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Marokko Leben im Oneine-Tal français |
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Geduld und gute Nerven braucht man auf alle Fälle. Ob man die Route von Marrakech wählt oder jene von Agadir, die Fahrt ins Oneine-Tal auf kurvenreichen schmalen Schotterstrassen ist beschwerlich. Die Mühe wird belohnt, wenn sich der Horizont weitet und der Blick auf die Terrassenfelder fällt, begrenzt von den steilen Hängen des Hohen Atlas. Kommt man etwa im März, scheinen die blühenden Mandelbäume wie rosa Wölkchen über dem Tal zu liegen.
Hier ist Fatima Tijani geboren und aufgewachsen. Einige Jahre hat sie in Rabat gearbeitet. Nach der Hochzeit mit Hassan ist sie wieder hierhergezogen. Das passiert nicht oft. Viele junge Menschen gehen weg, weil sie hier kein Auskommen finden. Das Leben der Bauernfamilien in den über 60 winzigen Dörfern ist beschwerlich und karg. «Vielleicht wären wir auch nicht zurückgekommen, hätten wir nicht das Gefühl, da es aufwärts geht in unserem Tal», meint Fatima. «Etliche unserer Dörfer haben heute eine Wasserleitung. Das erspart den Frauen das mühevolle Wasserschleppen. In anderen Dörfern gibt es bereits Elektrizität. Und die Dorfbewohner haben alles selbst gebaut». Sie ist sichtlich stolz, stolz auf das «Projekt», in dem sie mitarbeitet. Ebenso ihr Mann Hassan. Er arbeitet als Lehrer in der Dorfschule, ist daneben für eine Baumschule verantwortlich, und er berät die Bauern bei Versuchspflanzungen. Grössere Abwechslung auf dem täglichen Speiseplan wird vor allem den Gesundheitszustand der Kinder heben. Das «Projekt» ist keines jener Vorhaben, bei dem ein paar Fachleute von auswärts kommen und in kurzer Zeit den Menschen die oft genug zweifelhaften Segnungen des Fortschritts aufdrängen. Alle Pläne werden mit der Bevölkerung erarbeitet. Oft dauert es lange, bis der Bau einer Schule, die Errichtung eines kleinen Wasserkraftwerkes oder die technische Verbesserung von Bewässerungskanälen von den Männern und Frauen durchdiskutiert und beschlossene Sache ist. Doch dann sind die Vorhaben ihre eigenen. Unterstützung erhalten sie von Fachleuten der Universität in Rabat, die auch alle Aktionen wissenschaftlich begleiten. Über die Nichtstaatliche Organisation Austroprojekt kommen Beratung und Finanzmittel aus dem öffentlichen Entwicklungshilfetopf Osterreichs. «Tiefgreifende Veränderungen müssen wachsen», erläutert Fatima den Faktor Zeit. «Ich habe zum Beispiel viel mit den Frauen geredet, bevor wir beschlossen, die Fischteiche anzulegen. Wir waren ja nicht gewohnt, frischen Fisch zu essen». «Wie ein Baum wächst das Tal, langsam zwar, aber an allen Ekken und Enden», pflichtet ihr Hassan bei. Am wichtigsten scheinen dem Lehrer jene Bemühungen zu sein, die den Bewohnerinnen und Bewohnern des Oneine-Tals mehr Bildung bringen. Gerade wird ein kleines Zentrum errichtet, wo die Frauen lesen und schreiben lernen werden, auch nähen, weben und verschiedene landwirtschaftliche Fertigkeiten. Ebenso bedeutend ist ihm die Einrichtung von Grundschulen für alle. «Die Kinder werden ein besseres Leben haben», sagt er. «Und vielleicht werden sie dann nicht in die Stadt ziehen», ergänzt seine Frau, während sie ihr Erstgeborenes im Arm wiegt. Heide Gockner, Brigitte Pilz Quelle: Marokko verstehen - Sympathie Magazin Nr.14 ©1992/1997 by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. |
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