im März 1917 besetzten die Briten Bagdad und im Oktober 1918 war Mesopotamien vollständig unter britischer Militärkontrolle.

Das britische Mandat

Um sich die Unterstützung der Araber bei einem militärischen Aufstand gegen die Türken zu sichern, hatte die britische Regierung am Anfang des Krieges einer Gruppe arabischer Führer für den Fall einer erfolgreichen Revolte die Unabhängigkeit ihrer Länder versprochen. Im Juni 1916 fand ein von Faisal al-Husein (später Faisal I., erster König des Irak) angeführter Aufstand statt. Unter der Führung des britischen Generals Edmund Allenby und nach dem taktischen Konzept des britischen Oberst T. E. Lawrence erzielten die arabischen und britischen Streitkräfte Erfolge über die türkische Armee, und es gelang ihnen, das arabische Gebiet zu befreien. 1918 wurde mit der Türkei ein Waffenstillstand vereinbart, und die britische und französische Regierung erklärten gemeinsam ihre Absicht, die Errichtung unabhängiger arabischer Nationen in den vormals von den Türken kontrollierten arabischen Gebieten zu unterstützen.

1920 erhielt Grossbritannien vom Völkerbund das Mandat über den Irak und plante für den neuen Staat eine provisorische Regierung. Ein britischer Hochkommissar sollte der von einem arabischen Ministerrat geleiteten Regierung des Königreiches vorstehen. Faisal wurde aufgefordert, Führer der neuen Nation zu werden. Im August 1921 wurde Faisal bei einem Volksentscheid mit 96 Prozent der abgegebenen Stimmen zum König des Irak gewählt.

Die Monarchie

Die Sicherheit des neu errichteten Staates wurde von mehreren Seiten bedroht. Von aussen kam die Bedrohung durch Arabien im Süden und die Türkei im Norden. Von innen drohte Gefahr durch einzelne Gruppen mit separatistischen Bestrebungen (Schiiten aus dem Gebiet des Euphrat, Kurden aus dem Norden). König Faisal forderte offiziell die Überführung des britischen Mandats in einen Bündnisvertrag zwischen beiden Nationen, und im Juni 1922 wurde zwischen Grossbritannien und dem Irak ein Bündnis- und Schutzvertrag über 20 Jahre unterzeichnet.

Im Frühjahr 1924 wurde eine konstituierende Versammlung einberufen, und im März 1925 wurden die ersten Parlamentswahlen abgehalten. Im gleichen Jahr bekam ein internationaler Ölkonzern eine Förderkonzession für die Erdölreserven in den Gebieten um Bagdad und Mosul. Im Oktober 1932 trat der Irak dem Völkerbund als autonomer Staat bei. König Faisal I. starb 1933; sein Nachfolger wurde sein Sohn, König Ghasi I.

Internationale Abkommen

1931 wurde die Erdölförderung im Irak durch ein Abkommen zwischen der irakischen Regierung und der Irakischen Erdölgesellschaft (einem internationalen Konzern) weiter ausgebaut. Mit diesem Abkommen erhielt die Irakische Erdölgesellschaft das alleinige Recht zur Nutzung der Ölfelder im Raum von Mosul. 1934 eröffnete die Gesellschaft eine Pipeline von Mosul nach Tripoli (Libanon); 1936 wurde eine Pipeline nach Haifa (Israel) fertiggestellt. 1936 entwickelte sich aus der Irakischen Bewegung unter König Ghasi die Idee eines allgemeinen Zusammenschlusses mit den anderen Staaten der arabischen Welt. Im gleichen Jahr vereinbarte Ghasi mit dem König von Saudi-Arabien einen Nichtangriffspakt zur erneuten Bekräftigung der grundlegenden arabischen Verwandtschaft. Im April 1939 starb Ghasi; sein drei Jahre alter Sohn, König Faisal II., wurde von einem Regenten vertreten.

