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Plakatgestalter in Bern

Die Berner Graphik wird von einigen profilierten Persönlichkeiten verschiedener Herkunft und Generationszugehörigkeit geprägt, die - mit gelegentlichen Berührungspunkten - keine eigentlichen Übereinstimmungen erkennen lassen. Es sind individuelle graphische Stile oder Sprachen, die jeden dieser Graphiker als unverwechselbaren Gestalter erscheinen lassen.



  • Hans Hartmann
  • Hugo Wetli
  • Adolf Flückiger
  • Kurt Wirth
  • Herbert Auchli
  • Heinz Jost
  • Claude Kuhn-Klein
  • Stephan Bundi
  • Das Plakat - Index



    Hans Hartmann

    Der gebürtige Aargauer Hans Hartmann (1913) hat nach einer Berufslehre und dem Besuch der Kunstgewerbeschule Zürich (unter Ernst Keller) sich 1938 in Bern etabliert. Zu einer seiner Spezialitäten wurde das Signet für Firmen oder Institutionen, darunter das Signet der SBB, in dem sich Kreuz und Pfeile nach beiden Seiten ausdrucksstark verbinden. Meisterliche Lösungen fand Hartmann wiederholt bei der Gestaltung von Briefmarken. Die Serien der Kunstdenkmäler von höchster Präzision im Strich und monumentaler Wirkung, gehören zu den besten Schweizer Briefmarken. Hervorgetreten ist Hartmann auch mit Ausstellungsgestaltungen und Wandbildern. Immer wieder ist in der linienbetonten Gestaltung eine Liebe für die graphischen Reize der Volkskunst spürbar.

    Dieser Graphismus findet sich auch in einzelnen Plakaten. Doch vergisst Hartmann die Hauptfunktion dieses Werbe- und Informationsmittels nicht: Blickfang und rasche Information durch verknappte Texte. Das kann im Extremfall zum Verzicht auf Texte überhaupt führen, also zur Weitergabe der Information einzig durch das Bild. So etwa beim Plakat für Sicherheit im Strassenverkehr; das zur Benutzung von Fussgängerstreifen auffordert: Im Vordergrund trippelt unsicher ein Huhn auf der Fahrbahn; darüber die Geometrie des Fussgängerstreifens mit den Schuhabdrücken als sichere Alternative für den Benutzer. Die klare Bildbotschaft bedarf nicht des Hinweises «Stapf nicht wie ein Huhn über die Strasse». Ebenso eindrücklich ist ein Plakat für den Gütertransport der SBB: Die stilisierte Teilansicht eines Güterwagens mit dem dynamischen Radmotiv verbindet sich reit dem Slogan «SBB - Hauptstrasse der Wirtschaft» zur klaren Werbebotschaft. Gerade dieses Plakat ist typisch für den graphischen Perfektionismus der Schweizer Graphik um 1960.



    Hugo Wetli

    Der Berner Hugo Wetli (1916-1972) hat den Lehrberuf eines Bauzeichners früh mit dem des Gebrauchsgraphikers vertauscht. Zeitlebens verlockten ihn auch immer wieder die freie Zeichnung und die Malerei. Für seine gebrauchsgraphischen Arbeiten hat er einen unverwechselbaren Stil gefunden, der im Formalen illustrativ-zeichnerisch wirkt, jedoch in der lebhaften Farbsetzung stets den Maler verrät. Dieser kam in Wandbildern - für Agenturen der Swissair oder den Chemie-Pavillon der Expo 1964 in Lausanne - voll zum Zuge.

