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Japan - Kunst, Kultur und Geschichte

Geschichte und Skulptur des Buddhismus

Die Entwicklung der bildenden Kunst in Japan ist eng verknüpft mit dem Aufkommen des Buddhismus, der von Indien, seinem Ursprungsland, über China und Korea nach Japan gelangt ist. Eine japanische Chronik, die Nihonshoki aus dem Jahre 720, erzählt von der Ankunft einer Gesandtschaft mit verschiedenen Geschenken des Königs Song-myong von Paekche in Korea an den Kaiser Kinmei im Jahre 552 (nach neuerer Forschung 538). Diese Gesandtschaft überbrachte verschiedene Sûtra, aber auch eine Buddhastatue, der ein Brief des Königs Song beigelegt war, worin er die neue Lehre als «die beste von allen» empfahl. Unabhängig von dieser offiziellen Einführung des Buddhismus, die sich auf Regierungs- und Diplomatenebene zwischen zwei gleichgestellten Staaten abspielte, waren es koreanische Emigranten, die bereits Ende des 5. Jahrhunderts buddhistische Bilder nach Japan eingeführt hatten.

Der Kaiser Kinmei reagierte nicht auf den Brief und übergab die Geschenke seinem Ersten Minister Soga no Iname (?-570). Von da an machte sich der mächtige Clan der Soga zum Verteidiger des Buddhismus gegen die Familien der Mononobe und der Nakatomi, welche die Verehrung einer fremden Gottheit ablehnten und in Kämpfen um Einfluss am Kaiserhof erbitterte Gegner der Soga wurden. Nach zahlreichen Auseinandersetzungen vernichtete der Soga-Clan in der entscheidenden Schlacht auf dem Berg Shigi die Familie Mononobe wie auch die Anhänger des Shintô, die gegen den Buddhismus kämpften. Dem neuen Oberhaupt des Clans, Soga no Umako, gelang es sogar, seine Nichte als Kaiserin Suiko auf den Thron zu heben, und als Herrscher setzte er den Erbprinzen Shôtoku Taishi (574-622) ein, welcher wegen seiner Weisheit und seines buddhistischen Glaubens legendär wurde. In dieser ersten Phase der Anerkennung unterschied sich der Buddhismus nicht stark vom Shintô-Kult, war er doch mehrheitlich auf Bilderverehrung und magische Praktiken beschränkt. Die buddhistische Lehre selber wurde noch nicht im eigentlichen Sinn studiert. Buddha wurde als «adashigami», als fremder kami, als eine Art fürsorgliche Gottheit des Soga-Clans wahrgenommen.

Im Jahre 594 wurde der Buddhismus durch kaiserlichen Erlass zur Staatsreligion erklärt, was den Status dieser Lehre bedeutend stärkte. Zur gleichen Zeit wurde der erste buddhistische Tempel (Hôkô-ji) in Japan erbaut, in den eine etwa 5 m hohe Buddhastatue eingesetzt wurde, und zwar mit Hilfe von Priestern, Künstlern und Handwerkern, welche der König aus Paekche entsandt hatte. Die mächtigen Familien am Kaiserhof folgten dem Beispiel und liessen ihrerseits buddhistische Tempel neben Shintô-Heiligtümern, wo sie ihre Ahnen verehrten, errichten. Es war zugleich ein ausgezeichnetes Mittel, ihre Macht und ihren Reichtum zur Schau zu stellen. So war, nach dem Vorbild des Clans der Sofa, die politische Macht eng an die Förderung der neuen Religion gebunden, welche sich rasch ausbreitete: 46 Tempelbauten werden heute in die Zeit der Kaiserin Suiko (592-628) datiert. Der Prinzregent Shôtoku Taishi interessierte sich zunehmend für die buddhistische Lehre und begann unter Anleitung eines koreanischen Priesters die Sûtra zu studieren. Im Jahre 604 erstellte er die «17-Artikel-Verfassung» (Jûshichijô-kenpô), in welcher er erklärte, dass der Buddhismus dasjenige Prinzip ist, das dem Land Harmonie bringt, und folgende drei Schätze zu verehren sind: der Buddha, das Dharma (das buddhistische Gesetz) und die Samgha (die klösterliche Gemeinschaft). Er entsandte ab dem Jahr 600 mehrere Gesandtschaften, Studierende und Mönchsnovizen in das chinesische Reich der Sui (und später der T'ang) zum Studium der Wissenschaften wie auch des Buddhismus. Es werden ihm drei Sûtra-Kommentare (der Hokkekyô gisho, der Shômangyô gisho und der Yuimakyô gisho) zugeschrieben, welche von seinen Bestrebungen zeugen, die buddhistische Lehre in einem tieferen Sinne zu praktizieren als durch blosse Verehrung buddhistischer Bildwerke. Shôtoku Taishi wird von den Buddhisten als Inkarnation von Kannon Bosatsu betrachtet und göttlich verehrt.