2. Weltkrieg

Gemäss dem Bündnis mit Grossbritannien brach der Irak Anfang September 1939 seine diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab und hatte während der ersten Monate des 2. Weltkrieges eine englandfreundliche Regierung unter Premierminister General Nuri as-Said. Im März 1940 wurde Said jedoch durch Rashid Ali al-Gailani, einen extremen arabischen Nationalisten ersetzt, der sofort einen Konfrontationskurs zu den Briten einschlug. Der Druck seitens der Briten auf die Einhaltung des britisch-irakischen Bündnisses führte am 30. April 1941 zu einem blutigen Staatsstreich, bei dem eine neue, mit den Achsenmächten kooperierende Regierung unter Premierminister Gailani aufgestellt wurde. Diese Entwicklung beunruhigte die Briten, und sie setzten sofort bei Basra Truppen an Land. Der Krieg zwischen beiden Ländern brach am 2. Mai desselben Jahres aus, und am 31. Mai 1941 kapitulierte die Regierung des Irak. Die Waffenstillstandsbedingungen beinhalteten die Wiedereinführung der britischen Kontrolle über die Transportwege des Irak. Kurz darauf wurde eine englandfreundliche Regierung aufgestellt, die später durch ein Kabinett unter Vorsitz von Said ersetzt wurde. Am 17. Januar 1943 erklärte der Irak als erster unabhängiger muslimischer Staat den Achsenmächten den Krieg. Die fortwährende irakische Unterstützung der Alliierten während des Krieges verstärkte die Position der arabischen Führer hinsichtlich eines Zusammenschlusses arabischer Staaten.

Krieg mit Israel

1947 vereinbarten die Königreiche Irak und Transjordanien gegenseitige militärische und diplomatische Hilfe. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Israels im Mai 1948 überfielen irakische und transjordanische Truppen den neuen Staat. Nach der allgemeinen Niederlage der arabischen Streitkräfte, die Israel angegriffen hatten, bereitete die von Transjordanien vertretene irakische Regierung Waffenstillstandsverhandlungen vor. Am 11. Mai 1949 unterzeichneten Israel und Transjordanien eine Vereinbarung über Waffenruhe, aber irakische Einheiten kämpften in einem arabisch besetzten Gebiet im Norden Palästinas weiter gegen die Israelis. Den Bedingungen des am 3. April 1949 unterzeichneten Waffenstillstandsabkommens folgend, ersetzten transjordanische Truppen die irakischen Einheiten in diesem Gebiet.

Prowestliche Abkommen

Am 24. Februar 1955 schloss der Irak mit der Türkei den Bagdadpakt. Mit Plänen, diese Allianz in ein Verteidigungssystem des Nahen Ostens umzuwandeln, drängten beide Länder die übrigen arabischen Staaten sowie die Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Pakistan, dem Bündnis beizutreten. Grossbritannien schloss sich dem Bündnis im April des gleichen Jahres an; Pakistan erklärte seinen Beitritt im September und der Iran im November. Im Februar 1958 schlossen sich die Königreiche Irak und Jordanien zur Arabischen Föderation zusammen. Dieses Bündnis stellte einen Gegenpol zu der kurz vorher zwischen Ägypten und Syrien gegründeten Vereinigten Arabischen Republik (VAR) dar. Im Mai wurde Nuri as-Said, vormals Premierminister des Irak, zum Premierminister der Arabischen Föderation ernannt.

Die Republik

Nach dem blutigen Staatsstreich des Generals Kamir Kassem, bei dem auch König Feisal II. ums Leben kam, wurde am 14. Juli 1958 die Republik ausgerufen. In der Folgezeit wandte sich der Irak vom prowestlichen Kurs der Monarchie ab und löste auch das Bündnis mit Jordanien auf. Kassem unternahm jedoch gleichzeitig auch Versuche, das Vertrauen des Westens durch die Beibehaltung der Erdöllieferungen zu gewinnen. Im März 1959 verliess der Irak den Bagdad-Pakt, der daraufhin in CENTO (Central Treaty Organization) umbenannt wurde.

