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Traditioneller Silberschmuck aus verschiedenen Teilen von Marokko: die meisten Stücke werden aus Blechen gehämmert, dekoriert und zuweilen mit Emailfarbe oder Schmucksteinen versehen.

«Hier in Taroudant», erzählt mir Zubida el-Khalil, «hat der Verkauf von Antiquitäten, Waffen oder von Schmuck lange Tradition. Aber auch in den Souks von Marrakech, in den Läden von Tafraout oder in unzähligen anderen Touristenstationen wird neben tausenderlei echten Altertümern kiloweise sogenannter Berberschmuck verkauft. Das Angebot reicht von klobigen Armreifen aus undefinierbarem Material über gegossene Gewandnadeln aus minderwertigem Silber (arab.: fadda) bis hin zu feinsten Arbeiten in Cloissonné-, Filigran- oder Granuliertechnik in fast reiner Sterlingqualität».

Als Designerin für modernen Schmuck kennt sich Zubida auch gut in anderen Bereichen des Gewerbes aus. «Goldschmuck gibt es in diesen Andenkenläden nicht, denn was in Marokko aus Gold (arab.: thahab) angeboten wird, ist für den europäischen Geschmack wohl weniger attraktiv. Gewöhnliche Souks sind dagegen voll mit Goldläden. Schmuck aus diesem Material ist für unsere modernen Frauen heute offenbar ein Muss. Das alte Silber erscheint vielen inzwischen eher als altmodisch. Deshalb verkaufen viele Frauen es sogar in abgelegenen Gebieten, um mit dem Erlös das begehrte Gold kaufen zu können. Dies erklärt zum Teil, warum so viel alter Silberschmuck im Handel ist - aber nur zum Teil, verstehst du? Man kann sich leicht vorstellen, dass bei der grossen Nachfrage durch Reisende auch einmal Altes nachgemacht wird. Da Silberstempel vor allem bei auf dem Lande gefertigten Stücken die Ausnahme sind, lassen sich Fälschungen nur schwer erkennen», belehrt mich Zubida.

«Die marokkanische Schmucktradition wurde bis in die sechziger Jahre hinein vor allem von jüdischen Handwerkern getragen», fährt sie fort. «Selbst in den entlegenen städtischen Kasbas am Sahararand gab es wenigstens einen jüdischen Silberschmied. Von ihm wurden u.a. auch jene Dolche mit ihren silbernen Scheiden und prächtig verzierten Griffen hergestellt, die noch bis in jüngste Vergangenheit von jedem Mann getragen wurden. Diese jüdischen Silberschmiede lebten zumeist in einem eigenen Viertel. Da man auf ihre Arbeiten nicht verzichten wollte, genossen sie als einzige Fremde ein ständiges Wohnrecht in den Sippenburgen.

Heute arbeiten auf dem Lande kaum noch Silberschmiede. Das Gewerbe ist in den Städten konzentriert, und statt der traditionellen Schmuckformen werden, wie Du sehen kannst, vor allem Becher, Tabletts und allerlei Geschenkartikel für unsere reicheren Familien angefertigt. Für den Tourismussektor wird hauptsächlich internationaler, vor allem preisgünstiger Silberschmuck hergestellt. Trotz häufig sehr guter Qualität sind dies aber nicht immer orientalische und schon gar nicht berberische Schmuckstücke», berichtet Zubida mit einem Lächeln - schliesslich reden wir gerade über ihre eigene Arbeit. «Silber- und Goldschmuck ist in Marokko wegen der niedrigen Arbeitslöhne ja recht billig. Silber in seriösen Läden ist meistens mit einem Schafskopf-Symbol gestempelt. In Zweifelsfällen solltest Du aber - um spätere Enttäuschungen zu vermeiden - lieber auf einen Kauf verzichten», rät mir Zubida zum Abschluss.

Karin Gaesing
Quelle: Marokko verstehen - Sympathie Magazin Nr.14
©1992/1997 by Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.



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