Im Jahre 645 unterstützte die Reform der Taika-Ära die Ausbreitung des Buddhismus, diesmal ausserhalb des Hofes und der Hauptstadt, weil der Kaiser Tenji in allen Provinzen Tempel erbauen liess. Die vielen neuen Tempel brauchten Devotionalien, und es kamen unzählige Bildhauer nach Japan, oft Einwanderer aus China und Korea. Der erste berühmte Bildhauer war Kuratsukuri no Tori, auch Tori Busshi genannt, welcher Anfang des 7. Jahrhunderts für den Hof arbeitete. Wir verfügen heute über ein Zeugnis seines Wirkens dank der Dreiheit von Shaka-nyorai im Hôryû-ji-Tempel, welche er Shôtoku Taishi und der Kaiserin Suiko gewidmet hatte. Die Bildwerke der AsukaPeriode in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts offenbaren den grossen Einfluss der chinesischen wie auch der koreanischen Kunst. Die Gesichter sind länglich, die Augen mandelförmig, und die Lippen umspielt ein archaisches Lächeln. Die zahlreichen, mehrheitlich senkrechten Kleiderfalten sind links und rechts sehr symmetrisch angeordnet, Antlitz, Hände und Füsse sind absichtlich vergrössert dargestellt. Dieser Stil geht auf die chinesische Kunst der Nord-Wei (386-534) zurück, die berühmte Statue des Miroku Bosatsu hingegen, die im Kôryû-ji in Kyôto steht, ist eindeutig koreanisch beeinflusst.

Ab der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts, während der Hakuhô-Zeit, beginnt sich der Stil der Bildhauer zu ändern: Die Körper werden weicher, sozusagen «menschlicher». Die Gesichter werden runder, die Kleider naturalistischer dargestellt. Der Gesichtsausdruck ist weniger ernst und wirkt jünger. Man kann darin den Einfluss der chinesischen Kunst der Sui-Periode (581-618) sehen. Zu jener Zeit begaben sich immer mehr Anhänger des Buddhismus nach China und Korea und brachten zahlreiche Texte und Heiligenbilder nach Japan. Nach und nach studierten die Mönche die verschiedenen Sûtra, und es wurden neue Schulen um ausgewählte Klöster gegründet. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts gab es bereits sechs grosse Sekten, welche in den rund um die neue Hauptstadt Nara erbauten Tempeln tätig waren, wo sich ab 710 auch der Hof befand. Unter den Sekten ist vor allem die Kegon-shû bemerkenswert, für welche der Kaiser Shômu von 728 bis 749 den Tôdai-ji-Tempel erbauen liess, der bald zu einem der einflussreichsten und meistbegüterten wurde. Die Kegon-Sekte gewann noch an Einfluss, als der Kaiser 741 in allen Provinzen dem Tôdai-ji-Tempel unterstellte Klöster (kokubun ji) und Frauenklöster (kokubun-niji) zu Ehren von Buddha Shaka erbauen liess.