    In Kalendern und Plakatserien für die Schweizer Verkehrszentrale brachte Hugo Wetli immer wieder seine Liebe für Vielfalt und Schönheiten schweizerischer Landschaften zum Ausdruck. Mit malerisch-illustrativen Blättern hat er zur Werbung für das Reise- und Ferienland Schweiz Pionierleistungen vollbracht. Er huldigte dein Reichtum unserer Natur- und Siedlungslandschaften immer mit dem Bewusstsein, dass erst die individuelle künstlerische Interpretation dem Sichtbaren ästhetischen und emotionalen Reiz verleiht. Nur sporadisch hat sich Hugo Wetli der Warenwerbung gewidmet. Zwei Arbeiten stehen hier im Vordergrund: Die zeichnerisch muntere Silhouette eines Kaminfegers, der als üblicherweise verrusster Gesell. aber auch als Glücksbringer für das weissmachende Persil wirbt. Sodann ein dunkelhäutiger, sportlicher Plantagen-Arbeiter, der mit emporgerecktem Arm einen mächtigen rot-weissen Kaffee-Ballen auf dem Kopf balanciert.



    Adolf Flückiger

    Der gebürtige Zürcher Adolf Flückiger (1917) erhielt seine Ausbildung in einem graphischen Atelier und an der Kunstgewerbeschule Zürich bei Alfred Willimann. Seit 1944 ist er selbständig in Bern tätig. Er übernimmt Lehraufträge am Technikum Biel, von 1963-1983 als Fachlehrer für Graphik an der Kunstgewerbeschule Bern. Für zahlreiche Auftraggeber - wie SBB und SRG sowie humanitäre Institutionen - ist eine Vielzahl und Vielfalt an graphischen Arbeiten entstanden, darunter auch markante Signete.

    In seinem Schaffen dominieren einerseits Plakate für humanitäre Institutionen (Winterhilfe, SchweizerAuslandhilfe u.a.), anderseits Ausstellungsplakate für die Berner Kunsthalle. Mit seinen Plakaten für soziale Hilfswerke will Flückiger den Betrachter aus seiner Passivität aufrütteln und zu Geldspenden animieren. Diese Aufgabe löst er mit einer lapidaren, auf Kontrasten beruhenden zeichenhaften Bildsprache. So wirbt für die Winterhilfe eine stilisierte verschneite Baumform. Dass auch mit Schwarzweiss-Plakaten stärkste Wirkungen zu erzielen sind, zeigt der Aufruf für die Schweizer Auslandhilfe: Zwei schwere quer-rechteckige schwarze Flächen verleihen als Schriftträger dem Plakat monumentale Wirkung. Zwischen sie eingeklemmt erscheint, wie durch einen Sehschlitz, das Augenpaar eines schwarzhäutigen Kindes - eine deutliche Aufforderung zur Hilfe in der Not.

    Bei den Ausstellungsplakaten entwickelt Flückiger die Formelemente aus der jeweiligen Thematik heraus oder aber sucht - wie bei der Gruppenausstellung «Gorin - Dewasne - Constant» - eine farbformale Lösung, die das «Klima» der Ausstellung suggeriert: eine horizontale Streifenstruktur mit dem Trikolore-Farbklang Blau-Weiss-Rot, der für Frankreich wie für Holland als Heimat der Künstler zeugt. Die Streifenstruktur löst die schmalhohen Lettern so stark auf, dass es der Anstrengung des Betrachters bedarf, um die Botschaft zu lesen.



    Kurt Wirth

    Seit 1938, als er in Bern sein Atelier eröffnete, hat Kurt Wirth (1917) in seinem vielseitigen graphischen Schaffen einen weiten Weg zurückgelegt: von illustrativen Anfängen bis zu den reifen, formbetonten Abstraktionen. Wie an anderer Stelle gezeigt wird, spiegelt sich diese Entwicklung besonders Klar im Plakatschaffen, wo eine zunehmende Vereinfachung im Einsatz der farb-formalen Mittel zu beobachten ist. So visualisiert ein Plakat von 1981 für die Buchhandlung Scherz das Thema «Buch» in elementarer zeichenhafter Verdichtung; das Bildkürzel Buch verbindet sich wirkungsvoll mit dem knappen Schriftelement. Ganz anders ein Konzertplakat von 1988: Da erzeugt eine gestisch-freie Farbkomposition Konzertstimmung. Sind es Instrumenten-Fragmente, sind es Impressionen der musikalischen Werke selbst, die hier farbig delikat einen Hörgenuss visualisieren? Jedenfalls greift die Stimmung auch auf die Schrift über, die als freie Kalligraphie sich über die Farbkomposition legt. Das Plakat erinnert daran, dass Kurt Wirth sich zunehmend freien künstlerischen Arbeiten widmet.



