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Die Medressa - Schule der Ästhetik        français
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Die grosse Zeit Marokkos, von der Almoravidendynastie bis zu den bersten Alaouitensultanen (11. 17. Jahrhundert), ist zugleich auch die Glanzzeit der grossen Städte. Schon die ersten Wüstenherrscher vertauschten bald ihre Zelte mit festen Residenzen und begannen mit grossartigen Bau vorhaben auch für die Öffentlichkeit. Privatpersonen - reiche Händler und hohe Hofbeamte wetteiferten in Städten wie Meknes, Fès oder Marrakech mit den Herrschern in der Errichtung von Moscheen, Brunnen und religiösen Schulen, den Medressen.

Die Medressa (in Marokko auch: Medersa), zunächst eine einfache Schule für die religiöse Erziehung, entwickelte sich schnell zur universellen Bildungsstätte. Eine Reihe von Medressen waren Universitäten vergleichbar. Die Lehrangebote übertrafen z.B. im 12. bis 14. Jahrhundert vieles, was in Europa an Wissen vermittelt wurde. Hier wurden unter den Almohaden und Meriniden Funktionsträger des Reiches ausgebildet und die religiösen Lehrer, die der Bevölkerung das Wort Gottes erläuterten und den Gedanken vom dar el-Islam vermittelten, dem «islamischen Haus» im Gegensatz zur Welt der Ungläubigen. In der Medressa wurde den Söhnen von Kaufleuten alles Bekannte über fremde Länder vermittelt, sie lernten die Grundzüge der Sternenkunde und der Navigation. Auch die Medizin war in den bedeutenderen Schulen eine hochgeachtete Disziplin.

Das verbindende Fach jedoch war die Religion. Die Studierenden, häufig Stipendiaten - viele Studenten erhalten nämlich von ihrer Schule Unterkunft und Verpflegung - lernten den Koran auswendig, auch zahlreiche Kommentarbände zum Koran und die wichtigsten Hadith-Werke, in denen die Worte des Propheten Mohammed gesammelt sind. Pflichtfächer waren auch islamisches Recht, Grammatik und Philosophie. Frei gewählt wurden Astronomie, Geographie oder Medizin. Viele der grösseren Medressen sind Kunststätten hohen Ranges, in die ihre Gründer das Beste und Feinste einbrachten, was ihre Zeit an Handwerkskunst bot.

Gernot Rotter
Quelle: Marokko verstehen - Sympathie Magazin Nr.14
©1992/1997 by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.




Medrese [die; arabisch, türkisch]
Medresse
Lehranstalt für Studierende der islamischen Wissenschaften (Theologie, Recht und Philologie); meist einer Moschee angegliedert. Die Wohnzellen der Lehrer und Studierenden sind um einen rechteckigen offenen Hof zweigeschossig angelegt. Die ältesten Medresen entstanden in Amol, Nishapur und Bagdad.



Medresse in Fès
Kulturdenkmal Fès el-Bali, neben Marrakesch eine der wichtigen vier Königsstädte; Medina u. a. mit Grabbau (Zaouïa) des Moulay Idris II., der zweitgrössten marokkanischen Moschee, der Hochschule und 17schiffigen Moschee Kairaouine, der berühmtesten Medrese der Stadt, Bou Inania (1350-57), der Medrese el Seffarine, der ältesten der Stadt (1280), der Medrese el Attarine (1323-25) sowie dem Viertel der Färber und der Gerber. Fès, östlich von Rabat und nordöstlich von Meknès würde 1981 auf die Liste der Weltkulturgüter aufgenommen. Die einstige marokkanische Hauptstadt ist ein sehr bedeutendes kulturell-religiöses Zentrum.



Medrese in Marrakesch
Kulturdenkmal: Medina Marrakesch, von einer 12 km langen Mauer umgeben und mit einigen Stadttoren wie dem Tor des eingedickten Traubensaftes (Bab er-Robb) versehen, dort auch u. a. die Koutoubia-Moschee mit 77 m hohem Minarett und 17 Schiffen, die Grosse Moschee El Mouassin mit sieben Schiffen, die einst bis zu 900 Studenten fassende Medrese Ben Youssef, die Saaditengräber, Grablege von 4 Sultanen, und der El-Badi-Palast (16. Jh.) , Provinzhauptstadt in Marokko, am Hohen Atlas, 746 000 Einwohner; malerische Altstadt (Weltkulturerbe seit 1985); traditionelle Sultanresidenz, viele Paläste und Moscheen, Universität, Handels- und Verwaltungszentrum; Flughafen. - 1062 gegründet, Hauptstadt der Almoraviden bzw. der Almohaden bis Ende des 13. Jahrhunderts.



Meknès - Medersa Bou Inania
1356 fertiggestellt. Eines der bedeutenden islamischen Bauwerke der Stadt. Erbaut wurde es unter dem Merinidensultan Abu el Hassan und vollendet von seinem Sohn Fariz I. Abu Ainan. Der Innenhof mit Reinigungsbrunnen ist mit sehr schönen Fliesen und Holzschnitzereien ausgestattet. Das obere Geschoss, das von einer zedernholzgeschnitzten Galerie zum Innenhof hin begrenzt ist, beherbergt die winzigen Zellen der Koranschüler. Die Medersa (Medrese) wurde im 16. Jh. um ein theologisches Institut erweitert.


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