Die Sûtra wurden zwar von Mönchen und Hofgelehrten studiert, blieben aber für das Volk meist unzugänglich, so dass die sechs Sekten von Nara den Volksglauben wenig beeinflussten, der vorwiegend die Aussicht auf ein Jenseits nach dem Tode und die Heilsmacht der Boddhisattva (Bosatsu) zum Inhalt hatte. Das Volk konnte sich dennoch vom Glanz der Tempel und von den eindrücklichen Riten anlässlich offizieller Feste beeindrucken lassen. Während der Nara-Zeit (645-794) wurden zahlreiche Buddhastatuen durch Künstler gefertigt, die in kaiserlichen Handwerkstätten arbeiteten. Die zwei wichtigsten Produktionsstätten von Skulpturen befanden sich in den Tempeln Kôfuku-ji und Tôdai-ji nahe der Hauptstadt Kyôto. Diese Werkstätten spezialisierten sich in den verwendeten Techniken: Man stellte Abgüsse her, modellierte mit Tonerde, verwendete trockenen Lack auf einem Unterbau und man beschnitzte auch ganze Blöcke vor allem aus kusunoki-Holz (Kampherholz) und kaya-Holz (Torreya nucifera).

Der Stil wurde vor allem in der Wiedergabe des Körpers und des Faltenwurfs naturalistischer. Der Ausdruck ist majestätisch, ohne allerdings den Einfluss der aus China importierten und kopierten Statuen aus dem 7. Jahrhundert zu verleugnen. Ein eigener japanischer Stil sollte erst während der Heian-Zeit (794-1185) erblühen. Die Klöster der sechs grossen Sekten genossen Steuerfreiheit und verwalteten grosse Ländereien, womit sie sich ihren Reichtum sicherten. Gewisse Mönche standen der politischen Macht sehr nahe, was den Kaiser Kanmu schliesslich dazu brachte, weiter südlich eine neue Hauptstadt, Heian-kyô, «die Hauptstadt des Friedens und der Ruhe» zu gründen, um sich dem mönchischen Einfluss zu entziehen. Der Kaiser begünstigte auch zwei neue Sekten, die geeignet schienen, mit den sechs Nara-Sekten in Konkurrenz zu treten: die Tendai-shû und die Shingon-shû. Diese legten den Hauptakzent auf die esoterische Schulung (mikkyô) und übten grossen Einfluss auf die Kunst aus.

Die Tendai-shû-Sekte wurde im Jahr 805 durch den Mönch Saichô (767-822) aus China importiert, der seinen Tempel Enryaku-ji auf dem Berg Hiei erstellte. Seine Lehre basiert auf dem Lotos-Sûtra (Hokke-kyô) und besagt, dass vor dem Buddha alle Lebewesen gleich sind. Die Shingon-Sekte (Das wahre Wort) wurde, im selben Jahr 805, durch den Mönch Kûkai (774-835) aus China eingeführt. Gemäss dem Shingon-shû ist das ganze Universum eine Manifestation des Höchsten Buddha Dainichi (sanskr. Vairocana), in welchem alle anderen Buddha und Bodhisattva (zukünftige Buddha) enthalten sind. Die Sekte gründet auf zwei Mandala: dem «Taizôkai Mandara» (sanskr. Garbhadhâtu) der äusseren Welt, welches alle buddhistischen Gottheiten um den Buddha Dainichi einschliesst, und dem «Kongô-kai Mandara» (sanskr. Vajradhâtu) der Welt des Geistes, welches die Attribute dieser Gottheiten darstellt. Diese bildlichen Darstellungen der esoterischen Lehre und des buddhistischen Pantheons mit der erweiterten Zahl an Gottheiten wirkten sich auf die religiöse Malerei wie auch auf die Kunst im Allgemeinen stark aus. Die Sekte etablierte sich auf dem Berg Kôya im Süden von Nara und erleichterte auch die Synkretisierung mit der Shintô-Religion, weil sie die kami als vorübergehende Erscheinungen (gongen) der buddhistischen Gottheiten betrachteten. Dies führte im 10. Jahrhundert zu einem regelrechten Synkretismus mit dem Ryôbu-shintô, dem Shintô der zwei Parteien, in welchem die grosse shintôistische Göttin Amaterasu als Manifestation des Buddha Dainichi betrachtet wurde.

