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Japan - Kunst, Kultur und Geschichte Kamakura-Zeit (1192-1333) Die Ablösung des Hofadels durch den Schwertadel entmachtet politisch und militärisch auch den Kaiser. Damit wird der Kaiserhof in Kyôto auf die Funktion des zeremoniellen und religiösen Zentrums eingeschränkt. Die Schwertadelfamilie der Minamoto reisst die Macht an sich und gründet südlich des heutigen Tôkyô im Fischerort Kamakura ein militärisch-feudalistisches Verwaltungszentrum, das alle politischen und wirtschaftlichen Bereiche kontrolliert und zunehmend auch die japanische Kunst beeinflusst. In Kamakura errichtete Bauten ziehen Künstler aus Nara und Kyôto an, die unter Anlehnung an die chinesische Sung-Kunst einen eigenständigen Kamakura-Stil entwickeln. Die neuen Schulen eines Amida des Reinen Landes, der Lotos-Sûtra verehrenden Nichiren, die Kegon- und Ritsu-Sekten, die Jôdo-Bewegung und die Zen-Schulen beleben den Buddhismus, der als Gegenpol zum höfischen Shintô von den Kamakura-Herrschern gefördert wird. Besonders der Zen-Buddhismus übt in den folgenden Jahrhunderten von der Muromachi- bis in die Edo-Zeit hinein einen bedeutenden Einfluss auf die religiös-philosophische Kunst Japans aus. Bedeutende Epen wie das Heike monogatari und das Heiji monogatari, die Erzählungen der heldenhaften Schlachten und Machtkämpfe des Schwertadels, werden zu wichtigen Themen der kamakurazeitlichen Kunst. Oft haben diese Bildrollen längere, kalligraphisch kunstvoll gestaltete Textstellen, die, besonders auch bei der Gattung der Nikki-emakimono, den tagebuchartigen Erzählungen, und bei den Sôshi-emakimo-no, lockeren Folgen von Aufzeichnungen, durch die Bilder lediglich illustriert werden. Ein berühmtes Beispiel einer Sôshi-Bildrolle ist das Makura-nö-sôshi, die Bildrolle über das Kopfkissenbuch der Hofdame Sei Shônagon, das bis heute eine verbreitete Quelle des mittelalterlichen Japan geblieben ist. Der Schwertadel und die stark dem Buddhismus zugewandten mittelalterlichen Militärherrscher Kamakuras knüpfen an den ernsten und strengen Narastil an, woraus ein nationaler Malstil entsteht, der besonders durch seine realistischen Herrscherporträts bekannt wird. Solche Porträts oder auch Skulpturen der Shôgune in Kamakura, die wie die Kaiser auf eine religiöse Legitimierung ihrer Macht angewiesen sind, findet man oft in Tempeln oder Schreinen in der Funktion als Schutzherren. In Kyôto hingegen wird zum Ende der Kamakura-Zeit der Einfluss des vom Festland übernommenen Sung-Stils immer stärker, der sich gerade auch in Japan durch eine Abkehr von leuchtenden Farben und eine Vorliebe für die Tuschmalerei auszeichnet. Ende des 13. Jahrhunderts bewirken zwei erfolglose Invasionsversuche der Mongolen unter Kubilai Khan eine vorübergehende Isolation und stärkere Einheit Japans, die bald wieder durch Kriege zwischen den Feudalherrschern gestört wird. Für Kamakura kommt das Ende mit seiner Zerstörung im Jahre 1333. Thomas Psota Die grosse Stille Malerei und Skulptur aus Japan Bernisches Historisches Museum Katalog zur Ausstellung 11.11.99-12.03.00 ISBN 3-9520537-2-4 ![]() ![]() ![]() |