1961 und 1962 kam es im Norden des Landes zu Kurdenaufständen. Der Konflikt wurde erst 1970 vorübergehend beigelegt, als die Regierung der Bildung einer autonomen kurdischen Region zustimmte, und kurdische Minister ins Kabinett berief.

Militärische Umstürze

Am 8. Februar 1963 wurde Kassem durch eine Gruppe grösstenteils der Baath-Partei angehörender Offiziere gestürzt und am darauf folgenden Tag hingerichtet. Unter dem neuen Präsidenten Abdul Salam Aref und (nach seinem Tod 1966) seinem Bruder und Nachfolger Abdul Rahman Aref verbesserten sich die Beziehungen zum Westen.

1967 nahm der Irak auf jordanischer Seite am Sechstagekrieg gegen Israel teil. Am 17. Juli 1968 wurde die Regierung gestürzt, und Generalmajor Ahmed Hassan al-Bakr, vormals Premierminister, wurde zum Vorsitzenden des Revolutionsrates ernannt. In den folgenden Jahren behielt der Irak seine antiwestliche Haltung bei. 1972 bis 1975 verstaatlichte der Irak alle ausländischen Erdölgesellschaften. Ab Ende 1973, als die Ölpreise anstiegen, nahmen die irakischen Einnahmen auf dem Erdölsektor erheblich zu.

Der Krieg mit dem Iran

Anfang 1974 brachen im Nordirak schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kurdischen Nationalisten aus, da diese ein neues, auf dem Abkommen von 1970 basierendes Gesetz über die Autonomie der Kurden ablehnten. Die von Mustafa al-Barzani angeführten Kurden erhielten Waffen und anderes Kriegsmaterial aus dem Iran. Nachdem der Irak Anfang 1975 eingewilligt hatte, dem Iran grössere Zugeständnisse bei der Beilegung ihrer Grenzstreitigkeiten zu machen, brach der Iran seine Unterstützung an die Kurden ab, wodurch der kurdischen Revolte ein schwerer Schlag versetzt wurde. Im Juli 1979 wurde General Saddam Hussein Nachfolger von Präsident Bakr.

1979 verschärften sich die Spannungen zwischen Iran und Irak, da dieser die in der iranischen Provinz Khusistan nach Autonomie strebenden Araber unterstützte. Zur traditionellen Rivalität beider Staaten, verstärkt durch den religiösen Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten, kam das Ringen um die Vorherrschaft am Persischen Golf. Im September 1980 widerrief der Irak das 1975 mit dem Iran getroffene Abkommen und meldete Ansprüche auf das gesamte Mündungsgebiet des Schatt el Arab an. Die Streitigkeiten entwickelten sich zu einem Krieg, als irakische Truppen in die iranische Provinz Khusistan einmarschierten. Anfang 1982 startete der Iran einen Gegenangriff, und bis zum Mai war es ihm gelungen, fast das gesamte, 1980 vom Irak besetzte Gebiet zurückzuerobern. Die folgenden Kriegsjahre forderten hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung. Nach der im August 1988 in Kraft getretenen Waffenruhe mit dem Iran mobilisierte die irakische Regierung erneut Truppen, um die Kurdenaufstände niederzuwerfen. Gegen Ende der achtziger Jahre rüstete der Irak mit Hilfe von Bankkrediten und moderner, zum Teil aus Westeuropa und den Vereinigten Staaten stammender Technik wieder auf.

Die Besetzung Kuwaits

Nach Auseinandersetzungen über die Erdölförderung marschierten irakische Truppen im August 1990 in Kuwait ein, besetzten in kurzer Zeit das gesamte Land und erklärten es zur 19. Provinz des Irak. Eine Reihe von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zur Verurteilung dieser Invasion gipfelten in einem Ultimatum, das den bedingungslosen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait bis zum 15. Januar 1991 forderte.