Die buddhistische Skulpturenkunst entwickelte sich ebenfalls. Am Ende der Nara- und zu Beginn der Heian-Zeit machte sich der Einfluss des späten chinesischen T'angstils (618-907) bemerkbar: Die Statuen wurden umfangreicher, schwerer, weniger aufstrebend. Der Ausdruck ist feierlicher, ernster und hinterlässt einen Eindruck von Macht und Stärke. Mit der Einführung des esoterischen Buddhismus wurden neue und an Bedeutung gewinnende Gottheiten dargestellt. Diese Skulpturen sind durch den korpulenten Stil indischer Tradition beeinflusst und wurden hauptsächlich in der «mokushinkanshitsu» genannten Technik hergestellt: Der hölzerne Kern der Statue wird mit lackgetränkten Hanfstoffbändern aufmodelliert. Gleichzeitig wurden mehr und mehr Statuen ausschliesslich aus Holz gefertigt. Die Kleiderfalten wurden tief eingeschnitten in der Art von kreisenden Wellen (honpa), wobei grosse runde Wellen mit kleineren schmal gefalteten kontrastieren. Im 9. und 10. Jahrhundert wurden auch kleine Statuen feineren Stils in Holz geschnitten und wurden nicht bemalt. In dieser Zeit war die Bildhauerei nicht mehr ausschliesslich den Kunsthandwerkern der Regierungswerkstätten vorbehalten, sondern auch einige Mönche wurden Bildhauer.

Während der Heian-Zeit (794-1185) förderten die regierenden Fujiwara, nach dem Vorbild des Kaisers und des Adels, die buddhistischen Tempel. Dank der Unterstützung des Clans der Fujiwara gewann vor allem die Tendai-Sekte Einfluss. Am Hofe war die Kenntnis der buddhistischen Texte Bestandteil jeder guten Ausbildung, aber für das Volk waren die Lehren der neuen Sekten Tendai und Shingon zu unverständlich. Dies veranlasste den Mönch Genshin (942-1017) der Sekte Tendai, eine Bewegung für einen allgemein verständlichen Buddhismus ins Leben zu rufen, welcher auf dem Kult des Buddha Amida beruhte. Die Erlösungs-Allmacht dieses Buddha erschloss sich ihm beim Studium des Lotos-Sûtra. Schon die wiederholte Anrufung des Namens Amida, nämlich «Namu Amida Butsu» (verkürzt zu Nembutsu), sollte jedem Gläubigen ermöglichen, das Westliche Paradies der Reinen Erde (Saihô no Gokuraku no lôdo) zu erreichen, welches für den Wohnort des Buddha gehalten wird. Diese einfache Lehre erlangte grosse Beliebtheit beim Volk, umso mehr als ihr der Glaube an die Endzeit des Guten Gesetzes (Mappô) anhaftete, welche nach der Auslegung gewisser Texte im Jahr 1052 stattfinden und zugleich den Anfang einer neuen buddhistischen Ära einleiten sollte, die von Katastrophen und Elend angezeigt und begleitet sein würde. Der Glaube an Amida entwickelte sich weiter und trennte sich schliesslich mit Hônen (1133-1212) von der Tendai-Sekte. Er gründete im Jahre 1175 die Sekte der Reinen Erde (lôdo-shû). Diese Sekte trug viel dazu bei, den Buddhismus im Volk zu verbreiten, wobei die Riten auf einfache Andachtsübungen in Verehrung des Buddha Amida beschränkt wurden.

