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Japan - Kunst, Kultur und Geschichte Die grosse Stille - Malerei und Skulptur aus Japan Shintôismus und Buddhismus haben die Kultur Japans ganz wesentlich mitgeprägt. Die ursprüngliche und volksnahe Religion Japans, der heutige Shintô, ist undogmatisch und pragmatisch, mit lebensbejahender Verbindung zur beseelten Natur und mit dem tiefen Glauben an die schöpferische, göttliche Kraft in allen Wesen und Dingen. «Heilige Orte» sind Plätze oder Dinge mit besonderer ästhetischer oder sonst eindrücklicher Qualität - Felsen und Wasser, Bäume, Pflanzen und Tiere, die immer wichtige Motive in der Malerei bildeten. Solche Wesen und Dinge sind Träger des göttlichen kami, die noch heute mit kunstvollen, besonders an Schreinen typischen Reisstrohseilen und Papierverzierungen markiert werden. Der zeitweise intensive Austausch mit dem Festland und die damit verbundene Übernahme des Buddhismus, der allen Wesen und der Natur grosse Achtung erweist, haben diese naturbezogene Betrachtung und Umsetzung in der japanischen Kunst mitgestaltet und viele Stilrichtungen der Malerei Japans mit zusätzlichen Elementen bereichert. Asuka-Zeit (538-645) Mit der Asuka-Zeit wandelte sich Japan nach kontinentalem, chinesischem Vorbild von einem Sippengefüge zu einem Einheitsstaat mit zentralem Hauptort in der Yamato-Ebene. Kurz vor Asuka wird Japan auf den Buddhismus aufmerksam, der anfänglich von der herrschenden Schicht aufgenommen wurde (siehe «Geschichte und Skulptur des Buddhismus in Japan»). Die kontinentalen Einflüsse gestalteten die entstehende höfische Kultur in Japan wesentlich mit, da neben der neuen Religion auch die chinesischen Schriftzeichen (kanji), Texte, zahlreiche chinesische Kunstwerke und Elemente der koreanischen und chinesischen Hofkultur nach Japan gelangten. weiter... Nara-Zeit (645-794) Bei der Verlegung der Hauptstadt nach Nara im Jahre 710 ist der Buddhismus in Japan bereits auf einem wichtigen Höhepunkt angelangt. Unter Kaiser Shömu setzt ein flächendeckender Tempelbau ein, in allen Provinzhauptstädten werden monumentale Daibutsu-Statuen errichtet und bedeutende Skulpturen geschaffen. weiter... Heian-Zeit (794-1185) Dem shintôistischen Reinheitskonzept folgend, wird der Regierungssitz bereits im Jahre 794 nach Heian-Kyô, dem heutigen Kyôto verlegt, einer nach chinesischem Vorbild angelegten Stadt. Damit beginnt und dauert bis zur Übernahme der Macht durch die Militärherrscher, die Shôgune, für drei Jahrhunderte die Heian-Zeit, die zu einer blühenden Epoche der japanischen Kunst wird. Mit dem Wechsel der Hauptstadt entzieht sich das japanische Kaiserhaus weitgehend dem Einfluss der mächtigen Naraklöster und verbietet in der neuen Hauptstadt den Bau von buddhistischen Tempeln und Klöstern auf Stadtgebiet, weshalb wichtige Kultstätten in Nara blieben oder wie die neueren Tendai- oder Shingon-Sekten an den Hügeln um die Hauptstadt errichtet wurden. weiter... Kamakura-Zeit (1192-1333) Die Ablösung des Hofadels durch den Schwertadel entmachtet politisch und militärisch auch den Kaiser. Damit wird der Kaiserhof in Kyôto auf die Funktion des zeremoniellen und religiösen Zentrums eingeschränkt. Die Schwertadelfamilie der Minamoto reisst die Macht an sich und gründet südlich des heutigen Tôkyô im Fischerort Kamakura ein militärisch-feudalistisches Verwaltungszentrum, das alle politischen und wirtschaftlichen Bereiche kontrolliert und zunehmend auch die japanische Kunst beeinflusst. weiter... Muromachi-Zeit (1392-1573) Bürgerkriege und andere Auseinandersetzungen führen zu einer Spaltung der kaiserlichen Macht. Unter dem Schutz der Ashikaga-Shôgune, die sich im MuromachiViertel niederlassen, bleibt der nördliche Kaiserhof in Kyôto, der südliche wechselt nach Yoshino. Die Ashikaga erzwingen bald eine abwechselnde Regierung der beiden auf zeremonielle Aufgaben beschränkten Kaiserhöfe und erreichen so eine breitere Legitimierung. Trotzdem führen Bauernaufstände, Hungersnöte und Kriege zwischen den Feudalherren zu einer «Zeit der kämpfenden Provinzen» und zu einem Verfall der shôgunalen Macht. weiter... Momoyama-Zeit (1573-1603) Zur Momoyama-Zeit gehören luxuriös ausgeschmückte Schlösser und Fürstensitze, die in der Blüte eines neuen Stils stehen, der heute als Kanô-Schule bekannt ist. Der bedeutende Kanô-Künstler Kanô Sanraku, ein Schüler von Motonobu, gestaltete im Auftrag des Shôguns Hideyoshi die Interieurmalereien des Momoyama-Schlosses in Fushimi südlich von