Codex Hammurabi - Ausschnitt

Codex Hammurabi - Ausschnitt

Codex Hammurabi, schwarzer Basaltstein, Höhe 2,25

Codex Hammurabi - Ausschnitt

Irak - Kunst und Kultur
Codex Hammurabi (Hammurapi)

Hammurabi - König von Babylon 1728-1686 v. Chr.

Der sechste und bedeutendste König der über den theokratischen Stadtstaat herrschenden Dynastie der Amoriter eroberte mit seinem stehenden Heer ganz Babylonien, Mari und Eschnunna und restaurierte das mesopotamische Grossreich Sargons I. Seine Gesetzessammlung ist die bedeutendste des Alten Orients. Der Codex Hammurabi, fest gehalten auf der in Babylon aufgestellten Dioritstele (heute im Louvre, Paris), umfasste 282 Paragraphen aus dem Straf-, Zivil- und Handelsrecht. Auf Tontafeln erhaltene Briefe zur Politik und Reichsverwaltung Hammurabis geben Aufschluss über die Anlage von Bewässerungssystemen und Steuererhebungen. Hammurabi reformierte den religiösen Kult und erhob den Stadtgott Marduk von Babylon anstelle des sumerischen Sonnengottes zur höchsten Gottheit des babylonischen Reichs (im babylonischen Weltschöpfungsepos erscheint Marduk als Weltschöpfer und Beauftragter der anderen Götter). Nach Hammurabis Tod und dem Einfall der Hethiter zerfiel sein Reich.

Das Gesetzbuch Hammurabis - Codex Hammurabi

König Hammurabi von Babylon (1728-1686 v. Chr.) liess in 280 Paragraphen die Gesetze seines Reiches und die Strafen für ihre Übertretung festhalten. Sie sind auf einer Steinstele eingemeisselt, die den König in Gebetshaltung vor dem Gott Schamasch, dem Garanten der Gesetze, zeigt.

§1: Wenn ein Bürger einen Bürger bezichtigt und Mord[-schuld] auf ihn geworfen hat, [es] ihm aber nicht beweist, so wird, der ihn bezichtigt hat, getötet ...

§21: Wenn ein Bürger in ein Haus [ein Loch] einbricht, so tötet man ihn angesichts dieses Loches und steckt ihn in die Höhlung ...

§23: Wenn der Räuber nicht gegriffen wird, so gibt der beraubte Bürger das ihm abhanden gekommene Gut vor dem Gotte an, und die Gemeinde sowie der Vorsteher, auf deren Grund und Gemarkung der Raub begangen wurden, ersetzen ihm das abhanden gekommene Gut ...

§34: Wenn ein Hauptmann oder ein Feldwebel das Hausgerät eines Soldaten sich aneignet, einen Soldaten um sein Recht bringt, einen Soldaten gegen Mietslohn weggibt, einen Soldaten im Rechtsstreit einem Mächtigen preisgibt, die Gabe, die der König dem Soldaten gegeben hat, sich aneignet, so wird der Hauptmann oder Feldwebel getötet ...

§109: Wenn in einer Schenkin Hause Betrüger sich zusammenschliessen, sie diese Betrüger nicht greift und dem Palaste nicht zuführt, so wird diese Schenkin getötet ...

§148: Wenn ein Bürger eine Frau zur Ehe genommen hat und sie la-bum-Krankheit [epidemische innere Krankheit] ergreift, er eine andere zu nehmen sich vornimmt, so kann er [sie] nehmen; von seiner Ehefrau, die die la-bum-Krankheit ergriffen hat, kann er [sich] nicht scheiden; in einem Hause, das er gebaut hat, wohnt sie, und solange sie am Leben ist, unterhält er sie.

Das ältestes Wein-Gesetz der Welt

Im Jahre 1901 wurde eine Stele aus Diorit aufgefunden (heute im Louvre in Paris), die einen grossen Teil der von ihm erlassenen Gesetze privaten und öffentlichen Rechts enthält. Diese nach ihm benannte Gesetzessammlung Codex Hammurabi zählt zu den ältesten der Welt. Darin steht zum Beispiel: Der Wein gehört zu den kostbarsten Gaben der Erde. So verlangt er Liebe und Respekt, wir haben ihm Achtung zu erweisen. Ein Relief zeigt Hammurabi, der den Gesetzeskodex vom Sonnengott Schamasch erhält.

Der darin enthaltene Teil über Wein gilt als ältestes Wein-Gesetz der Welt. Hammurabi führte fixe Preise ein, legte Höchst-Ertragsmengen fest und regelte den Verkauf für Weinläden und Weinverkäufer. Bei Übertretung gab es strenge Strafen. Bei einem Fehler beim Zusammenrecnen der Zeche wurde den Schankmädchen angedroht, ins Wasser gestürzt zu werden und wenn eine Priesterin in ein Weinhaus ging und dort Wein trank, drohte ihr der Verbrennungs-Tod.

Allgemeines

Die Kodifikation (Verschriftlichung) des Rechts beginnt nicht erst mit den Griechen oder den 12-Tafel-Gesetzen. Die älteste erhaltene Gesetzessammlung der Alten Welt, der Codex Hammurabi, findet sich auf dem links abgebildeten 2,25 m hohen schwarzen Basaltstein. Er ist heute im Louvre zu besichtigen. Hammurabi hat wahrscheinlich von 1728 bis 1686 regiert. Sein höchster Ruhm war es, den sozial Schwachen und Entrechteten zur Seite zu stehen. Ein bleibendes Denkmal des Herrschers ist der Codex Hammurabi. Der Gesetzescodex Hammurabis ist nicht die erste Gesetzessammlung des alten Zweistromlandes.

Das älteste Gesetzbuch ist vielmehr die Sammlung des Urnammu von Ur (um 2050), es folgen um 1930 die Gesetze des Esnunna und die des Lipit-Istar von Isin (um 1870). Die Anordnung der Gesetze bei Hammurabi ist nicht juristisch-systematisch, sondern praxisbezogen. Das Gesetzbuch beginnt mit Verdächtigungen wegen Mord und Zauberei, es folgen Strafen für falsche Zeugen und ungerechter Richter. Wichtig ist das Prinzip der Talion nach dem Grundsatz 'Auge um Auge, Zahn um Zahn'. Die volle Talion trat jedoch nur bei einer Schädigung eines Patriziers ein. Mit Verbrechern verfuhr man rücksichtslos, man warf sie in den Fluss oder vom Stadtturm herab, sie wurden verbrannt oder geköpft, manche auch verscharrt. Hammurabi war für die Abschreckung, wie dies im alten Orient üblich war. Zwischen seinem Gesetzbuch und dem Alten Testament existieren Ähnlichkeiten. Hiervon nur ein einziger Fall: Wer einen Einbrecher in flagranti ertappt, darf ihn auf der Stelle töten (II. Mose 22,1)


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