In dieser zweiten Hälfte der Heian-Zeit hörten die Gesandtschaften an den Hof der T'ang auf, ebenso verringerte sich das Einführen von chinesischen Vorlagen, was das Aufblühen eines eigenständigen japanischen Stils begünstigte. Ab dem 11. Jahrhundert verfeinerte sich mit dem Mönch Jôchô (?-1057) der Stil der Bildwerke, er wurde aristokratischer. Jôchô arbeitete in Kyôto für den mächtigen Fujiwara Michinaga und war der erste bekannte Bildhauer, der dazu beitrug, Bildhauerwerkstätten (bussho) zu gründen. Sein Stil prägte die Heian-Zeit und wurde im ganzen Land nachgeahmt. Wie bei der Statue des Buddha Amida, die er im Jahre 1053 für den Tempel Byôdô-in schuf, waren nun die Körper besser proportioniert und verloren den Eindruck von Stärke; die Kleiderfalten sind feiner, weniger tief, der Ausdruck des Gesichtes ist friedlich und meditativ. Die Statuen wurden vor allem aus Holz geschnitzt und in einer neuen Technik, der sog. «yosegi-zukuri», bearbeitet. Vor dem 10. Jahrhundert wurde die ichiboku-zukuri-Technik angewendet: Der Körper wurde aus einem einzigen Block geschnitten, die Arme und Hände wurden mittels eines Systems von Verzapfungen eingefügt. Die neue Technik yosegi-zukuri bestand darin, dass mehrere Holzteile einzeln geschnitzt und anschliessend zu einer Statue zusammengefügt wurden. Anfänglich wurde die Statue in einen rechten und einen linken Teil geteilt; ab dem 11. Jahrhundert jedoch setzt sich eine Statue aus mindestens vier Teilen zusammen, was eine feinere Ausarbeitung ermöglichte.

Im 12. Jahrhundert änderten die politischen Verhältnisse, indem sich die Macht des Fujiwara-Clans verringerte, wogegen diejenige von zwei rivalisierenden Familien, der Minamoto und der Taira, deren Lehen in den Ostprovinzen lagen, stark zunahm. Zwischen den beiden Clans folgte eine lange Zeit der Kämpfe, die von Krieg und Hungersnöten begleitet war. Die Hauptstadt Heian und verschiedene Tempel in Nara wurden eingeäschert. Der Friede kehrte mit dem Sieg von Minamoto no Yoritomo ein, welcher seine Kriegsherrschaft (Bakufu) 1 192 in den Ostregionen, in Kamakura, errichtete. Der Kaiser, welcher bloss noch über symbolische Macht als geistiges Oberhaupt verfügte, nannte ihn Shôgun oder Militärbefehlshaber.

Die Bakufu-Herrschaft von Kamakura wusste sich gegenüber den grossen Klöstern von Nara und Kyôto zu behaupten und liess sich eher durch die Lehre des ZenBuddhismus beeinflussen, welche 1 192 durch Eisai und 1227 durch Dôgen (1200-1253) aus China eingeführt worden war. Diese neue Schule gründete mehr auf Selbstdisziplin und Meditation als auf dem Studium der Sûtra. Dôgen setzte das Hauptgewicht auf das «zenjô», die stille Meditation, welche unmittelbar zur Weisheit (sanskr. prajnâ) führen sollte. Die Unterweisung des Lehrers an den Schüler erfolgte durch die Frage-und-Antwort-Methode (kôan) und empfahl die Selbstverwirklichung durch die Praktik des zazen, die das Bewusstsein des Buddha durch plötzliche (gemäss der von Dôgen eingeführten Sôtô-Sekte) oder durch allmähliche (gemäss der durch Eisai eingeführten RinzaiSekte) Erleuchtung oder Erweckung (satori) anstrebte. Die Rinzai-Sekte verlangt eher eine aktive Meditation (kannazen), während die Sôtô-Schule den Akzent auf eine stille Meditation (mokushô-zen) setzt und die «kôan»-Methode nur selten anwendet. Die Zen-Lehre lehnt den Bilderkult ab und bezieht sich nur auf den historischen Buddha. Die Zen-Meister übten einen grossen Einfluss auf die Shôgune des Bakufu aus, welche die fünf grossen in Kamakura erbauten Zen-Klöster unterstützten.