Kyôto, eine Arbeit, die der ganzen Periode den Namen gab. Die Schiebetüren und die Stellschirme zeigen auf prunkvollem Goldgrund Landschaften und eine idealisierte Natur, wie sie auch in der kunstvollen Gartengestaltung der Höfe, Landsitze, Fürstenhöfe, aber auch der Tempel- und Klosteranlagen gepflegt wird. weiter... Edo- oder Tokugawa-Zeit (1603-1868) Mit der Verlegung des Regierungssitzes nach Edo, einen nördlich von Kamakura gelegenen Küstenort, an der Stelle des heutigen Tôkyô, wurde dieser schnell zum militärischen und ökonomischen Zentrum Japans. Die shôgunale Herrschaft errichtete ministeriale Verwaltungsapparate, schränkte die feudalherrschaftlichen Freiheiten, aber auch die Existenz der Vasallen durch Neuverteilung der Ländereien ein und förderte die Stellung der Kaufleute. Diese bürgerliche Gesellschaftsschicht gewann durch ihren wachsenden Reichtum immer mehr an Einfluss und wurde im Laufe der Tokugawa-Zeit neben dem Schwertadel zu einem Träger der bürgerlichen Kunst und Kultur. weiter... Japan - Die grosse Stille Japan, der «Ursprung der Sonne», ist auf den ersten Blick ein Land unvereinbarer Gegensätze: einerseits eine hoch industrialisierte moderne Wirtschaftsmacht, andererseits ein sehr traditionsbewusstes konservatives Inselreich; ein Staat mit wechselvoller Geschichte von weit reichender Öffnung und Erneuerung, zeitweise auch strenger Isolation und strikter Ablehnung des Fremden. Auch heute ist Japan voll von weltverbundener Geschäftigkeit, disziplinierter Hektik und Lärm und trotzdem ein Land der Zurückhaltung, schlichter Ästhetik und grosser Stille. weiter... Geschichte und Skulptur des Buddhismus in Japan Die Entwicklung der bildenden Kunst in Japan ist eng verknüpft mit dem Aufkommen des Buddhismus, der von Indien, seinem Ursprungsland, über China und Korea nach Japan gelangt ist. Eine japanische Chronik, die Nihonshoki aus dem Jahre 720, erzählt von der Ankunft einer Gesandtschaft mit verschiedenen Geschenken des Königs Song-myong von Paekche in Korea an den Kaiser Kinmei im Jahre 552 (nach neuerer Forschung 538). Diese Gesandtschaft überbrachte verschiedene Sûtra, aber auch eine Buddhastatue, der ein Brief des Königs Song beigelegt war, worin er die neue Lehre als «die beste von allen» empfahl. Unabhängig von dieser offiziellen Einführung des Buddhismus, die sich auf Regierungs- und Diplomatenebene zwischen zwei gleichgestellten Staaten abspielte, waren es koreanische Emigranten, die bereits Ende des 5. Jahrhunderts buddhistische Bilder nach Japan eingeführt hatten. weiter... Die Stille der Natur Die ältesten Wurzeln für die naturverehrende Haltung Japans werden in der altjapanischen Religion, dem späteren Shintô (aus chin. shen do: Weg der Götter) fassbar und lassen sich auf die einzigartige Natur und Landschaft Japans zurückführen. Die Natur ist Beweis des Göttlichen, das durch das Konzept der Emanation in allen Wesen und vor allem auch in eindrücklichen Naturmonumenten sichtbar wird, die seit frühester Zeit mit kunstvollen Reisstrohseilen (shimenawa) und Papiergirlanden gekennzeichnet werden. Andere Wurzeln reichen zum Festland nach China, wo der Taoismus eine tiefe Auseinandersetzung und Verbindung mit der Natur sucht. Tendenziell wird die Natur idealisiert, sie wird nicht nur als materielle Substanz wahrgenommen, sondern hat vor allem auch immaterielle Eigenschaften, die den stillen und dadurch aufnahmefähigen Menschen ansprechen. Nachweislich im 4. und 5. Jahrhundert begannen Künstler in China sich mit diesem Zugang zur Natur und mit der engen Verbindung zwischen empfindendem Menschen und Landschaft zu beschäftigen. weiter... Die Teezeremonie - Stille als oberstes Prinzip «Das Verderben bester Jugend durch falsche Erziehung, die Entwürdigung guter Gemälde durch freches Begaffen und die Vergeudung guten Tees durch unsachgemässe Behandlung» bezeichnet Li Chi-lai, ein Dichter der Sung-Zeit Chinas, als die drei bedauernswertesten Dinge. Die im südlichen China endemische Teepflanze ist bereits im 4./5. Jahrhundertbei den Taoisten Chinas als Bestandteil des Trankes der Unsterblichkeit in Gebrauch, und in der T'ang- wie in der Sung-Zeit (618-906, 960-1279) ist in China die Teezubereitung zeremoniell eingebettet. Die erste Quelle zum Tee in Japan erwähnt für das Jahr 729, also bereits in der Nara-Zeit, eine Teegesellschaft am Kaiserhof, zu der neben Höflingen auch 100 Mönche eingeladen waren. weiter... Glossar Häufig verwendete japanische Ausdrücke. weiter... ![]() ![]() ![]() |