    Herbert Auchli

    Der in Ruswil geborene Herbert Auchli (1921) hat sich nach dem Besuch der Kunstgewerbeschulen von Luzern und Zürich (Ernst Keller) in verschiedenen Ateliers graphische Erfahrungen angeeignet, bevor er sich 1947 in Bern niederliess. Zwischen 1971 und 1986 war er als Lehrer an der Graphikklasse der Schule für Gestaltung in Bern tätig. Zeigten frühe Arbeiten eine leicht anekdotische Neigung zum Illustrativen, so hat Herbert Auchli später die figurativen Motive stilisiert oder durch abstrakte Formkompositionen ersetzt.

    Aufgefallen sind stets die von Herbert Auchli für den Publizitätsdienst der SBB geschaffenen Plakate. Bei diesen Aufgaben verwendet er photographische Mittel, oft in graphischer Verfremdung. Zu den eindrücklichsten SBB Plakaten gehören jene, die die Bahn als Alternative zum Auto empfehlen. Wo das Land in tiefem Schnee versunken ist, wird die Bahn dem hilflos im Schnee stehenden Automobilisten mit dem Slogan «Darum ein Halbtax-Abonnement» empfohlen. Und wo die Autos kaum mehr aus dem Schnee zu buddeln sind, heisst es «Abwarten und Bahn fahren». Eines der stärksten winterlichen SBB-Plakate ist die Schwarzweiss-Komposition mit der Photographie einer verschneiten Baumsilhouette, hinter der im Schneetreiben wie eine Vision ein Zug quer durch das Plakat fährt. In einprägsamer roter Schrift wird die Empfehlung gegeben: «Eis und Schnee - SBB». Immer wieder hat Herbert Auchli treffsichere Bildformen für die SBB-Slogans von Werner Belmont gefunden.



    Heinz Jost

    Der Berner Heinz Jost (1934) hat im Anschluss an seine Ausbildungszeit an der Kunstgewerbeschule Biel bei einem Volontariat am Stadttheater Bern seine leidenschaftliche Liebe zum Theater vertieft. Mit der Eröffnung des eigenen Ateliers in Bern, 1967, tritt dann die Arbeit für das Stadttheater Bern und die Bernische Musikgesellschaft ganz in den Vordergrund.

    Merkmal für Heinz Josts Theaterplakate ist, wie an anderer Stelle ausgeführt, nicht allein die Passion für die Welt des Theaters. Er geht immer vom Inhalt des Werkes, seinem zeitlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Klima aus. Mit ihm lässt sich Jost bis zur völligen Identifikation ein.

    Das erlaubt ihm, stets von innen heraus zu gestalten. Er tut dies mit einem illustrativen Stil, der die Übersteigerung ins Groteske, oft ins Makabre, Unheimliche bevorzugt. Es entsteht ein packendes Theaterklima, wie es im Schweizer Plakat selten ist.

    Das Plakat für die Oper «Wozzeck» von Alban Berg - mit dem in fahlem Grau ins Absurde gesteigerten Uniformträger - ist Beispiel für eine unvergleichliche Gabe von Heinz Jost, nämlich das Theater als etwas durchaus Künstlieh-Unwirkliches, Phantastisches zu verstehen, in dem der Alltag, unser Leben, auf faszinierend-zwingende Weise dargestellt, interpretiert und kommentiert wird.
    Siehe auch Berner Theaterplakate



    Claude Kuhn-Klein

    Der Berner Claude Kuhn-Klein (1948) erhielt seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Bern. Anschliessend besuchte er die Akademie der bildenden Künste Stuttgart, später die Kunstgewerbeschule Zürich. Seit 1972 widmet er sich freier künstlerischer Arbeit und ist zugleich Graphiker und Ausstellungsgestalter am Naturhistorischen Museum Bern. 1986 erhielt er einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung.