Das Volk dagegen fühlte sich mehr zu neuen Sekten hingezogen, welche eine Vereinfachung der Lehre anstrebten. So vollzog Shinran (1173-1262) eine Spaltung von der Schule seines Meisters Hônen und schuf 1224 die Jôdo-shinshû oder «Wahrhaftige Sekte der Reinen Erde». Es genügte, an Amida zu glauben, um die Gewissheit zu haben, im Paradies der Reinen Erde wieder geboren zu werden. Nach dem Vorbild von Shinran, welcher heiratete und sieben oder acht Kinder hatte, ermutigte man die Priester, eine Familie zu gründen, um so die herrschende Kluft zwischen Laien und Geistlichen zu überwinden. Die Jôdo-shinshû wurde von den andern Sekten heftig bekämpft, war aber im Volk sehr beliebt. Die Sekte des Lotos Hokke-shû von Nichiren (1222-1282) predigte ebenfalls den einfachen Glauben in die Erlösermacht des Lotos-Sûtra und des Buddha Shâkyamuni (Shaka-nyorai). Bereits die einfache Anrufung mit «Namu Myôhôrengekyô», d.h. «Huldigung dem herrlichen Gesetz des Lotos-Sûtra» sicherte dem Gläubigen das Heil zu. Nichiren war ganz und gar intolerant gegenüber den anderen buddhistischen Sekten und führte den Begriff der Ketzerei ein, welcher damals in der buddhistischen Lehre unbekannt war. Er nahm die Idee des Mappô (Ende des Gesetzes) wieder auf und betonte, dass nur das Lotos-Sûtra eine neue Glaubens-Ära herbeiführen könne, wobei er sich selber als rettenden Bodhisattva darstellte.

Das Kunstverständnis und der Geschmack der Kriegerklasse von Kamakura unterschieden sich von denjenigen des Adels von Kyôto; sie strebten einen grösseren Realismus an. Am Ende des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert wurden die Künstler von den Tempeln angestellt. Eine der bedeutendsten Werkstätten war diejenige von Nara mit den Bildhauern des Zweiges -Kei (kei-ha). Der berühmteste unter ihnen, Unkei (ca. 1148-1223), arbeitete im Tempel Kôfuku-ji von Nara, aber auch im Osten in der Shôgun-Stadt Kamakura. Der Stil seiner Skulpturen ist dynamisch, der Ausdruck oft streng, der Faltenwurf ist breit und mächtig und die Kleider scheinen in Bewegung. Man kann hierin eine gewisse Renaissance des Stils aus der Nara-Zeit und dem Beginn der Heian-Zeit sehen; vielleicht hing dies auch damit zusammen, dass die neu bestellten Statuen die alten, beim Brand von Nara verlorenen ersetzen sollten. Unkei arbeitete auch mit Kaikei (um 1183-1236) zusammen, bei dem man ebenfalls Einflüsse von chinesischen, in einem neuen Stil erstellten Werken der Sung feststellen kann, womit wieder chinesische Kunstelemente in Japan auftreten. Viele Meisterwerke stammen aus der Kamakura-Zeit (1192-1333). Die Detailtreue und der grosse Realismus der Skulpturen werden noch betont durch die aus bemaltem Glas (gyokugan) gefertigten Augen.

Nach der Kamakura-Zeit erlebte das Land eine lange Zeit von Kriegen und Machtkämpfen, eine andauernde Einigung Japans setzte der Shôgun Tokugawa leyasu zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch. Die Tokugawa konnten sich dann über zweieinhalb Jahrhunderte an der Macht halten - bis zur Ankunft der Schiffe westlicher Mächte, welche die politische und soziale Ordnung umstürzten und im Jahr 1868 zur Restauration von Meiji führten. Dieses Datum bedeutete das Ende der Shôgunats, zugleich kehrte die kaiserliche Dynastie auf die Bühne zurück. Während der langen Edo-Periode (1603-1868) hatte die geistige Elite ihr Augenmerk mehr auf die konfuzianistische Philosophie gerichtet, welche dem Shôgun als Machtrechtfertigung diente. Auch der Shintôismus wurde von einer Bewegung zur Anerkennung einer rein japanischen Kultur mit der Schule Kokugaku für nationale Studien geschätzt. Während der Regierungszeit der Tokugawa mussten die Tempel Bevölkerungsregister führen, und sie waren auch an der Ausbildung der Kinder in den Tempelschulen (terakoya) beteiligt. Die buddhistischen Sekten der Reinen Erde und die Zen-Lehre waren in dieser Zeit vorherrschend, und beide legten wenig Wert auf plastische Darstellungen - im Gegensatz zu den esoterischen Schulen, welche aber nicht mehr stark verbreitet waren. Dies schlug sich in einem Mangel an Kreativität in der buddhistischen Skulpturen-Kunst nieder. Anstelle von Neuem kopierte man den Kamakura-Stil, und blieb, oft mit wenig Talent, einem starren und reglementierten Realismus verhaftet.

