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Marokko Glaoua - Gewaltherrscher im Atlasgebirge français |
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Unter Tahmi el-Glaoui erreichte die Glaoua-Sippe den Gipfel ihrer Macht: ab 1912 arbeitete der Berberkaid eng mit den Franzosen zusammen. Er wurde zum «Pascha von Marrakech». 1947 versuchte Tahmi el-Glaoui die Trennung vom Sherifenreich, 1953 unterstützte er den von Frankreich betriebenen Sturz des angesehenen Sultans Mohammad V. zugunsten seines Schwiegersohnes Mohammad Ben Arafa.
Beiderseits der Auffahrten zu den Pässen des Hohen Atlas, bei Ait Yul im Tal des Dades in Taliouine am Jebel Siroua oder in allergrösster Pracht in Quarzazate beeindrucken die Lehmburgen der Glaoua, jener legendären Berberfürsten des Atlas-Gebirges. Ursprünglich waren die Glaoua eine führende Sippe der Masmuda-Berber neben anderen, die im Atlas-Gebirge Ackerbau und Viehzucht betrieben. Ihr Kaid, das traditionelle Oberhaupt, genoss zwar beträchtlichen Einfluss, aber wichtige Entscheidungen oblagen der Jemaa, der Ratsversammlung aus den Vertretern aller Grossfamilien. Dies änderte sich erst durch die französische Besetzung Marokkos 1912. Unter dem Vorwand, Gewalt gegen Europäer unterdrücken zu müssen, landeten französische Truppen 1911 in Marokko, und ein Jahr später zwang Frankreich dem Land den Status eines «Schutzgebietes» auf. Im Gegensatz zur totalen Annexionspolitik im benachbarten Algerien versuchte die Kolonialmacht in Marokko unter Marschall Lyautey zunächst die Kooperation mit einheimischen Behörden. Indem die Franzosen aber die Berber-Kaifis besonders förderten und ihre Macht erweiterten, beschnitten sie die Autorität des Sultans. Tahmi el-Glaoui profitierte in besonderer Weise von der Kollaboration mit der Kolonialmacht. Als Gegenleistung für die Zusammenarbeit mit der «Schutzmacht», die durch das Wirken «ihres» Mannes in Südmarokko und im Atlas auf eine eigene Kontrolle des Gebietes verzichten konnte, erhielt der Glaoui in jeder Hinsicht freie Hand: mit französischen Waffen und Hilfsgeldern ausgerüstet, baute er seine Privatarmee und eine Glaoua-Verwaltung mit der Machtzentrale in Marrakech auf. Aus dem Kaid als Erstem unter Gleichen wurde so der «Pascha von Marrakech». Tahmi el-Glaoui regierte seinen Teil Marokkos offenbar so zur Zufriedenheit der Franzosen, dass er sich fast alles erlauben konnte: die Aufrechterhaltung der Sklaverei (bis in die fünfziger Jahre!), Gewalt, Grausamkeiten, Plünderungen seiner Schutzbefohlenen. Als Ende 1955 der rechtmässige Sultan nach einer Zeit des Exils wieder nach Marokko kam und sich die Unabhängigkeit des Landes abzeichnete, war das Ende des Glaoua-Clans gekommen. Das Volk stürmte seine Paläste, Tahmi el-Glaoui bat den Sultan demütig um Verzeihung. Wenige Tage später starb der «Pascha von Marrakech». Frank Bliss Quelle: Marokko verstehen - Sympathie Magazin Nr.14 ©1992/1997 by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. |
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