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Wie kommt der Hunger in die Welt?

Eine Welt, in der die Vernichtung der Armen der Preis ist für die Feste, das Glück und die Macht der Reichen, ist eine absurde Welt.



Warum hungern in Afrika, Asien, Lateinamerika und auch in Osteuropa Millionen von Menschen? Warum gibt es andererseits Regionen, in denen die Menschen vor Überfluss krank werden? Wie entsteht dieses Ungleichgewicht? Und wer trägt die Verantwortung dafür? Der Bestsellerautor Jean Ziegler stellt sich in seinem neuen Buch den Fragen seines Sohnes, warum die Reichen immer reicher werden und der Hunger sich immer weiter ausbreitet. Entstanden ist ein einfühlsamer Frage-Antwort-Dialog – ein engagierter Appell gegen die Gleichgültigkeit, ohne Larmoyanz und falsche Betroffenheit, aufrüttelnd in seinem Engagement und Zorn gegen die Verantwortlichen.

Jährlich verhungern 30 Millionen Menschen, Hunderte von Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen von Krankheiten und Epidemien sowie den Mangelerscheinungen, die auf schwere Unterernährung zurückzuführen sind. Die reiche Welt kann es nahezu täglich in den Medien verfolgen: In Somalia, Irak, Nordkorea, Brasilien und an vielen anderen Orten dieser Welt wird gehungert. Und dies, obwohl nach neuesten Zahlen die weltweit produzierten Nahrungsmittel für über 12 Milliarden Menschen ausreichen würden. Jean Ziegler ist den Ursprüngen dieser tagtäglichen Katastrophe nachgegangen, er nennt Fakten, Zahlen und erklärt auf anschauliche, prägnante Weise die politischen und geschichtlichen Zusammenhänge.

Der politisch gerade für die Menschen in der sogenannten Dritten Welt engagierte Autor hat Regionen auf der ganzen Welt besucht, um sich vor Ort selbst ein Bild zu verschaffen. Er beschreibt die Ignoranz der Reichen, prangert diejenigen an, die den Hunger im Kampf um Macht und Profit als Waffe missbrauchen, veranschaulicht die Zusammenhänge zwischen der hemmungslosen Umweltzerstörung und dem täglichen Tod Tausender von Menschen. Provokant in seiner Schonungslosigkeit gegenüber den Verantwortlichen deckt Jean Ziegler Missstände auf, die die Ursache für eines der grossen Übel unserer Zeit sind.

Wie kommt der Hunger in die Welt? schliesst in einem Aufruf zur Veränderung, sei es auf der Ebene der Regierungen, sei es durch ein neues Bewusstsein der Menschen in aller Welt, sei es notfalls auch mit radikalen Mittel, denn – so Ziegler – die mörderische Ordnung der Welt muss geändert werden. Die französische Originalausgabe erschien in derselben Reihe wie Tahar Ben Jellouns Papa, was ist ein Fremder? (Rowohlt Berlin), dessen deutsche Ausgabe seit letztem Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste steht.

www.pressdepartment.de



Jean Ziegler: Wie kommt der Hunger in die Welt?
Ein Gespräch mit meinem Sohn.


1990 litten 20 Prozent der Weltbevölkerung an extremer Unterernährung. Neun Jahre später sind es nur mehr 19 Prozent. Mit diesem nur im Zitat bringt Jean Ziegler den Zynismus und Skandal des Welthungerproblems auf den Punkt. Absolut ist die Zahl der Menschen, die an schwerem Hunger leiden, auch im letzten Jahrzehnt weiter gestiegen: von 822 auf 828 Millionen. Allein für 1999 weist die FAO 30 Millionen Menschen aus, die verhungert sind.

Der Autor, bekannt als streitbarer Kritiker der Schweizer Wirtschafts- und Finanzpolitik (Die Schweiz wäscht weisser), arbeitet nun für die UNO als Sonderbotschafter für das Recht auf Ernährung". Er geht davon aus, dass der Hunger in der Welt gemacht wird und bei entsprechenden politischen Anstrengungen sehr rasch überwunden werden könnte (allein mit den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Methoden wären, so der Experte, nicht nur die derzeit 8 Milliarden, sondern 12 Milliarden Menschen zu ernähren).

