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Japan - Kunst, Kultur und Geschichte

Momoyama-Zeit (1573-1603)

Zur Momoyama-Zeit gehören luxuriös ausgeschmückte Schlösser und Fürstensitze, die in der Blüte eines neuen Stils stehen, der heute als Kanô-Schule bekannt ist. Der bedeutende Kanô-Künstler Kanô Sanraku, ein Schüler von Motonobu, gestaltete im Auftrag des Shôguns Hideyoshi die Interieurmalereien des Momoyama-Schlosses in Fushimi südlich von Kyôto, eine Arbeit, die der ganzen Periode den Namen gab. Die Schiebetüren und die Stellschirme zeigen auf prunkvollem Goldgrund Landschaften und eine idealisierte Natur, wie sie auch in der kunstvollen Gartengestaltung der Höfe, Landsitze, Fürstenhöfe, aber auch der Tempel- und Klosteranlagen gepflegt wird. Im 16. Jahrhundert erreicht die Kanô-Schule unter Kanô Eitoku einen dekorativen, prunkvollen Stil, der wiederum besonders in die Interieurgestaltung, vornehmlich in die Stellschirm-Malerei, einfliesst. Auch die Tuschmalerei, die in Kyôto an chinesisch geprägten Zen-Schulen gelehrt wird und deren Landschaftsbilder in der Muromachi-Zeit die Zen-Philosophie zum Ausdruck bringen, erlangt in der Momoyama-Zeit und den anschliessenden Jahrhunderten zunehmend dekorative Aufgaben.

Damit löst sich diese Malerei immer mehr von streng buddhistischen Ideen, gewinnt immer breitere Bedeutung und überzeugt durch klare Strichführung und sparsame Ästhetik. Spannungsvolle Kontraste erzeugen den lebensvollen und regungslosen Augenblick, der oft mit dem Samurai verglichen wird, der unter dem «gezückten Schwert gesammelter Stille» seine volle Konzentration auf das Wesentliche richtet und damit das Vorbild des japanischen Künstlers schlechthin ist. Schwertadel und Zen-Philosophie führen in der Momoyama-Zeit zu einer bedeutenden Kulturblüte der Tuschmalerei, die für das 16. Jahrhundert oft als Zenga, Zen-Malerei, bezeichnet wird. Zu wichtigen Bestandteilen japanischer Kultur werden daneben immer mehr die Teezeremonie, die Blumensteckkunst und die Gartengestaltung, deren schlichte und ursprüngliche Ästhetik die greifbare Quintessenz japanischer Kunst und Philosophie ist. Diese Blüte ist aber auch Ausdruck einer Profanisierung und Zeremonialisierung religiöser Inhalte, einer Entwicklung, welche die von strenger Disziplin und militärischer Ordnung geprägte Edo-Zeit (1603-1868) einleitet.

Die Momoyama-Zeit ist eine Periode einschneidender Einflüsse und Veränderungen. Kurz vor Momoyama betritt der spanische Jesuit Franz Xaver japanischen Boden, die Jesuiten erhalten das Missionsrecht und gewinnen bald weit reichenden Einfluss. Die Shôgune erkennen darin eine politische und ideologische Gefahr, und bereits 1587 setzen die ersten Christenverfolgungen und die Kolonisierungsabwehr geen Portugiesen und Spanier ein. Gleichzeitig zerfällt das shôgunal-kaiserliche Japan in sich gegenseitig bekämpfende Fürstentümer und Lehensherren. Diese Entwicklung wird durch die Herrscher Nobunaga und Hideyoshi aufgehalten und Japan wieder zu einem Herrschaftsgebiet geeinigt. Der Shôgun Tokugawa leyasu kann sich schliesslich als wichtigster Machthaber durchsetzen und führt Japan zu einer erneuten und sehr strengen Isolation, aber auch zu innerer Stärke. Bis 1640 sind alle Europäer aus Japan vertrieben und allein den Niederlanden ist es erlaubt, auf der kleinen künstlichen Insel Dejima im Hafen von Nagasaki eine ständige Handelsstation zu errichten.

Thomas Psota
Die grosse Stille
Malerei und Skulptur aus Japan
Bernisches Historisches Museum
Katalog zur Ausstellung 11.11.99-12.03.00
ISBN 3-9520537-2-4




  • Japan Index
  • Asuka-Zeit (538-645)
  • Nara-Zeit (645-794)
  • Heian-Zeit (794-1185)
  • Kamakura-Zeit (1192-1333)
  • Muromachi-Zeit (1392-1573)
  • Momoyama-Zeit (1573-1603)
  • Edo- oder Tokugawa-Zeit (1603-1868)
  • Japan - Die grosse Stille
  • Geschichte und Skulptur des Buddhismus in Japan
  • Japan - Die Stille in der Natur
  • Die Teezeremonie in Japan - Stille als oberstes Prinzip
  • Glossar


    Der Fuji ist ein Vulkan und mit 3776 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg Japans. Er liegt auf der japanischen Hauptinsel Honsh? an der Grenze zwischen den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka, wo sich sein Gipfel befindet.

    Grosser Buddha (jap. daibutsu), eine der bedeutendsten Darstellungen des Buddha Amitabha (jap. Amida) im buddhistischen Tempel K?toku-in  in der japanischen Stadt Kamakura.

    Der Itsukushima-Schrein ist ein Shint?-Schrein auf der Insel Miyajima in Hatsukaichi in der Präfektur Hiroshima in Japan. Seit 1996 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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