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Marokko Abkömmlinge des Propheten français |
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Der Islam etablierte sich in meinem Land zunächst gegen den anhaltenden Widerstand der Berber. Im ausgehenden 8. Jahrhundert liess sich dann aber Idris Ben Abdallah, ein Araber, der vor dem Khalifen von Baghdad im Jahre 786 nach Marokko flüchtete, in der Stadt Zerhoun in der Nähe von Fès nieder. Sehr schnell wurde er in seiner Eigenschaft als geschickter Schlichter von Streitigkeiten für die Stämme um Zerhoun herum ein Symbol ihrer Verbindung mit dem Islam. Sein Sohn Idris II. schliesslich heiratete eine Berberfrau und erklärte sich zum Scherif, zum Abkömmling des Propheten. Getragen von den ihm ergebenen Stämmen schuf er die ersten staatlichen Strukturen in unserem Land, eine Armee, eine Verwaltung und ein eigenes Geldwesen. Die Macht der Idrissiden zersplitterte jedoch bald und endete 921.
In der Folgezeit wurde meine Heimat von einzelnen Stämmen beherrscht, die sich stark auf den Islam als einigendes Band stützten. Den berberstämmigen Almoraviden aus dem tiefen Süden Marokkos im 11. Jahrhundert folgten im 12. Jahrhundert die Almohaden («Bekenner der göttlichen Einheit») aus dem Hohen Atlas. Die Meriniden aus Südalgerien erweiterten seit Anfang des 13. Jahrhunderts ihr Herrschaftsgebiet und verlegten ihre Hauptstadt nach Fès. Den Niedergang der Meriniden beschleunigte die Invasion der Portugiesen, die 1415 Ceuta und 1417 Tanger einnahmen. Im Kampf gegen die christlichen Invasoren konnten sich schliesslich die Saaditen durchsetzen, die ihre eigene Dynastie gründeten. Wegen der europäischen Bedrohung aus dem Norden und der türkischen aus dem Osten zogen sich die Saaditen in den Süden nach Marrakech zurück, wo bald der Zerfall ihrer Zentralmacht begann. Alle bisherigen Herrscherhäuser konnten niemals ihre Macht so fest etablieren, dass sie sich auf das gesamte Gebiet des heutigen Marokko erstreckt hätte. Nach der Auflösung der Herrschaft der Saaditen begannen die Alaouiten aus dem Tafilalet jenseits des Hohen Atlas ab 1631 ihre regional begrenzte Macht auszudehnen. Ihr Aufstieg dauerte fast fünfzig Jahre. Erst der Sultan Moulay Ismael (1672-1727) konsolidierte ihre Macht in weiten Teilen meines Landes. Die Herrschaft der Alaouiten gründete sich auf den religiösen Anspruch, als Abkömmlinge des Propheten zur Schaffung des islamischen Gottesstaates berufen zu sein. Diese Abstammung vom Propheten gab ihnen eine religiöse Vorrangstellung gegenüber den traditionell in unserem Land einflussreichen religiösen Schulen, den zaouias. Die Alaouiten bauten eine starke Zentralgewalt auf, den makhzen, der das gesamte Herrschaftssystem des Sultans mit seinem Hofstaat, der Regierung, der Verwaltung und der Armee umfasste. An der Spitze des makhzen befand sich der Sultan als weltliches und geistliches Oberhaupt. Dem makhzen stand das bled es-siba, das «Land der Auflehnung» gegenüber, wo der Sultan nur als religiöses Oberhaupt anerkannt wurde, nicht aber als weltliches. Das bled es-siba umfasste sämtliche Stämme, die sich gegen die Steuereintreibung durch den Sultan zur Wehr setzten. Die Teilung Marokkos in den Machtbereich des Sultans und das «Land der Auflehnung» liess diesen zwar überall als religiöses Oberhaupt fungieren, aber nur teilweise regieren. Zu den Machtkämpfen zwischen der Zentralmacht der Alaouiten und den Stämmen kam der Druck der europäischen Mächte, die ab 1830 Interesse an meiner Heimat zeigten. Der Sieg der Franzosen über die marokkanische Armee 1844 bei Isly zwang den Sultan gegenüber den europäischen Kolonialmächten zu massiven Konzessionen. Die Spanier besetzten 1860 zusätzlich zu Ceuta und Melilla die Stadt Tetouan. Englische Zollbeamte wurden in Grenzstationen eingesetzt, um die Zahlungen von Auslandsschulden sicherzustellen. Die Franzosen verzichteten in diesen Jahren zugunsten von England endgültig auf Ägypten. Die Engländer verständigten sich mit ihnen darüber, dass Marokko als Ersatz französisches Interessengebiet werden sollte. Nur Deutschland, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Marokko mit eigenen Interessen präsent war, trat zunächst dem Anspruch Frankreichs um eine ausschliesslich französische Einflusssphäre in Marokko entgegen. Frankreich vereinbarte aber im Jahre 1911 mit Deutschland im Gegenzug für die freie Hand Frankreichs in Marokko Abtretungen aus dem französischen Kongo. Nach diesem Abkommen zwang Frankreich den Sultan Moulay Hafid am 30. März 1912, der Errichtung eines französischen Schutzgebietes zuzustimmen. Von 1912 bis 1956 war der Grossteil meiner Heimat französisches und ein kleiner Teil im Norden des Landes spanisches Protektorat. Alte Strukturen wurden zerbrochen. Die Unabhängigkeitsbewegung schuf am Ende der Kolonialzeit dann jedoch die Voraussetzungen für die Herausbildung des souveränen Einheitsstaats. Islamischer Fundamentalismua Der moderne Staat Marokko wird, wenn überhaupt, ausschliesslich von islamischen Fundamentalisten angefochten. Seine Grundlage, so ihr Argument, sei nicht Gottes Gesetz, sondern eine weltliche Verfassung. Islamische Fundamentalisten werden allerdings in Marokko vom Staat sehr streng kontrolliert, und ausserdem sind ihre verschiedenen Gruppierungen zersplittert. Mittlerweile akzeptieren viele Fundamentalisten die neuen Spielregeln der Demokratie und richten ihre Kritik hauptsächlich gegen die Oppositionsparteien, aber nicht gegen den König. Anders als im benachbarten Algerien spielen die Fundamentalisten eine vergleichsweise geringe Rolle im politischen Leben Marokkos. Die Wut und die Hoffnungslosigkeit der Armen, die in den »Bidonvilles», den Blechhütten am Rande der Städte, ihr Dasein mit Gelegenheitsjobs fristen, hat vor zehn Jahren den Fundamentalisten viele Anhänger in die Arme getrieben. Aufgrund der strengen Uberwachung ihrer Führer durch den Staat war deren Spielraum für politische Agitation und damit auch die Offentlichkeitswirksamkeit ihrer Propaganda eher bescheiden. Auch blieben die gesellschaftspolitischen Alternativen der Fundamentalisten nebulös. Hinzu kommt im besonderen Fall Marokkos, dass hier die Identifikation breiter Massen gläubiger Muslime mit dem König als ihrem religiösen Oberhaupt noch recht stark ist. Heute üben daher die islamischen Fundamentalisten oder «Integristen», wie sie in Nordafrika auch genannt werden, nur eine verhältnismässig geringe Faszination aus. Aziz el-Berr Quelle: Marokko verstehen - Sympathie Magazin Nr.14 ©1992/1997 by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. |
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