Die Gründe für das Scheitern einer effizienten Ernährungspolitik beschreibt Ziegler in diesem didaktisch hervorragend gelungenen Buch - die Fragen lässt er seinen 10-jährigen Sohn stellen - als sehr vielfältig. Sie reichen von der Schieflage der Welternährungsgewohnheiten (ein Viertel der Weltgetreideernte wird an die Rinderherden der reichen Länder verfüttert) über Kriege und korrupte Systeme in den Hungerländern selbst bis hin zu ökologischen Verwerfungen durch Versteppung, Wüstenbildung und Klimawandel (die Zahl der Umweltflüchtlinge beträgt derzeit eine Viertel Milliarde Menschen und wird nach Prognosen in den nächsten 10 Jahren auf eine Milliarde wachsen).

Scharf kritisiert Ziegler die Perversität des freien Marktes, der Lebensmittel wie andere Güter auch behandelt. Nicht nur, dass die Kaufkraft über den Zugang entscheidet, mit Grundnahrungsmitteln wie Soja, Mais, Hirse u. a. wird auch an der Chicagoer Börse spekuliert: steigen die Preise, so steigt der Hunger; Ernährungsprogramme müssen aus Geldmangel eingestellt, Lebensmittelkäufe gestoppt werden. Zum anderen werden Nahrungsmittel zwecks Preisstützung vernichtet, wie etwa in der EU (der grösste Nahrungsvernichter der Erde heisst Franz Fischler), anstatt diese humanitären Organisationen zur Verfügung zu stellen.

Nachdenklich stimmen zwei eher psychologische Aspekte, die für Ziegler einer energischeren Bekämpfung des Hungers entgegenstehen: Zum einen spuke zumindest unterschwellig noch in vielen Köpfen (auch von Entscheidungsträgern) die malthusianische Auffassung herum, der Hunger sei notwendig zur natürlichen Eindämmung des Bevölkerungswachstums. Zum anderen werde das Problem aus Scham (und aus Gleichgültigkeit, wäre wohl hinzuzufügen) verdrängt und etwa in Schulbüchern und Medien weitgehend ausgeblendet. Auswege sieht der FAO-Experte in einer effizienteren humanitären Notstandshilfe, in politischen Revolutionen in den von Hunger betroffenen Ländern, in konkreter Landwirtschaftshilfe und in der Unterstützung des lnfrastrukturausbaus sowie in der politischen Regulierung der Finanzmärkte. Und natürlich in der Stärkung der FAO, auf deren Homepage im Sinne des Autors abschliessend verwiesen sei: www.fao.org . Ein wichtiges, dem Zeitgeist der Fun-Orientierungunserer Konsumgesellschaft trotzendes Buch, dem eine breite LeserInnenschaft zu wünschen ist.

www.z-punkt.de
Hans Holzinger




Autor

Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, lehrt Soziologie an der Universität Genf, ist ständiger Gastprofessor an der Sorbonne/Paris und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Jean Ziegler wurde in jungen Jahren geprägt von seiner Freundschaft zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir sowie durch einen zweijährigen Afrika-Aufenthalt als UN-Experte nach der Ermordung Patrice Lumumbas. (Ich habe mir geschworen, nie wieder, auch nicht zufällig, auf der Seite der Henker zu stehen.) Bis 1999 war Jean Ziegler Nationalrat im Parlament der Schweizer Eidgenossenschaft. Seine zahlreichen Publikationen (Die Schweiz wäscht weisser, Die Schweiz, das Gold und die Toten, Die Barbaren kommen u.v.a) haben weite Kreise ziehende Skandale ausgelöst und ihm internationales Ansehen, in seinem eigenen Land jedoch den Ruf des Nestbeschmutzers eingetragen.

Jean Ziegler
Wie kommt der Hunger in die Welt?
Originaltitel: La faim dans le monde racontée à mon fils, Edition Seuil 1999
Deutsch von Hanna van Laak
ca. 160 Seiten
ISBN 3-570-00359-0
Erscheinungstermin: September 2000


Jean Ziegler
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