Da der Irak dieser Forderung nicht nachkam, startete eine Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten eine heftige militärische Aktion gegen militärische und zivile Ziele im Irak und in Kuwait. Im sich daraus entwickelnden Golfkrieg erlitt der Irak eine schwere Niederlage und zog sich im Februar aus Kuwait zurück. Im April erkannte der Irak die UN-Bedingungen für einen Waffenstillstand an. Nach der Stationierung einer UN-Friedenstruppe zur Überwachung der irakisch-kuwaitischen Grenze wurden die alliierten Streitkräfte abgezogen. Während dieser Zeit schlugen irakische Truppen Aufstände der Schiiten im Süden und der Kurden im Norden nieder, woraufhin Hunderttausende von Kurden in die Türkei und den Iran flüchteten. Daraufhin wurden für die kurdische Bevölkerung im Norden des Irak Schutzzonen unter Aufsicht der Vereinten Nationen errichtet. 1992 wurde der Irak unter massivem internationalem Druck zur Zerstörung der ihm verbleibenden Massenvernichtungswaffen aufgefordert; die wirtschaftlichen Sanktionen sollten bis zur Erfüllung dieser Forderung in Kraft bleiben.

1993 wurde von der UN offiziell mitgeteilt, dass die Demontage der irakischen Anlagen zur Herstellung atomarer, biologischer und chemischer Waffen abgeschlossen sei, worauf der Irak die Aufhebung des von der UN verhängten Handelsembargos verlangte, das aber lediglich gelockert wurde. Die Versuche des Irak, den Widerstand im eigenen Land zu brechen, gingen auch 1994 weiter. Die Regierung verhängte ein Wirtschaftsembargo gegen die Kurden im Nordirak und führte eine militärische Aktion gegen die in den Sumpfgebieten des Südirak lebenden Schiiten durch.

Im August 1996 eskalierte der Machtkampf der Guerillas der beiden rivalisierenden Kurdenorganisationen, der von Iran geförderten Patriotischen Union Kurdistans (PUK) und der von der irakischen Regierung unterstützten Kurdischen Demokratischen Partei (KDP). Der Eroberung mehrerer Städte durch Einheiten der KDP folgte eine Massenflucht aus dem Nordirak in den Iran. Daraufhin marschierten Truppen der iranischen Armee in den Nordirak ein. Der Konflikt weitete sich aus, als türkische Einheiten die irakische Grenze überschritten, um vermutete Stützpunkte von Mitgliedern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu zerstören. Die massive militärische Unterstützung der KDP durch nationale Truppen zog internationale Proteste nach sich; die Vereinigten Staaten verstärkten zwischenzeitlich ihre militärische Präsenz im Persischen Golf. Im November 1996 unterzeichneten Vertreter von PUK und KDP ein Friedensabkommen. Darin vereinbarten sie die Bildung einer gemeinsamen Regierung für das Kurdengebiet im Norden des Landes.

Im Dezember 1996 durfte der Irak erstmals seit sechs Jahren wieder Erdöl exportieren. Die nach dem Golfkrieg verhängten UN-Sanktionen wurden unter der Bedingung eingeschränkt, dass die Einnahmen der Erdölexporte direkt der irakischen Bevölkerung in Form von Lebensmitteln und Medikamenten zugute kommen.

Anfang 1998 drohte der seit dem Herbst 1997 schwelende Konflikt um die UN-Waffeninspektoren, denen die irakische Führung unter Verletzung der UN-Resolution über die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen den Zugang zu verschiedenen Anlagen, in denen man Waffenproduktions- bzw. -lagerstätten vermutete, untersagt hatte, in eine militärische Auseinandersetzung auszuarten. Im Februar 1998 gelang es dem UN-Generalsekretär Kofi Annan, den Konflikt beizulegen: Er handelte mit der irakischen Führung ein Abkommen aus, in dem der Irak den UN-Kontrolleuren den freien Zutritt zu allen verdächtigen Anlagen, auch zu den acht Palästen Husseins, zusagte. Die Untersuchungen der acht Präsidialanlagen ergab jedoch keinerlei Hinweis auf Produktion oder Lagerung von Massenvernichtungswaffen.


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