    In seinem Plakatschaffen dominieren zwei gegensätzliche Themenbereiche: der Boxsport und die Tierwelt. Während bei den Boxsport-Plakaten Claude Kuhn-Klein aussergewöhnliche Gesichtspunkte wählt - etwa die Verwandlung der beiden Boxer im Ring in zwei riesige Boxhandschuhe, die aufeinander losgehen -, steht bei den Tierplakaten eine exakte, stilisierte Darstellung der Tiergestalt im Vordergrund.

    Zum Besuch des Vivariums im Tierpark Dählhölzli lädt uns vor grünem Grund ein blauer Papagei in bilderbuchhafter Stilisierung ein. Der exotische Vogel wird so monumentalisiert, dass nur Kopf, Hals und Brust im Ausschnitt gezeigt werden, wir uns also, die Tiergestalt ergänzend, einem Riesenvogel gegenüber wähnen. Anders die Tiergestalt auf einem Plakat des Naturhistorischen Museums: Auch da - vor zart gelbem Grund - in ornamental schwingender Form stilisiert, ein exotischer Vögel, ein Tukan mit riesigem gelbem Schnabel, nun aber in der Art einer Spielkarte kopfüber ein zweites Mal gezeigt, diesmal in zartem Grau. Die Darstellung gewinnt dadurch die formale Qualität einer persischen Miniatur oder eines japanischen Farbholzschnittes. Durch diese eigenwillige formale Gestaltung wie durch das Raffinement der Farbstellung erhält das Plakat alle Merkmale des Ungewöhnlichen, ästhetisch überaus Reizvollen.



    Stephan Bundi

    Aus Trun in Graubünden stammend, hat Stephan Bundi (1950) seine Lehre in einer Werbeagentur absolviert und sich an der Kunstgewerbeschule Bern weitergebildet. Nach einer Agentur-Praxis folgte ein Studium an der Akademie der Künste in Stuttgart. Zur Berufspraxis kamen wiederholt Lehraufträge an verschiedenen Schulen für Gestaltung. Seine Neigungen, sein künstlerisches Credo haben dazu geführt, dass Bundi seine gestalterischen Mittel «engagiert» einsetzt.

    Angehöriger einer jungen, nach 1968 angetretenen Generation visualisiert Bundi seine Themen ohne jede graphische Schönfärberei. Seine Konzepte sind direkt, hart unter die Haut gehend, vor allem dort, wo vom Thema her Schonungslosigkeit gefordert ist. Am weitesten in dieser Richtung geht wohl das Montage-Plakat «Stoppt die Folter» von 1985 für Amnesty International. Die scharfe Rasierklinge, die in eine Daumenkuppe eingeschnitten ist, verdichtet das Phänomen der Folter in ein exemplarisches Beispiel des verletzenden, schmerzhaft-quälenden Eingriffs in die Integrität und Würde eines Menschen. Deutlicher kann man kaum sein.

    Die Plakate der hier vorgestellten Berner Gestalter stecken - wenigstens summarisch - den Rahmen ab, in dem sich das Berner Plakat der letzten drei Jahrzehnte entfaltet hat. Die Spannweite reicht von strenger, handwerklich perfekter und sachlicher, vielfach «Ding-naher» Gestaltung bis zur freien, teils illustrativen oder malerischen, teils phantastischen Evokation mehr von Stimmungen als von konkreten Gegenständen. Deutlich wird im Schaffen der meisten Berner Plakatkünstler die intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen, wohl auch widersprüchlichen Aspekten der aktuellen Kunst, wie sie in den exemplarischen Ausstellungen der Berner Kunsthalle gezeigt wurden.

    Willy Rotzler
    Das Plakat in der Schweiz
    1991 by Ex Libris Zürich



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