In der Meiji-Restauration wurde der Shintôismus zur Staatsreligion erhoben, er bildete die Grundlage der kaiserlichen Ideologie. Am 10. April 1868 wurde ein Edikt erlassen, Shintô von allem Buddhistischen zu befreien. Das Edikt sah vor, sämtliche buddhistischen Objekte und Verzierungen aus den Shintô-Kultstätten zu entfernen. Es beginnt eine Zeit der Verfolgung des Buddhismus, die Tempel mussten schliessen, die Regierung entzog ihnen ihre Landwirtschaftsbetriebe und damit die Quelle ihrer früheren Einkünfte. Skulpturen und Gemälde wurden zerstört, Kultobjekte aus Metall zu Kanonen umgeschmolzen, weitere Objekte an ausländische Sammler verkauft, wie z.B. an Emile Guimet, der sich 1876 in Japan aufhielt. Um 1880 wurde die Regierung etwas gemässigter; die buddhistischen Geistlichen sahen ein, dass sie sich der neuen Gesellschaftsordnung anpassen mussten. Verschiedene japanische Mönche reisten ins Ausland und es gelang ihnen, die buddhistischen Studien in anderen asiatischen Ländern zu fördern. Die Geistlichen erlangten eine grössere Volksnähe, indem sie sich im Sozialbereich betätigten, wie dem Bau von Spitälern oder Altersheimen. Die Mentalität änderte sich, die Regierung liess nach westlichem Vorbild neue Kunstmuseen erstellen, und japanische Historiker betonten die Wichtigkeit der buddhistischen Kunst für Japan, welche den grössten Teil der Kunstwerke von der Alten Epoche bis zum Mittelalter ausmacht. Im Jahr 1897 wurden Gesetze zum Schutz der Kulturgüter erlassen, welche den Verkauf buddhistischer Kunstwerke an Dritte erschwerten. Die kaiserlichen Museen bauten Sammlungen auf, welche man heute dort bewundern kann; darunter tragen nicht wenige buddhistische Werke die Bezeichnung «National Treasure» (kokuhô).

Françoise Linder
Die grosse Stille
Malerei und Skulptur aus Japan
Bernisches Historisches Museum
Katalog zur Ausstellung 11.11.99-12.03.00
ISBN 3-9520537-2-4




  • Japan Index
  • Asuka-Zeit (538-645)
  • Nara-Zeit (645-794)
  • Heian-Zeit (794-1185)
  • Kamakura-Zeit (1192-1333)
  • Muromachi-Zeit (1392-1573)
  • Momoyama-Zeit (1573-1603)
  • Edo- oder Tokugawa-Zeit (1603-1868)
  • Japan - Die grosse Stille
  • Geschichte und Skulptur des Buddhismus in Japan
  • Japan - Die Stille in der Natur
  • Die Teezeremonie in Japan - Stille als oberstes Prinzip
  • Glossar


    Der Fuji ist ein Vulkan und mit 3776 m Höhe über dem Meeresspiegel der höchste Berg Japans. Er liegt auf der japanischen Hauptinsel Honsh? an der Grenze zwischen den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka, wo sich sein Gipfel befindet.

    Grosser Buddha (jap. daibutsu), eine der bedeutendsten Darstellungen des Buddha Amitabha (jap. Amida) im buddhistischen Tempel K?toku-in  in der japanischen Stadt Kamakura.

    Der Itsukushima-Schrein ist ein Shint?-Schrein auf der Insel Miyajima in Hatsukaichi in der Präfektur Hiroshima in Japan. Seit 1996 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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